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Viechtach. Ganze 25 Staaten hat Jana Pfeffer in den vergangenen zwei Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika besucht. Sie lebte und arbeitete bei einer Familie in Kalifornien in der Nähe von San Francisco – als sogenannte Care Professional, ähnlich einer Stelle als Au-Pair. Dabei die schönste Erfahrung: Die Gastfamilie, die Tennants, die mittlerweile wie eine zweite Familie für die 23-Jährige geworden sind.

Zwischen Gemütlichkeit und Umzugskisten: Jana Pfeffer genießt auch die Zeit zu Hause sehr, hier in ihrem Zimmer. Wenn ihr Fernweh gestillt ist, will sie wieder in den Bayerwald zurückkehren, zu ihren Wurzeln und in die Nähe ihrer Familie.

Lächelnd und sehnsuchtsvoll sieht die sympathische junge Frau die Fotos auf ihrem Handy durch. Grand Canyon, New York, Hawaii. „Reisen ist etwas ganz anderes als nur Urlaub machen.“ Ihre Leidenschaft dafür hat sie bei ihrem Auslandsaufenthalt in den USA entdeckt, der vor einigen Wochen endete.

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Bei einem Besuch in ihrem Elternhaus in der Rugenmühle bei Viechtach – der nicht sehr lange dauern wird, wie sie selbst am Ende des Gespräches freudig preisgibt – blickt sie zurück. Auf wundervolle Zeiten, viel Arbeit, unvergleichliche Erlebnisse und Menschen, die sie nun auch auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten werden…

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 Gleich beim ersten Interview hat’s „gematcht“

Ihre Gastfamilie, die Tennants, hat sie so liebgewonnen, dass sie nun gemeinsam mit ihnen ein weiteres Auslandjahr in London verbringen wird.

Jana Pfeffer sitzt in legerer Jeans und Kapuzenpulli im Wohnbereich am Esstisch, die dunkelblonden Haare zu einem lässigen Dutt aufgetürmt. Sie erinnert sich an ihre Kindheit und Jugend in der wunderbaren Umgebung der Rugenmühle, wo auch heute noch ihre Familie, ihre Großmutter und ihre Tante samt Familie leben.

Nach dem M-Zug an der Mittelschule Viechtach absolvierte sie im Mädchenwerk Zwiesel die Ausbildung zur Erzieherin und sammelte in der folgenden Zeit viele Erfahrungen in Kindergärten, Grundschulen und auch Einrichtungen für Kinder mit sonderpädagogischen Bedürfnissen. Über die Schule im Mädchenwerk kam sie in Kontakt mit der Agentur, die ihre Sicht auf die Welt verändern würde:

Junge Menschen, die Ausbildungen im sozialen Bereich haben, werden als „Care Professionals“ in verschiedene Länder zu angemeldeten Familien vermittelt, die Unterstützung bei Kindern mit „special needs“ (sprich: besonderen Bedürfnissen) benötigen – und sich das natürlich auch leisten können. „Das sind in der Regel Familien aus der Oberschicht“, berichtet Jana. Dass sie das schlussendlich durchziehen würde, hätte sie anfangs selbst nicht gedacht, wie sie schmunzelnd zugibt.

Den Beginn prägte ein zeit-, kräfte- und nervenzehrender Prozess, unzählige Formulare mussten ausgefüllt, ein Visum beantragt, ein ausführliches Profil erstellt werden. Einige interessierte Anfragen gingen in der Folge ein. Gleich beim ersten Interview, das Jana mit einer Familie führte, „hat es gematcht!“ Im Oktober 2023 reiste sie in die Bay Area nahe San Francisco.

„Die Kinder sind wie kleine Geschwister für mich geworden“

Im liebevoll angelegten Garten ihrer Mutter, der einem Urwald ähnelt, genießt die junge Frau ihre freie Zeit und plant schon ihre nächsten Reiseziele.

Die Tennants haben drei Kinder im Alter von vier, sieben und zehn Jahren. Zwei davon haben die Diagnose ADHS. Lächelnd zeigt Jana ein Ausflugsbild – und man merkt ihr an, wie sehr sie all das vermisst. „Ich war einfach überglücklich mit meiner Familie, sie ist so etwas wie meine Ersatzfamilie geworden. Sie haben mich wie ein Familienmitglied behandelt, ich war bei allen Festen dabei, bin mit in den Urlaub gefahren.“ Der Plan lautete damals, ein Jahr zu bleiben. Zuerst verlängerte sie auf eineinhalb Jahre – und dann nochmal um drei Monate.

