Schönberg. Nicht wenige Altblech-Liebhaber haben gleich mehrere Schätze in ihrer Garage stehen, die sie mit viel Hingabe und Leidenschaft hegen und pflegen. Tanja Mitterndorfer hingegen widmet ihre Begeisterung für ältere Autos einzig und allein ihrem BMW E30 318is, Baujahr 1991. Eine Liebe, die mittlerweile seit vielen Jahre anhält…

„Der Wagen hat 140 PS, ist ausgestattet mit Sportsitzen und Klimaanlage“, berichtet die 39-jährige Schönbergerin nicht ohne Stolz. Vor rund sieben Jahren ging das schwarze Schmuckstück der Bayerischen Motoren Werke AG in ihren Besitz über. „Das Spezielle daran ist, dass von diesem Sondermodell nur insgesamt 41.234 Stück gebaut wurden und heute nur noch wenige davon auf der Straße zu sehen sind.“
Wie die gelernte Bürokauffrau aus dem Bayerischen Wald weiß, handelt es sich bei ihrem E30 um eine spanische Erstauslieferung. „Der Wagen hat 25 Jahre seines Autolebens in dem südwesteuropäischen Land verbracht, weshalb der Karosseriezustand extrem gut ist.“ Teil 8 unserer Hog’n-Serie „Altes Blech“ :
„Mit dem E30 Zeit zu verbringen, ist wie eine Therapie“
Tanja: Seit wann interessierst du dich für Fahrzeuge älteren Baujahrs? Und: Gab es in deinem Falle einen konkreten Auslöser für das „Alte-Blech-Virus“?

Meine Leidenschaft für ältere Autos ist sicherlich angeboren (schmunzelt). Ich war ein totales Papa-Mädchen – und er war schon immer ein Schrauber, samt der ganzen Familie. Aufgewachsen bin ich hauptsächlich mit den Marken Opel und VW. Bei jedem Auto, das mein Papa verkauft hat, hab ich geweint und hatte Kummer (lacht). Zur Marke BMW kam ich erst mit 18 Jahren, als ich meinen Mann und seinen damaligen E30 kennengelernt habe. Und nachdem wir im Laufe der Jahre gemeinsam einige neuere Baureihen von BMW gefahren sind, wuchs der Wunsch nach diesem einen ersten Auto immer mehr! Nach langer Suche nach diesem Modell haben wir ihn schließlich 2018 im Schwarzwald gefunden.
Was macht deiner Meinung nach die Faszination für „altes Blech“ aus?
Das Faszinierende an alten Autos: Sie geben einem ein unbeschreibliches Gefühl. Man steigt ein und fühlt sich “anders” – lebendiger, freier, zurückversetzt in die guten alten Zeiten. Es ist wirklich eine Ehre, ein solches Kulturgut zu besitzen und erhalten zu dürfen! Jedes Mal, wenn man etwas am Auto gemacht oder verbessert hat, ist man unglaublich stolz und zufrieden. Mit dem E30 Zeit zu verbringen, ist wie eine Therapie.
Wie viel Zeit wendest du denn für dein Hobby auf? Erzähl einfach mal…
Da ich das Hobby mit meiner Familie teile und auch mein Mann und unsere Tochter begeistert davon sind, verbringen wir viel Zeit gemeinsam, um den E30 zu pflegen, zu warten, an ihm zu schrauben – und ihn natürlich auch zu fahren. Er ist im Sommer bei Schönwetter immer die erste Wahl und begleitet uns auf Ausflüge, zu Treffen, zum Einkaufen oder auch einfach mal, um eine Runde zu drehen, damit der Kopf frei wird…
„Möchte versuchen, meinen Traum nun wahr werden zu lassen“
Kann man in deinem Fall schon von einer Art „Sucht“ für Oldtimer-Fahrzeuge sprechen?

