Bodenmais. Nein, diese Gruppe ist nicht kategorisch gegen Windräder im Bayerischen Wald. Die „Bürgerinitiative Gegenwind Bayerischer Wald“ wehrt sich vordergründig gegen in der Fortschreibung des Regionalplans Donau-Wald vom 10. Juli dargestellten Standorte. Das betont Matthias Heymann im Interview besonders. Der 68-Jährige ist Teil der Bewegung, die in Bodenmais heimisch ist. In Absprache mit seinen Mitstreitern hat er dem Onlinemagazin da Hog’n Rede und Antwort gestanden.

„Bürgerinitiative Gegenwind Bayerischer Wald“ – der Name einer im Landkreis Regen gegründeten Gemeinschaft ist eigentlich bereits vielsagend. Dennoch: Erklär bitte doch noch einmal genauer, welche Ziele diese Gruppierung verfolgt.
Unser Ziel ist es, die Stimme der Bürger hörbar zu machen. Wir wollen nicht verhindern, dass über Energie gesprochen wird – im Gegenteil: Wir wollen, dass die Diskussion ehrlich und sachlich geführt wird. Der Bayerische Wald ist ein einzigartiger Natur- und Kulturraum, und wir möchten verhindern, dass dieser durch vorschnelle Planungen irreversibel verändert wird.
Stattdessen fordern wir einen respektvollen Umgang mit Landschaft, Natur und den Menschen, die hier leben. Der Bayerische Wald lebt von seiner Natur, seiner Ruhe und der Verwurzelung der Menschen. Genau das möchten wir erhalten. Wir wollen sicherstellen, dass Entscheidungen über Windkraftprojekte nicht allein aus wirtschaftlicher oder politischer Perspektive getroffen werden, sondern dass die Besonderheiten unserer Heimat – von Tourismus bis Artenschutz – ernsthaft berücksichtigt werden.
„Uns eint die Sorge um die Zukunft des Bayerwaldes“

Wie viele Mitglieder hat die Bürgerinitiative bis dato? Welche im Woid bekannten Namen haben sich hier bereits angeschlossen? Kann jeder Mitglied werden?
Wir sind eine offene Initiative und kein Verein. Von daher gibt es auch keine Mitgliedschaft. Jeder kann sich einbringen – vom Infoabend über Flyerverteilung bis hin zur aktiven Mitarbeit. Bei uns geht es nicht um Mitgliedskarten oder bekannte Namen, sondern um die Sache. Und die Sache betrifft viele: Anwohner, Naturliebhaber, Familien, Unternehmer. Bei den Unterstützern finden sind auch lokale Politiker aus allen Richtungen, wobei das bei uns vorrangig keine Rolle spielt, denn uns eint alleine die Sorge um die Zukunft des Bayerischen Waldes.
Eure Kritik richtet sich vordergründig gegen das Landesentwicklungsprogramm der Bayerischen Staatsregierung. Was sagt dieses Papier von Anfang Juli (Fortschreibung des Regionalplans Donau-Wald – Kapitel B III ‚Energie / Wind‘ – Beteiligungsverfahren)?
Das Papier steuert in Richtung verbindlicher Vorrangflächenausweisung für Windenergie: Regionen sollen bestimmte Anteile ihrer Fläche als Vorranggebiete festlegen. Für die Region Donau-Wald wurde der Entwurf für das Kapitel B III ‚Energie‘ am 10. Juli gebilligt und das Beteiligungsverfahren gestartet. In der vorgelegten Entwurfsfassung sind konkrete Vorrangflächen mit Karten dargestellt — das ist also kein abstraktes Ziel mehr, sondern eine Planungsgrundlage mit unmittelbaren Folgen für betroffene Orte.
„Es geht um tiefgreifende Veränderungen“
Welche Nachteile würde ein Umsetzen der Pläne für die Anrainer mit sich bringen?
Für die Anwohner geht es weniger um abstrakte Zahlen, sondern um ganz konkrete Lebensqualität. Riesige Anlagen mitten in der Landschaft verändern das vertraute Heimatbild nachhaltig – man sieht sie, man hört sie, und sie wirken bis in den Alltag hinein. Viele Menschen haben Sorge um ihre Ruhe, um den Wert ihres Grundstücks oder ihrer Immobile, oder darum, ob Gäste noch in eine von Windrädern dominierte Urlaubsregion kommen.
Hierzu gibt es bereits Studien, die diese Sorge bestätigen. Dazu kommt die Belastung während der Bauphase: Schwerlastverkehr, Baustellen im Wald, Eingriffe in Wege. Kurz gesagt: Es geht nicht um ein kleines Ärgernis, sondern um tiefgreifende Veränderungen, die direkt im Lebensumfeld und auch finanziell spürbar wären.
Warum ist es wichtig, möglichst schnell möglichst viele Gegenstimmen zu akquirieren?
Weil Planungsvorgänge formal ablaufen: Sobald ein Regionalplanentwurf steht, entscheidet die Abwägung über die endgültige Festlegung. Beteiligungsverfahren haben Fristen und Gewicht — je früher und zahlreicher die sachlichen Einwände, desto größer die Chance, dass sensible Standorte überarbeitet oder ausgeklammert werden. Die Bürgerbeteiligung ist ein Mittel der politischen Mitbestimmung: spätere Beschwerden sind oft rechtlich oder praktisch weniger wirksam. Wir alle haben konkret noch bis 8. Oktober Zeit, unsere Bedenken in Form einer Stellungnahme beim Planungsverband einzureichen.
„Wir fordern faire, standortgerechte Lösungen“

Warum handelt ihr nicht nach dem ‚Florians-Prinzip‘ — also: Fordert ihr nicht etwas, was anderen Regionen zum Nachteil wäre?
Wir treten nicht dafür ein, Windenergie woanders unmöglich zu machen, sondern dafür, dass der Bayerische Wald als besonders schützenswerte Kulturlandschaft mit spezifischen ökologischen und touristischen Funktionen angemessen berücksichtigt wird. Wir fordern faire, standortgerechte Lösungen — und klare Kriterien, die den Schutz besonders sensibler Räume vorsehen. Sachliche Ausnahmen sind kein Verschieben des Problems, sondern Ausdruck regionaler Verantwortung und differenzierter Planung.
Ist Windkraft nicht zentral in Sachen Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen — gerade im windreichen Bayerwald?
Windenergie ist ein wichtiger Baustein der Energiewende, keine Frage. Aber sie ist nicht automatisch an jedem Standort die beste und einzige Lösung. Speziell in unserem Landkreis führen bereits die derzeit installierten Erzeugungskapazitäten regelmäßig zu Netzengpässen, sodass Strom aus erneuerbaren Energien abgeregelt werden muss.
Die bestehende Netzinfrastruktur verfügt in der Region nicht über die erforderliche Aufnahmefähigkeit, um zusätzliche Erzeugungsmengen sicher und dauerhaft zu integrieren. Eine weitere Ausweisung großflächiger Vorranggebiete für Windenergie ist daher weder sachgerecht noch effizient, solange nicht parallel erhebliche Investitionen in Netzausbau und Speichertechnologien erfolgen.
Viele Bürgerinitiativen sammeln Unterschriften, übergeben sie mit Pauken und Trompeten — und dann passiert nichts mehr. Warum wird es euch anders ergehen?
Wir setzen auf eine Mischung: breite öffentliche Sichtbarkeit plus juristische und planungsfachliche Arbeit. Wir beteiligen Fachleute, reichen fundierte Stellungnahmen im Beteiligungsverfahren ein und vernetzen uns mit Kommunen sowie Fachverbänden. Kurz: Lautstärke allein reicht nicht — wir kombinieren Bürgerbeteiligung mit fachlicher Substanz, damit unsere Einwände in der Abwägung Gewicht haben.
Zukunft: „Musterbeispiel für intelligente Energienutzung“
Abschließend: Teil 1 — Wann habt ihr euer Ziel erreicht?
Unser Ziel ist erreicht, wenn der Bayerische Wald in den Landes-/Regionalplänen so berücksichtigt wird, dass er nicht pauschal als Vorranggebiet privilegiert wird. Konkret wäre das der Fall, wenn in der abschließenden Fassung der Teilfortschreibung/Regionalplans der Bayerische Wald als besonders geschützte und eine der größten zusammenhängenden Waldregionen Mitteleuropas als Ausschlussgebiet verankert ist.
