München/FRG. Die eine hat sich von Telefonbetrügern nicht hinters Licht führen lassen und sie mit ihrem mutigen Vorgehen am Ende gar der „echten Polizei“ ausgeliefert. Der andere verhinderte gemeinsam mit zwei weiteren beherzt eingreifenden Männern Schlimmeres bei einer Messer-Attacke auf einem Camping-Platz.
Bei der Verleihung der Courage-Medaille in München (v.l.): Peter Schwankl, Andreas Waiblinger (Bürgermeister der Gde. St. Oswald-Riedlhütte), stv. Landrätin Helga Weinberger, Innenminister Joachim Herrmann, Paula Sieghart und Grafenaus Bürgermeister Alexander Mayer. Fotos: Matthias Balk/Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat vor wenigen Tagen im Rahmen einer Feierstunde gemeinsam mit Landespolizeipräsident Michael Schwald 32 Bürgerinnen und Bürger mit der „Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit“, kurz „Courage-Medaille“, ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die Mut, Entschlossenheit und besonderes Engagement würdigt.
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Unter ihnen befanden sich mit Paula Sieghart aus Grafenau und Peter Schwankl aus der Gemeinde St. Oswald-Rieldhütte auch zwei Geehrte aus dem Landkreis Freyung-Grafenau. „Wir sind stolz, derart couragierte Bürgerinnen und Bürger in Bayern zu haben. Sie haben Straftaten verhindert, Täter gestellt, Menschen beschützt und Leben gerettet. Damit sind Sie vorbildliche Beispiele für außergewöhnliche Zivilcourage“, richtete Herrmann das Wort an die Medaillenträger.
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„Wichtig ist, nicht wegzuschauen“
Bei der diesjährigen Verleihung wurden Bürgerinnen und Bürger aus Augsburg, Bad Abbach, Bad Grönenbach, Bad Kissingen, Bautzen, Dieburg, Gauting, Grafenau, Lauf an der Pegnitz, Mainaschaff, Mainleus, Maxhütte-Haidhof, München, Nürnberg, Rosenheim, Salching, Sankt Oswald-Riedlhütte, Schwäbisch Hall, Schwarzenbach, Seefeld, Söchtenau und Starnberg ausgezeichnet.
Durch ihr mutiges Engagement haben sich die Geehrten in verschiedenen Situationen für die Sicherheit eingesetzt, darunter bei Bedrohungen mit Schusswaffen und Messern, der Verhinderung von Vergewaltigungen, Raubüberfällen, Callcenter-Betrügereien, Betrugsmaschen durch falsche Polizeibeamte, Brandstiftungen, schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern sowie bei versuchten Tötungsdelikten.
Der Innenminister erinnerte auch an Dominik Brunner, der nach einem brutalen Angriff verstarb, als er am 12. September 2009 Jugendliche vor einem gewalttätigen Übergriff in der S-Bahn schützen wollte. Seitdem steht sein Name bundesweit für Zivilcourage. „Wir werden das Gedenken an Dominik Brunner stets in Ehren halten“, betonte Herrmann. Dieser unterstrich zudem, dass niemand sich selbst in Gefahr bringen muss, und appellierte: „Wichtig ist, nicht wegzuschauen und im Notfall schnellstmöglich die Polizei über den Notruf 110 zu verständigen.“
Die beiden Laudationen
Seit 1994 werden Bürgerinnen und Bürger, die sich durch mutiges und beherztes Eingreifen in besonderer Weise um die Innere Sicherheit in Bayern verdient gemacht haben, mit der „Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit“ ausgezeichnet.
Die Laudatio für Paula Sieghart aus Grafenau:
Verleihung der Courage-Medaille an Paula Sieghart aus Grafenau.
„Liebe Frau Sieghart, im September 2024 versuchten unbekannte Telefonbetrüger Sie gleich an zwei hintereinander folgenden Tagen mit der Masche „Falsche Polizeibeamte“ zu täuschen. Und es zeigte sich: Sie waren an die Falsche geraten!
Sie durchschauten den Betrugsversuch und gingen zum Schein auf die Forderungen ein. Scheinbar bereitwillig führten Sie die Anweisungen der Täter aus, verständigten jedoch über Ihren Sohn unbemerkt die Polizei. Als es nach mehreren Telefonaten schließlich zur Übergabe kommen sollte, brachten Sie den Tätern lediglich eine sorgsam präparierte Tasche mit.
So konnte schließlich der sogenannte Abholer und dessen Fahrer von der Polizei festgenommen werden. Beide Personen sitzen seitdem in Untersuchungshaft.
Liebe Frau Sieghart, durch Ihr Mitwirken konnten zwei Betrüger überführt und höchstwahrscheinlich weitere gleichgelagerte Taten verhindert werden! Dafür unseren Dank und großen Respekt!“
Die Laudatio für Peter Schwankl aus der Gde. Sankt-Oswald-Riedlhütte und seine Mitstreiter:
Verleihung der Courage-Medaille an Peter Schwankl (Mitte).
„Im November 2023 griff ein 38-Jähriger auf einem Wohnmobilstellplatz in Sulzemoos unvermittelt mit einem Messer einen 56-jährigen Mann an. Er verletzte ihn im Gesicht und fügte ihm weitere Schnittverletzungen am Hinterkopf und an den Händen zu.
Sie, Herr Kaiser, Herr Schwankl und Herr Bartko wurden aufgrund der Schreie des Geschädigten auf den Angriff aufmerksam und eilten sofort zum Geschehen. Ihnen gelang es, den Angreifer zu entwaffnen, ihn zu fixieren und unverzüglich die Polizei zu alarmieren. Der Täter befand sich in einer persönlichen Ausnahmesituation, weshalb er massive Kräfte entwickelte und nicht auf Ansprache reagierte.
Das Opfer erlitt durch den Messerangriff massive Verletzungen. Sie verhinderten noch Schlimmeres. Dank Ihres Einschreitens konnte der Angreifer sofort festgenommen werden.
Lieber Herr Kaiser, lieber Herr Schwankl, lieber Herr Bartko, vielen Dank für Ihre selbstlose, entschlossene und äußerst mutige Zivilcourage!
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