March/Köln. „Ninja Warriors“ – eine Sportart, eine Mischung aus Parkour, Klettern und Turnen, verpackt in einen spannenden Wettkampf. Die Teilnehmer – genannt: „Ninjas“ – müssen dabei eine Reihe von extrem schwierigen und vielfältigen Hindernissen bewältigen, die Kraft, Ausdauer, Körperbeherrschung, Balance und vor allem Griffkraft erfordern. Sie sind oft sehr durchtrainierte Athleten, die sich speziell auf diese Art von Herausforderungen vorbereiten. Einer von ihnen: Kevin Kronschnabl aus March bei Regen.

Er hat vor wenigen Wochen an der TV-Show „Ninja Warriors Germany“ teilgenommen und sich damit einen lange gehegten Traum erfüllt. Gemeinsam mit vielen weiteren Sportlerinnen und Sportlern hat er sich im Rahmen der Vorrunden-Qualifikation in den anspruchsvollen Hindernis-Parcours gestürzt und versucht, diesen so schnell wie möglich zu meistern – ohne dabei ins Wasser zu fallen.
Der große Erfolg, die nächste Ausscheidungsrunde zu erreichen, blieb ihm zwar verwehrt, aber: „Ich verbleibe in Dankbarkeit mit der Show und mit allen Athleten, die ich kennenlernen durfte“, so das Fazit des 34-jährigen Waidlers, der seine Brötchen u.a. als „Bayerwald-Coach“ und Personal-Trainer verdient – und mit dem sich das Onlinemagazin da Hog’n im Folgenden über dessen Ninja-Abenteuer unterhalten hat:
„Ich wollte es mir selber beweisen“
Kevin: Bitte stell dich eingangs nochmal kurz all denjenigen vor, die dich noch nicht kennen.
Servus. I bin’s, da Kevin! Ich bin 34 Jahre alt und Vater einer zwölfjährigen Tochter. Ich wohne mitten im Bayerischen Wald in March bei Regen und bin in Viechtach geboren. Ich habe zwölf Jahre bei der Bundeswehr gedient – und mittlerweile bin ich als Beamter für den Freistaat Bayern beschäftigt. Zudem stehe ich als Personal-Trainer und Bayerwald-Coach jedem zur Verfügung, der körperlich fitter oder mental stärker werden möchte. Meine Stärke ist, dass ich ganz klar weiß, was ich will – und solange nicht lockerlasse, bis ich es bekomme. Meine Schwäche ist, dass ich etwas zu „perfektionistisch“ bin. Aber an der Schwäche arbeite ich jeden Tag, damit’s besser wird (grinst).

Stichwort „Ninja Warrior Germany“: Nach sechs Jahren hat sich nun endlich dein lang gehegter Wunsch erfüllt, an dieser Show teilzunehmen. Warum wolltest du da unbedingt mal mitmachen? Was ist das Besondere daran?
Ehrlich gesagt, habe ich mich am Anfang über die Leute aufregt, die die Chance bekommen und dann aber nichts dafür gemacht haben. Sondern einfach nur dabei waren. Und wenn sie dann beim ersten Hindernis reingefallen sind, hab‘ ich mich doppelt so stark aufgeregt. Ich wollte es mir selber beweisen, dass ich’s besser kann – und dass das gar nicht so schwer ist. Was mir besonders gefallen hat? Es geht „nur“ gegen den Parcours – du gegen dich selbst. Keine Fremdeinwirkung. Du übernimmst die volle Verantwortung für dein Handeln. Und alle schauen dir zu, wie du gewinnst oder scheiterst. Abenteuer und Spaß pur!
Wie hast du dich auf dieses Event im Besonderen vorbereitet? Oder standest du ohnehin bereits „im Saft“, wie man so schön sagt, und warst ohne größere Vorplanung bereits fit genug?