Teil 2: Windkraft im Bayerwald: Wie sieht das in 10,15 Jahren aus?
In 10, 15 Jahren sollte der Bayerische Wald ein Musterbeispiel für eine intelligente, standortgerechte Energienutzung sein. Die Energieversorgung erfolgt vorrangig durch Photovoltaik auf Dächern, Wasserkraft, Biomasse, innovative Speicherlösungen, dezentrale Projekte und Effizienzmaßnahmen.
Wir stellen uns eine Region vor, in der erneuerbare Energien mit Naturschutz, Tourismus und Lebensqualität in Einklang gebracht werden – kurz: eine Energieversorgung, die die Bedürfnisse der Menschen und der Natur gleichermaßen respektiert und den Wald als Kulturlandschaft bewahrt.
Vielen Dank für das Gespräch – und alles Gute für die Zukunft.
Interview: Helmut Weigerstorfer









Danke Helmut für das interessante Interview!
Schade, dass Ihr die Karte mit den Windindustrie-Vorranggebieten (ist unter dem von Euch angegebenen Link zu finden: https://www.region-donau-wald.de/regionalplan/laufende-fortschreibungen) nicht veröffentlicht habt
– noch mehr als alle Worte offenbart die Karte nämlich das wahre Ausmaß dieses Irrsinns:
Praktisch in allen größeren (bisher!) geschlossenen Waldflächen der betroffenen Landkreise REG, FRG, PA, DEG und SR, mit Ausnahme des Nationalparks und des nordöstlichsten Lkr FRG sind Windindustrie-Vorranggebiete ausgewiesen . Würden diese realisiert (was ja Zweck der Planung ist), bedeutet das eine völlige Zerstörung der Region Donau-Wald als Lebensraum für Menschen und viele Waldbewohner, einen Totalangriff auf Tourismus und Erholungsmöglichkeiten, eine Devastierung der Heimat und auch der vielen noch naturnahen Waldgebiete, die unsern Woid und unsere Heimat ausmachen!
Niemand will zwischen alles dominierenden, gigantischen Windindustrieanlagen, Hochspannungsleitungen und Umspannwerken seinen Urlaub in einem ohnehin schon völlig durchtechnisierten Land und einem immer schneller durchgetakteten Leben verbringen. Von gesundheitlichen Risiken durch zB. hochtoxischen Abrieb und Infraschall (s. zB. https://www.youtube.com/watch?v=_rbYAHmWBzA) ganz zu schweigen.
Das Ausmaß der Vorranggebiete deutet m.E. unübersehbar an, dass die Stromproduktion nicht für die Versorgung der Waidler selbst, sondern für Industrie und Bewohner der Ballungszentren vorgesehen ist. Wieder einmal würde der Woid für Industrie und Großstädte geplündert.
Auch die Wälder selbst würden zerstört und würden ihren Charakter verlieren. Überbreite Erschließungsstraßen, riesige Rodungsflächen für jedes einzelne Windrad und für die Netzinfrastruktur (die bei normaler Waldbewirtschaftung in diesem Ausmaß zu recht verboten sind!) würden die Wälder dauerhaft zerstückeln, ihr typisches Waldinnenklima zerstören, zu Industriegebieten mit Baumkulisse machen.
Im Gegensatz zu Borkenkäfern, die nur vorübergehend Lücken schaffen, ist die Waldvernichtung durch Windindustrie dauerhaft – eine Wiederbewaldung muss für Anlagenbetrieb, Anlagenwartung und ggf Rückbau unterbunden werden.
War es vielleicht die Windindustrie und nicht die Borkenkäfer, die der Mühlhiasl gemeint hatte in seiner Prophezeihung, dass der Wald Löcher haben wird wie des Bettelmann’s Rock!?
Warum diese kurze Frist zur Stellungnahme, gerade nachdem ein zukunftsfähiges Konzept für nachhaltige Energienutzung nun schon seit Jahrzehnten verschlafen wurde?