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Prackenbach. Sie nickt zustimmend, die Entscheidung für die neue Frisur ist gefallen. Valentinas Augen leuchten. Mit einem selbstbewussten Lächeln blickt das junge Mädchen in den runden Spiegel vor ihr. Aufmerksam beobachtet sie, wie Friseurmeisterin Magdalena Müller ihre kinnlangen, dunklen Haare erst kämmt, dann halb hochsteckt. Noch vor wenigen Wochen wäre das deutlich aufwändiger gewesen, denn: Die volle Haarmähne war damals noch gute 30 Zentimeter länger.

Valentina Rrahmani (links) und Friseurin Magdalena Müller erzählen von ihren Intentionen für die Haarspende.

Die achtjährige Valentina Rrahmani aus Mitterdorf bei Prackenbach hat sich dazu entschlossen, einen Teil ihrer langen Haare zu spenden, damit diese für Perücken für krebskranke Kinder verwendet werden können.

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Nun sitzt sie wieder im schwarzen Ledersessel des neu eröffneten Friseursalons „Magdalena – Haare & Make-Up“ in Prackenbach. Die junge Inhaberin ist eine Freundin ihrer Mutter Irena Rrahmani. Alle drei haben vor einigen Wochen gemeinsam den – zumindest für die beiden Erwachsenen – recht emotionalen Augenblick erlebt.

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Haarspende geht an den „BVZ Rapunzel“

Valentina nimmt das Ganze recht „cool“: „Ich bin schon froh, dass die Haare am Hinterkopf nicht mehr so schwer dranhängen“, sagt sie ganz lässig und schüttelt den neuen Kurzhaarschnitt. Magdalena und Irena schauen sich an und lachen. Rund eineinhalb Stunden habe die ganze Prozedur gedauert. Aber nicht, weil sich die Achtjährige unsicher war. Sondern, weil mehrmals nachgemessen, die Schere angesetzt wurde, ehe die beiden schweren Zöpfe endlich zu Boden fielen.

Rund 30 Zentimeter kürzer sind die Haare der Achtjährigen nun.

Von Schweißausbrüchen und feuchten Augen berichten die beiden gerührten Frauen. Denn für Valentina war nicht nur ein neuer Look wichtig. Sie möchte mit den beiden abgeschnittenen Zöpfen krebskranke Kinder unterstützen. „Ich finde, das ist so eine schöne Idee – und wollte das einfach machen!“

Magdalena Müller, die bereits mehrere Erfahrungen mit derartigen Haarspenden gemacht hat, wird sie an den Bundesverband der Zweithaarspezialisten „BVZ Rapunzel“ weitergeben. Die gesammelten Haare werden dort versteigert, auch der Erlös daraus kommt gemeinnützigen Organisationen zu Gute. In ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn und auch im neuen Salon habe sie dies schon mehrere Male gemacht – allerdings sei Valentina das erste Kind, wie sie anerkennend anmerkt: „Ihre kräftigen, gesunden Haare eignen sich perfekt dafür.“

Am besten sollten die Haarspenden unbehandelt, sprich: nicht gefärbt oder getönt, sein. Deshalb seien Kinderhaare natürlich hervorragend für die Herstellung von Echthaarperücken geeignet und könnten Menschen in schwierigen Situationen Freude schenken, weiß die Friseurmeisterin. Im neu gebauten Haus in der Dr.-Bertsche-Straße sollte eigentlich eine Einliegerwohnung entstehen. Als erste Ideen für einen eigenen Salon aufkommen, wird kurzerhand eine Nutzungsänderung beantragt. Nun empfängt Magdalena Müller regelmäßig Kundschaft in ihrem kleinen Reich. Auch ein Termin für eine weitere Haarspende stehe bereits im Kalender. „Es ist schön, dass dieses Thema derzeit scheinbar viel Beachtung findet!“

Valentina probiert nun selbst Frisuren aus

Valentina kann das nur empfehlen: Keine einzige Minute hat das Mädchen bisher die Entscheidung bereut, sagt sie selbst. Das Gefühl, Gutes zu tun, sei großartig und der neue Haarschnitt viel leichter zu handhaben. „Ich find’s einfach nur toll!“ Mit Kleidchen und Mädchenkram habe man sie ohnehin noch nie locken können, wirft Mutter Irena augenzwinkernd ein. Beim größten Hobby Fußballspielen ist die Kurzhaarfrisur recht praktisch. Und: „Ich kann mir jetzt sogar selber Locken machen“, sagt das Mächchen freudestrahlend und zwirbelt eine Strähne um ihren Finger wie um einen Lockenstab. Offen, Pferdeschwanz, Dutt: Seit neuestem schöpft Valentina aus einer ganzen Reihe an Frisuren statt nur mal schnell mit Haargummi die Längen zusammenzubinden.

Worin sich außerdem alle einig sind: Der neue Haarschnitt sieht viel frecher aus – „und das passt zu Valentinas starkem Charakter“, wie ihre Mutter amüsiert feststellt. Sie sei sehr aufgeschlossen und schlagfertig, finde sehr schnell Freunde, „aber tatsächlich eher Buben.“ Irena zuckt mit den Schultern und betrachtet ihre Tochter voller Stolz: „Sie lässt sich nichts gefallen – auch nicht von ihrem großen Bruder Adrian.“ Außer beim Fußball, „da halten die beiden wieder richtig zusammen“. Ob Valentina sich die Haare nun wieder länger wachsen lässt? „Eher nicht – außer ich lasse sie dann immer wieder abschneiden und kann sie immer wieder spenden.“

Lisa Brem


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