Ich behaupte, dass ich eine solide Grundfitness und Athletik mitgebracht habe. Außerdem habe ich auch das Mindset mitgebracht, dass ich es unbedingt will. Ich habe dann nach der Zusage von NWG nochmal ordentlich Zeit in das Techniktraining und in die möglichen Hindernisse investiert.
„Nervös? Vielleicht ein gesundes Bisschen“
Wann genau haben die TV-Aufzeichnungen und somit auch der eigentliche NWG-Parcours in Köln stattgefunden? Wer hat dich begleitet?
Es wurde bereits alles im Juni/Juli abgedreht. Da meine Freundin aus Holland kommt, sind wir gemeinsam mit meiner Tochter mit dem Auto nach Köln gefahren. Sie ist nach der Show nach Holland weiter – und ich bin mit meiner Tochter mit dem Zug wieder zurück in den Bayerischen Wald gereist – mit einer tollen Lebenserfahrung im Gepäck, die uns keiner mehr nehmen kann.

Wie war die Atmosphäre in der Halle? Und: Hattest du Kontakt zum Moderatoren-Team Wontorra/Köppen/Buschmann?
Ich bin Dreharbeiten ja bereits gewöhnt. Stichwort: First Dates, Dekoprofis, niederbayernTV. Es ist eine Show und für RTL und das gesamte Team sind es am Ende Dreharbeiten. Diese Arbeitsstimmung habe ich in der Halle wahrgenommen. Aber auch die Angst, den Respekt und die Vorfreude waren bei mir und jedem einzelnen Teilnehmer spürbar. Ich durfte mit der lieben Laura sprechen, habe aber Jan und Buschi nur von weiten sehen können. Spätestens jetzt weiß der Insider, wie weit ich es geschafft habe… (lächelt).
Wie war das Miteinander mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern: Eher kumpelhaft? Oder hat man den Konkurrenzdruck gespürt?
Teils teils. Jeder, der die Sendung verfolgt, wird bestätigen können, dass viele Athleten den Parcours aus einer gewissen Leichtigkeit heraus machen – und einige sehr verbissen sind. Mir war das persönlich egal. Ich wollte einfach nur einmal dabei sein und habe dadurch nicht an Konkurrenz gedacht. Im Gegenteil. Ich habe mich bei vielen Athleten wohlgefühlt, die mir das Gefühl gegeben haben, dass sie zwar ihr Bestes geben, aber dass nicht ihr gesamtes Leben davon abhängig ist, ob sie jetzt gewinnen oder verlieren.
Warst du unmittelbar vor deinem Start in den Hindernis-Parcours nervös? Oder eher fokussiert und konzentriert?
Nervös? Vielleicht ein gesundes Bisschen. Was aber völlig normal ist, wenn einem etwas wichtig ist. Ich war jedoch sehr fokussiert und konzentriert. Die Aufwärmzeit im Hintergrund hätte ich vielleicht mit ein bisschen mehr Leichtigkeit angehen sollen… (lacht)
„Ich wollte den Bayerischen Wald in Szene setzen“
Nach dem Startsignal: Wie ist’s für dich gelaufen im Parcours? Wie empfandest du dessen Schwierigkeitsgrad? Welche Hindernisse waren relativ easy zu bewältigen, welche waren besonders schwer?
Eigentlich lief wirklich alles super. Ich empfand den Parcours als machbar. Bei keinem Hindernis habe ich mir gedacht, dass ich es nicht schaffen werde. Das erste Hindernis namens 5-Steps und die sog. Affenringe waren sehr leicht. Das Surft-Brett zum Schluss wäre aber dann doch wohl a bisserl tricky und spannend geworden…
Du bist mit einem „I-Love-Bayerischer-Wald“-Shirt angetreten. Wie wichtig war’s dir, dass du mit den „Farben des Woids“ auf der Brust in den Parcours gehst?
