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Frauenau. Quo vadis, Emil? Nachdem er vor einer Woche im Bayerwald-Grenzort Bischofsreut mitten durch den Ort spaziert war (da Hog’n berichtete) und er jüngst in Buchenau bei einer kleinen Zwischenmahlzeit gesichtet worden ist, verschlug es den wanderfreudigen Elch am gestrigen Mittwoch zur Frauenauer Trinkwassertalsperre, um dort offensichtlich ein kleines Bad zu nehmen. Hog’n-Leserin Wiebke Matthes hat ihn dabei beobachtet – und die Schwimmaktion des prominenten Vierbeiners fotografisch festgehalten.

Ganz geschmeidig und in aller Ruhe durchschwamm Elch Emil den Stausee an der Trinkwassertalsperre Frauenau. Fotos: Wiebke Matthes

„Meine Frau sah zuerst, dass da ein großes Tier am Trinken war“, berichtet die 44-jährige von der Szenerie, die sich den beiden Berlinerinnen, die gerade ihren Urlaub in Rabenstein bei Zwiesel verbringen, am Mittwoch dargeboten hat. Sie hatten an diesem Tag eine große Schachten-Wandertour geplant und sind von Buchenau aus, wo Emil zuletzt dem Leiter der Nationalparkdienststelle Frauenau vor die Kamera gelaufen war, in Richtung Trinkwassertalsperre aufgebrochen.

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An der dortigen Schutzhütte gegen 8.30 Uhr angekommen, um eine kleine Pause einzulegen, ließ das Paar vor dem neuerlichen Abmarsch noch einmal den Blick über die Talsperre schweifen. „Wir dachten zuerst, es wäre ein Reh – was uns dann doch aber etwas komisch vorkam“, erinnert sich Wiebke Matthes und ergänzt: „Denn es war ziemlich groß. In diesem Moment schwamm das große Tier auch schon über das Wasser – und uns war klar, dass es definitiv kein Reh sein konnte.“ Der Blick durchs Fernglas bestätigte sogleich: Es war ein Elch! Elch Emil, von dem die Berlinerinnen tags zuvor in den Medien erfahren hatten, dass er sich derzeit im Bayerischen Wald aufhält.

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„Für die Bilder hatte ich vielleicht zwei bis drei Minuten Zeit“

Fast wie an einem Strand mutet die Szenerie an der Frauenauer Trinkwassertalsperre an.

„Wir waren natürlich hellauf begeistert, nachdem wir erkannt hatten, dass es der Elch ist“, berichtet die 44-Jährige, die Anfang der Nullerjahre gemeinsam mit ihrer Partnerin eine Ausbildung an der Glasfachschule Zwiesel absolvierte und seitdem regelmäßig zum Wandern in den Bayerwald zurückkehrt. Um das Tier fotografieren zu können, erzählt sie weiter, musste sie etwas näher an die Wasseroberfläche heranrücken und ihr Kamera-Objektiv wechseln. „Für die Bilder hatte ich vielleicht zwei bis drei Minuten Zeit, bevor er auf der anderen Uferseite im Wald verschwand.“

Und weg war er wieder, der Emil, der zuvor rund einen Monat lang durch Österreich spaziert war und dort für Aufsehen sorgte, ja gar zum Internet- und Social-Media-Star mutierte – bis man ihn in Oberösterreich betäubt hatte, kurz bevor er auf die stark befahrene Autobahn A1 geraten wäre. Laut Behördenaussage habe er dabei wiederholt versucht, den Zaun zur Schnellstraße zu überspringen. Er wurde im Anschluss per Transportanhänger in den Norden Österreichs, an den Rand des Böhmerwalds gebracht, wo man ihn mit einem GPS-Gerät (am Geweih) versehen in die Freiheit entließ, damit er im nahegelegenen Nationalpark Šumava Anschluss an eine bereits vorhandene Elchpopulation finden kann.

Doch so recht scheint er seine Artgenossen bis dato noch nicht lokalisiert zu haben. In den vergangenen Tagen ist er immer wieder mal im Wechsel im Böhmer- und Bayerwald aufgetaucht. Seine Route konnte per genanntem GPS-Tracker bis vor Kurzem noch nachvollzogen werden. Nun allerdings ist die Batterieleistung des Geräts aufgebraucht. Emil kann sich ab sofort wieder unbeobachtet fortbewegen. Identifizierbar ist er jedoch nach wie vor an seiner Ohrmarke. Nach wie vor gilt das Ersuchen der Nationalparks: Alle Wanderer, die dem Tier begegnen, sollen Abstand halten und die Nationalparkverwaltungen informieren.“

Stephan Hörhammer


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