Freyung. Wie ersetzt man eine Legende des Freyunger Nachtlebens? Richtig! Mit einem weiteren Szene-Urgestein. Seit Mittwochabend (10. September) hat das legendäre Pub „Grammophon„ wieder geöffnet. Hinter dem Tresen steht jedoch zapfenderweise nicht mehr der vor wenigen Monaten verstorbene Michael Dafinger („da Dafinger-Mich„), sondern Fritz Swatosch („da Seehaus-Fritz„). Ansonsten hat sich nur wenig geändert in der berühmt-berüchtigten Kneipe in der Abteistraße am „unteren Stadtplatz“. Und das ist gut so. Denn es gilt einen Mythos zu bewahren…

Genau an dieser Stelle muss der neue Wirt aber einhaken: „Ein etwas anderer Flair“, wie es Swatosch formuliert, werde künftig dann doch „beim Mich“ herrschen. Die Kühltheke wurde erneuert, ein Sternenhimmel angebracht. Insgesamt haben der 63-Jährige und seine Helferlein die Räumlichkeiten für die Wiedereröffnung des alteingesessenen Kultlokals auf Vordermann gebracht. Und auch einen neuen Zapfhahn sowie mindestens ein neues Pilsglas musste angeschafft werden, denn: „Diese beiden Sachen hat sich der Sohn vom Mich als besondere Erinnerung an seinen Vater mitgenommen.“
Wie jeder Freyunger und jede Freyungerin weiß: Das Grammophon und da „Dafinger-Mich“, der nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren starb, waren eins. Und nur, wer das Pub schon einmal betreten hat, der weiß, welch besondere Atmosphäre darin herrschte – und auch künftig wieder herrschen soll. Dort wurde nicht nur die ein oder andere unvergessliche Party gefeiert. Dort wurde nicht nur das ein oder andere Stadtgerücht geschürt, sondern auch so manches „Leidg’schmatz„, an das sich am nächsten Morgen keiner mehr so recht erinnern konnte, in die Welt gesetzt. Es wurde gestritten, getrauert, gelacht, auch mal geknutscht und getanzt, oft geschlafen und auf alle Fälle politisiert und diskutiert. Nicht zu vergessen die Pfefferbeißer und die Hauspizza, die – ähnlich wie sein spezieller Charakter – zum Mich gehört haben wie seine Stammgäste, die ihm über viele Jahre hinweg die Treue hielten.
Fritz Swatosch hat die „härteste Tür Freyungs“ übernommen

Schmankerl wie diese sollen auch weiter Bestandteil der Angebotspalette bleiben. „Die Pizza gibt’s bereits jetzt wieder“, macht Fritz Swatosch im Hog’n-Gespräch deutlich – und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Bei den Pfefferbeißern müssen wir noch was klären, aber ich bin zuversichtlich.“
Der 63-Jährige kann sich auf die eigenen Erfahrungen verlassen – sowohl, was das Grammophon im Besonderen, als auch das Nachtleben im Allgemeinen betrifft. Denn der Hinterschmidinger ist als Wirt in der Kreisstadt kein Unbekannter. Mehr als 40 Jahre lang hat er das „Seehaus“ am Eingang zur Buchberger Leite betrieben, von 1997 bis 2000 das „Tanzlokal Moonlight“ im Pröbstl-Haus sowie von 1995 bis 2000 das Billard-Cafe „Flair“ im ehemaligen „Stock & Steubl„-Gebäude (heute: Technologie-Campus).
„Vor fünf Jahren habe ich das Seehaus aus gesundheitlichen Gründen verkaufen müssen“, blickt Swatosch, der den Nasenschleimhautkrebs nach langem Kampf besiegt hat, zurück. „Ich habe wieder alles im Griff“, gibt er sich zuversichtlich. Und weil er „nicht jeden Tag Rasenmähen kann und das Schneeschaufeln im Winter auch immer seltener wird“, hat er sich – damit ihm nicht langweilig wird – dazu entschlossen, das Erbe von Michael Dafinger anzutreten. Einerseits ein einfaches Unterfangen, denn: „Jeder weiß, dass die Kneipe läuft.“ Andererseits eine große Aufgabe – immerhin gilt es, eine Freyunger Legende des Nachtlebens zu ersetzen und sich in deren Fußstapfen zu beweisen.
Eine Gedenk-Ecke mit dem Bild des Verstorbenen wird Fritz Swatosch im Lokal nicht einrichten. Von derlei Sentimentalitäten hält der 63-Jährige nicht viel. Und an den „Dafinger-Mich“ muss man ohnehin nicht besonders erinnern, denn: Das Grammophon, wie es leibt und (wieder) lebt, ist und bleibt sein Vermächtnis. Er hat einst an der „härtesten Tür Freyungs“ darüber bestimmt, wer rein darf – und wer nicht. Je nach Lust und Laune. Und es scheint so, als hätte Fritz Swatosch die Erlaubnis bekommen. Denn bereits der erste Abend war dem neuen Wirt zufolge „wie immer“…
Helmut Weigerstorfer







