Freyung. Sie konnten sich darauf vorbereiten. Denn am Ende ist es so gekommen, wie sie es befürchtet hatten. Und dennoch fühlte sich die eine „wie in einem falschen Film“, für die andere ist es eine „totale persönliche Katastrophe“: Am Montagnachmittag hat der Kreisausschuss das Ende der Sauna im Freyunger Hallenbad beschlossen. Die mehrheitliche Entscheidung (9:4 Stimmen) der Freyung-Grafenauer Volksvertreter hat unter Beobachtung gestanden wie wohl nur wenige Beschlüsse in dieser Legislaturperiode. Denn eine rund 30-köpfige Gruppe von Sauna-Fürsprechern um Liane Wagner, Anita Groß und Edna Kinateder wehrte sich mit Nachdruck, Plakaten und teils sehr heftigen Worten gegen diesen Schritt – letztlich jedoch vergebens.

Die schweißtreibende Vorgeschichte dieser Versammlung im Landratsamt, die zu Beginn der Arbeitswoche für Aufsehen gesorgt hat: Seit Jahren gibt es eine Art Stammtisch in der Sauna des Freyunger Hallenbades. Überwiegend (weibliche) Senioren schwitzen dort regelmäßig gemeinsam, es wird aber auch liebend gerne getratscht. Es hat sich eine Solidargemeinschaft gebildet. Doch heuer öffnete der heiße Treffpunkt nach der üblichen Sommerpause nicht mehr seine Pforten. „Uns wurde immer gesagt, dass der Grund dafür mit technischen Problemen zu tun habe“, berichtet Edna Kinateder, Wortführerin der Saunagemeinschaft. „Von einem kompletten Ende war nie die Rede.“
Mehr und mehr kristallisierte sich heraus, dass die Schließung keine temporäre Angelegenheit ist. Spätestens, als ein entsprechender Punkt auf der Tagesordnung einer Kreisausschusssitzung erschien, war dies allen klar. Und Edna Kinateder ging mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern auf die Barrikaden. Zusammengefasst stören sie sich daran, dass die Entscheidung Knall auf Fall und ohne Mitspracherecht „von oben herab“ getroffen worden sei. „Gäste schätzen nicht nur die vorhandenen Saunen, sondern insbesondere die gleichzeitige Nutzung des Hallenbades“, formuliert es Kinateder in einem Schreiben an Landrat Sebastian Gruber und die Kreisausschuss-Mitglieder, das auch dem Hog’n vorliegt.
„Diktatur statt Demokratie“ – „Trump lässt grüßen“

Darin heißt es weiter: „Die Saunaanlage beim Hallenbad ist in keinster Weise ein Auslaufmodell, sondern erweitert die Attraktivität für die Feriengäste, ist aber auch für die gerade älteren Einwohner der Stadt Freyung eine Wohlfühloase.“ Die im Frühjahr eröffnete Saunaoase „sofy„ auf dem Gelände des Naturbades sei für die Senioren zu groß, zu teuer und zu unpersönlich. Sie setzen sich deshalb für den Erhalt „ihres“ Heißluftbades ein. Und das mit einer Vehemenz, die nah an die Grenzen eines respektvollen Miteinanders geht.
Eine Liste mit 150 Unterschriften, die an die Verantwortlichen geschickt wurde, ist das eine. Die vielen (teils heftigen) Worte im Vorhinein sowie die Plakatinhalte beim Aufmarsch vor dem Landratsamt am Montagnachmittag das andere. „Diktatur statt Demokratie„, „Trump lässt grüßen„, „Freunderl-Wirtschaft“ war auf Schildern der Saunagemeinschaft, die sich vor Beginn der entscheidenden Sitzung vor dem Dienstgebäude „Königsfeld“ in der Grafenauer Straße postiert hatte, zu lesen. Während der rund einstündigen Diskussion der Kreisräte blieb es dann ruhig auf den Besucherplätzen. Nur einmal brandete (eigentlich nicht zugelassener) Applaus auf – für den Einwand von Grünen-MdL Toni Schuberl.
„Persönliche Anfeindungen dem Zeitgeist geschuldet“
Das Kreisausschuss-Mitglied konnte die Argumentation des Landrats, weshalb die Sauna geschlossen werden soll, nicht so recht nachvollziehen. Das Hallenbad sei vordergründig ein „Schul- und Lehrbad“, informierte Gruber und ergänzte: „Dennoch wollte man es der Öffentlichkeit nach seiner Fertigstellung in den 70er Jahren zugänglich machen. Die Besonderheit an Freyung ist zudem die Sauna.“ Eine seinen Ausführungen zufolge freiwillige Leistung, die „nicht zu den ureigenen Leistungen eines Landkreises“ gehört. Der Rechnungsprüfungsausschuss hätte im Rahmen des Haushaltskonsolidierungsgesetzes immer wieder darauf hingewiesen, dieses Modell zu überdenken.
Seit Anfang des Jahres komme laut dem Landrat hinzu, dass mit der Saunaoase „sofy“ eine privat geführte Alternative – dazu zähle auch eine Genossenschaft – zur Verfügung stehe. „Die Technik ist robust, die Sauna trägt sich von selber“, machte Gruber deutlich. „Aber es ist nicht redlich, als öffentliche Hand in Konkurrenz zu treten.“ Freilich, das gab der CSU-Politiker zu, sei die Kombination aus Schwimmen und Saunieren in Freyung einmalig. Und natürlich hätten Bürger das Recht, sich zu Wort zu melden – „und das wollen wir auch nicht klein machen“. Aber ein respektvoller Umgang sei das A und O. „Persönliche Anfeindungen sind wohl dem Zeitgeist geschuldet.“
Antrag von Renate Ruhland erst gar nicht aktuell
Toni Schuberl wendete ein, dass man doch die Hallenbad-Sauna einfach so lange weiter in Betrieb lassen könnte, bis tatsächlich größere Investitionen anstehen würden. Bis dahin hätte man ja nichts zu verlieren, „weil sie sich ja selber trägt“. Seine Kollegin Renate Ruhland (ödp) schlug in eine ähnliche Kerbe. Sie kritisierte zudem die Kommunikation der im Raum stehenden Schließung. „Das nehme ich auf meine Kappe“, sagte Gruber dazu. „Vielleicht wäre es besser gewesen, dieses Thema während der Schließzeit im Sommer zu besprechen. Aber später ist man immer schlauer.“
Ein Antrag von Ruhland, zumindest die aktuelle Wintersaison noch abzuwarten, wurde erst überhaupt nicht aktuell, weil dann der in der Vorlage dargestellte Beschluss einer sofortigen Schließung im ersten Schritt hätte abgelehnt werden müssen. Das allerdings war, wie eingangs erwähnt, nicht der Fall. Darauf konnten sich Edna Kinateder, Anita Groß, Liane Wagner & Co. eigentlich vorbereiten. Und dennoch wird ihr Zorn wohl noch länger nicht verraucht sein…
Helmut Weigerstorfer