Sehr wichtig. Jeder, der mich wirklich kennt, weiß, dass es bei meinen Aktionen nicht nur um mich gehen soll, sondern dass ich es immer wieder mit einem guten Zweck verbinden möchte. Der Bayerische Wald und die Natur hat mich geheilt und hat mir auch vieles ermöglicht. Nicht nur die Teilnahme an der zehnten Staffel von NWG, sondern vielleicht auch eine Rolle in der nächsten Staffel (grinst). Diese Dankbarkeit wollte ich im Fernsehen zeigen. Ich wollte den Bayerischen Wald in Szene setzen.

Bis zu welchem Hindernis bist du am Ende gekommen? Und: Warum hast du’s nicht (mehr) bewältigen können?
Ich bin bis zum vorletzten Hindernis vor der Wall und dem Buzzer gekommen – und dann leider durch einen Leichtsinnsfehler ausgeschieden: Ich bin beim Bungee-Seil zu niedrig abgesprungen und habe das Seil nur teilweise gegriffen, sodass ich fast ins Wasser gebounced bin. Ich konnte mich eine halbe Minute noch halten, dann aber nicht mehr nach oben greifen, ohne dass ich das Wasser berühren würde. Hätte ich höher gegriffen, hätte ich meine Füße einsetzen und somit meine Arme wieder entlasten können – und wäre mit sehr viel Zuversicht in das letzte Hindernis vor der Wall gestartet. Leider musste ich loslassen und bin dann zu Laura ins Interview. Das war emotional. Vielleicht zu emotional fürs Fernsehen… (lacht)
Wie zufrieden bist du im Rückblick mit deiner Performance? Oder überwiegt die Enttäuschung?
Noch am gleichen Tag habe ich bis 5 Uhr morgens nicht geschlafen – und musste die ganze Zeit über diesen einen Fehler nachdenken. Als ich mit den anderen Ninjas gemeinsam mit meiner Tochter und meiner Freundin am nächsten Tag beim Frühstück saß, war die Enttäuschung schon nicht mehr ganz so groß. Mittlerweile kann ich darüber lachen – und sage mir immer wieder, dass es vielleicht besser so gewesen ist. Dass es gut so war, nicht so weit gekommen und deswegen auch nicht im Fernsehen zu sehen zu sein. So bleibt es eine Erinnerung nur für diejenigen, die wirklich dabei waren.
„Ich habe erreicht, was ich wollte“
Das musst du uns bitte etwas genauer erklären…
Als ich’s per Email erfahren habe, war ich witzigerweise gerade auf meiner 100-Stunden-Wanderung durch den Bayerischen Wald unterwegs. Ich musste in dem Moment einfach lachen – und dachte mir so: Ach Leben, wieso testest du mich immer wieder? Soll ich mich jetzt wirklich nochmal bewerben? Es ist halt eine Show. Man weiß nicht, was die kreativen Köpfe im Hintergrund dem Zuschauer zeigen wollen, aber vielleicht hat es einfach nicht in die Folge gepasst. Vielleicht werde ich auch als neuer „Charakter“ aufgebaut… (zwinkert)
Hand aufs Herz: Wirst du dich, nachdem du jetzt ja mehr oder weniger Blut geleckt hast, nochmal für die nächste NWG-Staffel bewerben?
Ich werde mich nochmal bewerben. Da ich meine 100-Stunden-Wanderung hinter mich gebracht habe und somit viel mehr Zeit habe, um in das Ninja Training investieren zu können, bin ich mir sicher, dass es nächstes Jahr – wenn ich drankomme – soweit sein wird, dass man mich bei Ninja Warrior Germany auf den Buzzer draufhauen sieht. Falls nicht, ist es völlig in Ordnung. Ich habe erreicht, was ich wollte. Ich wollte einmal in die Show. Alles was jetzt kommt – ist Bonus!
Dann drücken wir ordentlich die Daumen für alles, was da noch kommen mag. Alles Gute!
die Fragen stellte: Stephan Hörhammer








