Werbung

Bayerischer Wald. Zu den zahlreichen Krisen, von denen die Menschheit derzeit arg gebeutelt wird, macht sich in vielen Köpfen klammheimlich eine Sorge breit, die in unserer Wohlstandsgesellschaft längst in Vergessenheit geraten war. Nämlich, dass man im kommenden Winter eventuell frieren könnte, wenn wirklich alles schief läuft.

Brennholz, das seiner Bestimmung folgt, verbreitet nicht nur eine heimelige Atmosphäre, sondern bewahrt vor frostigen Panikattacken. Symbolbild: pexels/pixabay.com

In Anbetracht des nicht enden wollenden, unsäglichen Ukrainekrieges und der damit fast zur Gänze abgedrehten russischen Gas- und Ölhähne, werden allmählich nicht nur die Politiker und Wirtschaftsweisen unruhig. Auch als ansonsten ganz vernünftig geltende Mitbürger wirken nervös. Sie neigen zunehmend zu heiztechnischen Hamster- und Panikkäufen. Trotz einer immer wieder mal schwer zu ertragenden Sommerhitze boomt in den Elektrogeschäften die Nachfrage nach Heizlüftern und Radiatoren.

Werbung

Vor allem Holz wird im Augenblick massenweise gebunkert. Die Nachfrage nach Fichten-, Buchen- und Käferholz übersteigt manchenorts bereits die Lagerbestände der Forstämter, Holzhändler und Waldbauern. Auch dreiste Holzdiebstähle werden zunehmend vermeldet. Wer genügend Holz vor der Hütte hat, wird den nächsten Winter ohne Frostbeulen überstehen. Vorausgesetzt er verfügt über einen Ofen mit Kaminanschluss.

Werbung

Individuelle Heizstrategien sind ausgeschlossen

Deshalb sind aus Furcht vor dem Erfrieren verursachte Panikattacken bei allzu ängstlichen Einwohnern in den Großstädten durchaus verständlich. Wer hat da schon einen Ofen im Wohnzimmer stehen? Kaminanschlüsse in den Wohnsilos, Hochhäusern und Massenquartieren der Ballungszentren gibt es üblicherweise nicht. Die Gebäude sind an die Fernwärme angeschlossen, die Zufuhr der Wohlfühltemperatur wird zentral geregelt. Wenn die Öl- und Gaslager leer sind, wird’s kalt. Individuelle Heizstrategien sind somit ausgeschlossen.

Ein Küchenherd, ausgestellt im Freilichtmuseum Finsterau, um 1940. Foto: Rupert Berndl

Überhaupt keine Sorgen in heiztechnischer Hinsicht brauchen sich dagegen die Leute in den Bayerwald-Dörfern zu machen, ganz zu schweigen von den Waldbesitzern. Die haben in aller Regel immer schon ihre Küchenherde und Öfen mit Holz aus den eigenen Waldungen befeuert. Deshalb löst auch der Begriff „Brennstoffmangel“ bei uns hier im Bayerischen Wald nur sehr begrenzt Angst- und Hamsterreaktionen aus.

Auch die große Mehrheit der Altbaubewohner, die Eigenheimbesitzer und Häuslebauer sind vergleichsweise gut dran. Die können nämlich in der Not ihre Kachel-, Kanonen- und Schwedenöfen in Betrieb nehmen und so dem Frost die kalte Schulter zeigen. Zumal sich die Regierung jüngst dazu entschlossen hat, den Betrieb dieser Wärmespender wieder zu gestatten.

Einzig die Frage „Wie komme ich zu Brennholz?“ bereitet diesen Leuten in Anbetracht des momentan leergefegten Brennholzmarktes einiges Kopfzerbrechen. Aber selbst diese Problematik lässt sich lösen. Ein Blick zurück in die Nachkriegszeit hilft dabei. In diesen Notjahren zogen die Städter scharenweise in die Wälder ringsum. Sie sammelten, ausgestattet mit einem vom zuständigen Forstamt ausgestellten Leseschein, herumliegende Äste, Abfallholz und Zapfen auf und füllten damit ihre Rucksäcke, Kraxen und Leiterwägen. Das war zwar mühsam, aber machte mehrfach warm: Beim Auflesen, beim Transport, dem Zurechtsägen, klein Hacken und schließlich beim Verheizen. Nie mehr in der Folgezeit waren die Wälder so sauber aufgeräumt.

Tipps gibt’s von der Großeltern-Generation

Die ganz Alten unter uns wüssten noch, wie man im Notfall über die Runden käme. Man könnte sie befragen, wenn alle Stricke reißen. Bleibt nur zu hoffen, dass es uns erspart bleibt, auf dieses Wissen zurückgreifen zu müssen.

Rupert Berndl


Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert