Trausnitz. Seine Fahrzeuge besitzt er schon seit vielen Jahren. Die meisten hat er via Kleinanzeigen ergattert. Und keiner wurde aus Scheunen geborgen oder bei Verwandten gefunden. Bis auf einen vielleicht, wie Alexander Schärtl mit einem Schmunzeln zugibt: „Den BMW E30 Touring hab ich von einem Bekannten. Ein 2,8-Liter mit vielen Umbauten und alles eingetragen. Er sollte auf dem Schrottplatz landen, doch mir hatten es die Farbe angetan und die Eintragungen im Schein.“ Das Happy End ist schnell erzählt: Er hat sämtliche Teile nachgekauft und den Wagen neu aufgebaut.

Zum privaten Fuhrpark des 57-jährigen Gründers der bekannten Facebook-Gruppe „Stammtisch für Freunde des Alten Blechs“ gehören neben dem E30 Touring u.a. auch zwei Fahrzeuge aus dem Hause Mercedes Benz: einmal ein 2,3-Liter-8V und ein 190E 2,5-Liter 16V – „beide natürlich als Schalter“, versteht sich. Und: „Der 16V war bei der Sterngarage zu Gast und ist gut im Futter, wobei es sich bei diesem Modell um meine Jugendliebe handelt. Das Fahrzeug war damals unbezahlbar“, berichtet der in Söllitz bei Trausnitz beheimatete Autoliebhaber begeistert.
Hinzu kommen ein Jaguar, ein Smart Roadster Coupé 454 sowie ein Smart SOR. „Dieses Fahrzeug gibt es wohl so nur einmal“, erklärt der Immobilienkaufmann dazu und ergänzt nicht ohne Stolz: „Damit haben meine Frau Kirstin und ich schon den dritten Preis gewonnen.“ Etwas gemütlicher fährt Schärtl mit seinem Mercedes „Strich 8“ durch die Gegend, genauso mit dem Land Rover Serie 2a. „Natürlich sind einer oder zwei davon umgebaut, haben etwas mehr Leistung und liegen besser als das Serienmodell in der Kurve. Doch insgesamt betrachtet hat jedes Fahrzeug seinen Reiz.“ Teil 9 unserer Hog’n-Serie „Altes Blech“ :
„Es ist für mich wie Sex“
Alexander: Seit wann interessierst du dich für Fahrzeuge älteren Baujahrs? Und: Gab es in deinem Falle einen konkreten Auslöser für das „Alte-Blech-Virus“?

Ich liebe Autos schon immer. Doch aufgrund meines Berufes waren Autos in der Jugend nicht immer das, was ich mir leisten konnte und wofür ich im Privaten Zeit hatte. Als KfZ-Mechaniker hatte ich meist für andere Zeit, nicht aber für mein eigenes Blech. Heute ist es die Erinnerung an die „bessere“ und die „gute“ Zeit, an den Klang der Motoren und die Gerüche der Verbrenner. Ja, auch dass jedes der Fahrzeuge anders ist. Die heutigen Fahrzeuge sind im Gegensatz dazu fast alle gleich.
Was macht deiner Meinung nach die Faszination für „altes Blech“ aus?
Das Auto wird von dir bewegt. Es ist leicht und handlich. Es fährt sauber in die Kurven – ohne Helferlein. Es darf noch etwas lauter sein – es ist für mich wie Sex!
Wie viel Zeit wendest du heute für dein Hobby „Altes Blech“ auf? Erzähl einfach mal…
Ich bin natürlich oft auf Treffen unterwegs und organisiere gerne auch welche: Vom „Freunde-des-Alten-Blech„-Stammtisch bis zu weiteren Veranstaltungen bin ich immer mit dabei – vor allem aus Spaß an der Freude. Bei mir zuhause in der Garage, im Hobbyraum und im Haus dreht sich nahezu alles um Oldtimer und Fahrzeuge. Egal, ob in Zeitschriften oder bei Facebook, es geht ums alte Blech! Meist schon ab 6 Uhr morgens betreue ich die 38.000-Mitglieder starke FB-Gruppe, versuche für den Verein zu werben und organisiere alles, um die Gruppe am Laufen zu halten. Nach der Arbeit geht es meist in die Garage, wo ich dann Fahrzeuge umbaue oder meine Oldtimer pflege.
„Kein synthetisches Geräusch, sondern ein echtes“
Kann man in deinem Fall schon von einer Art „Sucht“ für Oldtimer-Fahrzeuge sprechen?
Ja, das ist eine Sucht. Zunächst war es nur der Ausgleich zum Beruf, dann folgte die Liebe – und heute ist es die Sucht, etwas Altes zu erhalten.
Welchen Stellenwert hat für dich der Austausch über die Fahrzeuge in der Gemeinschaft, sprich: mit anderen Altblech-Liebhabern?