„Natürlich hat man auch einiges an Arbeit, bei mir waren’s zwischen 35 und 45 Wochenstunden. Aber in der restlichen Zeit, hab ich so viel erlebt, wie noch nie in meinem Leben.“ Zu ihren Aufgaben gehörte unter anderem, die Kinder zu beaufsichtigen, sie zur Schule und zum Kindergarten zu bringen und sie dort wieder abzuholen. Außerdem brachte sie die drei zu verschiedenen Terminen – oder auch schon mal abends ins Bett. Vieles erledigte sie gemeinsam mit der Mutter. Der Vater war häufig auf Geschäftsreisen unterwegs.

„Die Kinder sind wie kleine Geschwister für mich geworden“, erzählt sie und lächelt. Es sei zwar nicht immer leicht gewesen, gerade angesichts der Diagnose ADHS, doch die Zusammenarbeit mit den Eltern verlief stets recht gut. Die Wochenenden waren meistens frei, auch Urlaubstage standen zur Verfügung. Jana tat sich dabei häufig mit anderen „Care Professionals“ zusammen, die sie über die Agentur kennengelernt hatte, und verreiste. Und reiste. Und reiste. Kurztrips, Festivals, einmal die gesamte East Coast entlang.

Ihre liebsten Reise-Erinnerungen: Hawaii und New York

Den Lohn, der wöchentlich ausbezahlt wurde, investierte sie in Erinnerungen, die sie nie mehr vergessen sollte. Mindestens ein bis zweimal im Monat wurden Kurztrips organisiert. Neben den Urlaubsaufenthalten mit der Familie bereiste Jana unter anderem in einem Monat die gesamte East Coast. Ihr fiel auf: „Die Menschen sind total locker und offener als bei uns.“ Als zwei der beeindruckendsten Reiseziele nennt sie Hawaii („Das war einfach mega!“) und New York („Obwohl ich eigentlich kein Stadtmensch bin, muss man das gesehen haben!“) Überwältigend war für sie auch, dass kein Staat mit dem anderen zu vergleichen sei – „alles wie eigene Länder“.

Ihre Mutter Petra Pfeffer freut sich, ihre Tochter zumindest für einige Wochen mal wieder im Haus – und im Lande – zu haben.

Danach gefragt, ob sie etwas Ähnliches wieder machen würde, antwortet sie umgehend: „Jederzeit!“ Vor allem, da sie jetzt weiß, worauf bei derlei Unterfangen geachtet werden sollte. „Bei der Erstellung des Profils und dem Interview mit den Familien lernt man sich selbst und seine Bedürfnisse besser kennen.“ Für sie hätten sich die Kriterien eines eigenen Bades und eines verfügbaren Autos als wesentlich herausgestellt. „Glück muss man natürlich auch haben, denn man lebt ja mit den Arbeitgebern auf engem Raum zusammen.“ Sie habe Bekannte, die nach kurzer Zeit schon ins „Rematch“ gegangen seien – und die Familie gewechselt hätten.

Ein für die USA prägendes Ereignis hatte sie hautnah miterlebt: die Wiederwahl Donald Trumps zum Präsidenten. „Doch Auswirkungen habe ich ehrlich gesagt nicht wirklich gespürt.“ Persönlich habe sie sich ohnehin nicht besonders eindringlich mit diesem Thema beschäftigt. Generell komme es dabei sehr darauf an, in welchem Staat man sich befinde. Kalifornien sei eher Anti-Trump-geprägt, so auch ihre Gastfamilie. Eine kurze Befürchtung, dass ihrem Bruder, der zu Besuch kommen wollte, die Einreise erschwert würde, zerschlug sich schnell – „alles ohne Probleme.“.

Zweimal besuchte Jana ihre Bayerwald-Heimat während des Auslandsaufenthalts, zuletzt war sie für insgesamt sechs Wochen daheim. Mittlerweile hat es sie jedoch erneut in die Ferne verschlagen. Diesmal aber nicht wieder über den großen Teich, sondern „nur“ über den Ärmelkanal, nach England. Denn: „Die Tennants verbringen selbst ein Auslandsjahr in London und haben mich gefragt, ob ich nicht mitkommen will.“ 

Trotz Fernwehs weiß Jana um ihre Wurzeln im Bayerwald

„Raus aus der Komfortzone, rein in die Welt“, lautet das Motto der jungen Frau. Wie ihr weiterer Lebensweg aussehen wird, weiß sie noch nicht – „und das ist auch gut so“, ist Jana Pfeffer überzeugt. Ihre Gedanken kreisen dabei um einen „Work and Travel“-Aufenthalt in Australien, was aus ihrer Sicht „richtig cool“ wäre. „Fernweh hatte ich immer schon – und das soll die kommenden Jahre ausgelebt werden.“ Doch die Wurzeln, zu denen sie irgendwann zurückkehren will, sieht sie hierzulande In der Nähe ihrer Familie. In der Rugenmühle bei Viechtach. Im Woid.

Lisa Brem


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