Meine Autosucht geht so weit, dass ich meine Leidenschaft hierfür seit Kurzem auch als Dienstleistung anbiete: Ich bereite Autos auf, das heißt: Ich hole das Beste aus dem Lack heraus und pflege die Fahrzeuge auch im Innenraum bis ins kleinste Detail. Als Jugendliche habe ich damals keine Lehrstelle als Kfz-Mechatronikerin bekommen. Nun – mit fast 40 Jahren – möchte ich versuchen, meinen Traum, auch beruflich etwas mit Autos zu machen, noch in gewisser Weise wahr werden zu lassen (grinst).
Welchen Stellenwert hat für dich der Austausch über die Fahrzeuge in der Gemeinschaft, sprich: mit anderen Altblech-Liebhabern?
Natürlich ist der Austausch mit Gleichgesinnten für mich super wichtig – egal, ob auf Oldtimertreffen oder in WhatsApp-Gruppen. Am liebsten tausche ich mich persönlich auf den Treffen in der Region mit anderen Oldie-Fahrern aus. Das Schönste ist aber, wenn durch die gemeinsame Leidenschaft echte Freundschaften entstehen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dadurch ein paar ganz tolle Leute in meinem Leben gefunden habe!
Wie groß ist die „Alt-Blech“-Szene im Bayerischen Wald? Und: Was macht die Szene hier in diesen Breitengraden so besonders?
Die Szene im Bayerischen Wald ist sehr groß, man kennt sich untereinander. Und man glaubt gar nicht, wie viele Leute noch alte Schätzchen rumstehen haben. Das überrascht mich oft, denn selbst wenn man viel auf Treffen unterwegs ist, sieht man immer wieder auch Autos aus der näheren Umgebung, die man noch nicht kannte.
Auffällig finde ich zur Zeit, dass viele recht junge Menschen – so um die 20 bis 25 Jahre – plötzlich mit einem Oldie um die Ecke kommen. Da freue ich mich immer besonders, dass auch die jüngere Generation den Retro-Vibe spürt und lebt. Zudem fällt mir auf, dass es immer mehr Oldtimertreffen gibt – und diese richtig boomen. Viele Leute schauen sich gerne das alte Blech an und kommen ins Schwärmen über die alten Zeiten!
„So lange erhalten, bis unser Mädchen fahren darf“
Was macht deiner Meinung nach den Unterschied aus zwischen einem Fahrzeug älteren Baujahrs und den Autos von heute?
Ein neues Auto kann noch so viel Technik besitzen – es wird einem nie das Gefühl geben können, das dir ein Oldtimer gibt! Zudem kann man an den Oldies noch alles selber schrauben – und benötigt dafür nicht mal ein großes Sortiment an Spezialwerkzeugen. Wenn ich das Geld und den Platz hätte, würde ich mir noch einige weitere Oldies zulegen, um bis ins hohe Alter damit fahren zu können (schmunzelt). Mein großes Ziel ist, unseren E30 so lange zu erhalten, bis ihn unser Mädchen in zwölf Jahren auch fahren und dieses besondere Gefühl erleben darf…

Welche Veränderungen hat es deiner Meinung nach in den vergangenen (zehn, zwanzig) Jahren gegeben in der Altblech-Szene? Was fällt dir auf?
Im Vergleich zu den früheren Treffen vor etwa 15 Jahren hat sich aus meiner Sicht hauptsächlich die Einstellung der Menschen geändert. Es gibt heutzutage viel weniger „Marken-Hass“. Wo damals jeder seine eigene „Marken-Suppe“ gekocht hat, ist heute alles gemischt: Die BMW-Fahrer finden beispielsweise auch einen Opel Manta richtig gut…
Stichworte: Klimawandel und Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielen diese Begriffe deiner Meinung nach in der Alt-Blech-Szene? Und: Wird man diesbezüglich kritisiert, wenn man alte Autos aus Überzeugung fährt?
Ich persönlich wurde noch nie offensiv kritisiert – ganz im Gegenteil! Viele halten den Daumen hoch, wenn man vorbei fährt – und oft kommen die Leute auch direkt auf mich zu und sprechen mich an. Sehr häufig kommen Aussagen wie: „Das waren noch richtige Autos!“ Die Leute vermissen das Solide, die Qualität von damals – und sind von der vielen Technik heutzutage oft nicht überzeugt. Aus meiner Sicht gibt es eigentlich nichts Nachhaltigeres als so ein Auto mit vergleichbar wenig Technik, das schon mehr als 30 Jahre lebt und fährt.
„Wünsche mir, dass unsere Spezies nicht ausstirbt“
Ein verbreitetes Klischee besagt, dass die Freunde von Audi, Golf, Opel und Co. gerne mal aufs Gas drücken und im Straßenverkehr überwiegend weniger Rücksicht auf andere nehmen? Ist es nur ein Klischee oder steckt auch ein Funken Wahrheit dahinter?
Fahrer, die weniger rücksichtsvoll handeln, gibt es sicher bei jeder Marke – sowohl im Altblech-Bereich als auch bei modernen Autos. Ich erlebe es überwiegend so, dass sich die Oldie-Fahrer einfach nur freuen, bei schönem Wetter mit ihren alten Kisten entspannt über die Straßen zu cruisen.
Abschließend: Was wünschst du dir für die Zukunft hinsichtlich deines Hobbys/deiner Leidenschaft?
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass unsere „Spezies“ nicht ausstirbt – dass das Kulturgut Oldtimer erhalten bleibt und von der jüngeren Generation wertgeschätzt, erhalten und weitergeführt wird!
die Fragen stellte: Stephan Hörhammer