Es ist Teil eines Lebensgefühls, wobei im Gespräch es nicht nur um Oldtimer gehen muss. Es ist die freundliche und nette Art der Eigentümer, die wohl anders sind als in anderen Vereinen. Und natürlich sprechen wir über Gott und die Welt – nur etwas ruhiger und nicht so politisch, einfach unbefangener.
Wie groß ist die „Alt-Blech“-Szene im Bayerischen Wald? Und was macht die Szene hier in diesen Breitengraden so besonders?
Die Szene ist extrem gewachsen. Beim letzten Treffen waren 2.172 Oldtimer-Fahrzeuge vertreten. Das gab es so noch nie! Zudem befinden sich immer mehr Oldtimer in einem noch besseren und noch schönerem Zustand, als dies früher der Fall war. Wir, die Freunde des Alten Blechs, sind auf mehreren Veranstaltungen mit von der Partie oder treffen uns alle vier Wochen im Rahmen unseres Stammtischs. Dabei spielt das Alter keine Rolle: Im Verein haben wir Mitglieder zwischen 17 und 76 Jahren. Der Frauenanteil ist dabei enorm. Die Frauen sind ohnehin nicht mehr wegzudenken, was wohl auch damit zusammenhängt, das wir als unkomplizierte Gemeinschaft auftreten, offen und nicht total gehemmt – oder gar noch verklemmt.
Was macht den Unterschied für dich aus zwischen einem Fahrzeug älteren Baujahrs und den Autos von heute?
Ich fahre noch mit dem Auto um die Kurven herum – und nicht umgekehrt. Ich benötige nur fünf Minuten zum Tanken, dann sitze ich wieder hinterm Steuer. Es ist ein Gefühl von Freiheit, die Freude am Fahren, die ich von den Oldtimern rückgemeldet bekomme. Wenn es knallt im Auspuff, ist das kein synthetisches Geräusch, sondern ein echtes. Das können Fahrzeuge mit zwei Tonnen wohl nicht leisten, was der E30 mit weniger als einer Tonne Gesamtgewicht so alles kann.
„Das Thema ist sehr politisch und ideologisch geprägt“
Welche Veränderungen hat es deiner Meinung nach in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren gegeben in der Altblech-Szene? Was fällt dir auf?

Mir fällt auf, dass so gut wie alle Fahrzeuge heute vom Erscheinungsbild her gepflegter sind als früher. Und dass auch mehr junge Leute und mehr Frauen in der Altblech-Szene vertreten sind. Viele Fahrzeuge stammen aus den 90er Jahren, was mich persönlich mehr anspricht als die ganz alten. Es ist wohl auch eine Art Flucht in die „gute alte Zeit“…
Stichworte: Klimawandel und Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielen diese Begriffe deiner Meinung nach in der Alt-Blech-Szene? Und: Wird man diesbezüglich kritisiert, wenn man alte Autos aus Überzeugung fährt?
Zunächst ja: Ich wurde als „Rechter“ beschimpft, weil ich in einem Beitrag mal geschrieben hatte, dass ich mir derzeit keinen Tesla kaufen würde. Wobei es aktuell ja wieder eher „links“ ist, keinen zu fahren. Der Klimawandel in der Form, wie er bei uns immer mehr an Deutungshoheit gewinnt, ist zum Modewort verkommen, um Geld zu machen und politisch andere Ansätze zu unterdrücken. Unser Smart war damals in der Lage mit Kraftstoff E85 oder E100 zu fahren. Heute ist das nicht mehr erwünscht.
Jeder Verbrenner ist wohl klimafreundlicher als viele E-Autos – alles Fahrzeuge, die rein aus ideologischen Gründen gesponsert wurden. Die Rohstoffe und Seltenen Erden müssen dafür auf der gesamten Erde ausgebeutet werden. Der Strom stammt heute wohl noch mehr aus Kohleenergie, als dies vor Jahren noch der Fall war. Da ist Alt-Blech sicher nachhaltiger. Ob es umweltfreundlicher ist, wage ich jedoch zu bezweifeln. Das Thema ist sehr politisch und ideologisch geprägt.
„Wünsche mir echte Offenheit und echtes Miteinander“
Abschließend: Was wünschst du dir für die Zukunft hinsichtlich deines Hobbys?
Ich wünsch mir mehr Miteinander. Ich wünsch mir, dass Benzin und Diesel uns erhalten bleiben. Und dass unser Hobby noch bunter wird, denn: Autos hatten früher noch Farbe! Ich wünsch mir, dass der jährliche TÜV niemals eingeführt wird. Und dass wir als Erfinderland, als Land der Dichter und Denker, die Auto-Nation schlechthin, uns das Kulturgut Auto weiterhin erhalten. Dass wir es sind, die offen und ohne Ideologie die Zukunft für uns, die Oldtimer und das Land gestalten. Dass Autotreffen weiterhin möglich sind und es uns nicht erschwert wird, Veranstaltungen dieser Art durchzuführen. Ich wünsche mir, dass echte Offenheit und ein echtes Miteinander weiterhin Bestand hat.
Vielen Dank für die Beantwortung – und weiterhin gute Fahrt!
die Fragen stellte: Stephan Hörhammer








