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Chengdu/Tiefenbach. Obwohl Christine Schäfer, wie sie gegenüber dem Onlinemagazin Hog’n selber zugegeben hat, alles andere als eine Sportskanone ist, hat sie eine für Athleten typische Tugend inzwischen komplett verinnerlicht: Bevor sie irgendwelche externe Maßstäbe ansetzt, will sie zunächst stets ihr Bestes geben, den Fokus ganz auf sich richten. Bei den 12. World Games im chinesischen Chengdu war dies jedoch nicht möglich, was der gebürtigen Herzogsreuterin, die mittlerweile in Tiefenbach lebt, besonders weh tut – mehr als jede knappe Niederlage…

Gute Miene zum bösen Spiel: Christine Schäfer (rechts) ärgerte sich über ihr frühzeitiges Ausscheiden bei den World Games in China. Fotos: Peter Lange

„Es war unerträglich“, blickt die Bogenschützin zurück – und atmet noch einmal tief durch. Knapp 40 Grad Außentemperatur bei ungefähr 90 Prozent Luftfeuchtigkeit haben ihr nicht nur zu schaffen gemacht. Die 51-Jährige war sogar kurz davor, die Reise komplett abzubrechen. Ihr Kreislauf streikte, gepaart mit Übelkeit und Schwindelgefühlen. Sogar das Krankenhaus drohte ihr: „Ich wurde von der zuständigen Ärztin durchgecheckt. Auch die Kampfrichter haben mich immer wieder gefragt, wie es mir geht, weil ich offensichtlich angeschlagen war. Doch letztlich war, was meine Werte betrifft, alles noch gerade nicht im roten Bereich.“

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An konzentrierte Wettkämpfe – nicht im Entferntesten zu denken. Selbst Sonnenschirme und Kühlakkus halfen nicht wirklich. So landete die Bogenschützin in der sog. Feldbogen-Qualifikation auf dem letzten Platz. Sie durfte in der Folge zwar am Hauptwettkampf teilnehmen, war allerdings nicht für das Halbfinale gesetzt, sondern musste sich durch die Vorrunde quälen. Noch mehr Anstrengung, noch mehr Überwindung – am Ende noch mehr Enttäuschung. Letztlich stand für die Tiefenbacherin dann ein siebter Platz in der Wertungstabelle. Eine Argentinierin, amtierende Vize-Weltmeisterin, konnte sie schlagen – auch die Titelverteidigerin aus Schweden. Dann jedoch war der Tank leer.

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„Sie ist stark geschwächt in den Wettkampf gegangen“

Bogenschützen-Team Deutschland in Fernost – mit u.a. Christine Schäfer (v.l.) und Peter Lange.

Ihr Fazit insgesamt: „Ich habe mich sehr geärgert, weil ich besser schießen kann. Es wäre mehr drin gewesen…“ Das sieht auch Peter Lange, Disziplinen-Verantwortlicher beim Deutschen Schützenbund (DSB) und somit eine Art Bundestrainer, so: „Christine hatte sich leider einen Hitzschlag zugezogen und ist stark geschwächt in den Wettkampf gestartet. Wir hatten die Hoffnung, dass sie zur Entscheidung wieder fit ist, aber dem war nicht so. Sie konnte zwar ihre ersten beiden Matches gegen ebenfalls kranke Gegnerinnen für sich entscheiden. Platz sieben ist unter diesen Umständen eine gute Platzierung.“

Zurück in ihrer Heimat und mit etwas zeitlichem Abstand waren die World Games in Asien für Christine Schäfer jedoch nicht nur eine Enttäuschung. Sie blickt auf ein gar „brutales“ Erlebnis zurück. Die elf Stunden Flugzeit in Richtung China sowie die 13 Stunden Retour schüttelte sie eigenen Angaben zufolge relativ leicht aus den Kleidern. Auch der Zeitunterschied stellte für sie kein Problem dar. Die Atmosphäre, die Stimmung und das Miteinander im „Village“, so wurde die einem Olympischen Dorf ähnliche Wohnanlage in Fernost genannt, entschädigte ohnehin für vieles. „Zudem waren da unendlich viele freiwillige Helfer, die keine Wünsche übrig ließen.“

Trotz aller Beschwingtheit ließ die gebürtige Herzogsreuterin den Blick über den Tellerrand nicht außen vor. Sie wusste, dass sie sich in einem autoritären und totalitären Staat befindet. „Wir waren natürlich in einem besseren Stadtteil untergebracht. Alles neu – kein älteres Gebäude, kein Müll, kein angemalter Brückenpfeiler. Aber auch keine Kinder und Jugendliche.“ Die Volksrepublik wollte sich makellos präsentieren, hinlänglich bekannte Einschränkungen im Verborgenen wissen. „Ein eigenartiges Gefühl hatte ich nie“, stellt die Physiotherapeutin in der Rückschau fest.

Glückwunsch zur Deutschen Meisterschaft!

„World Games sind der Hammer! Ich bin voll motiviert, 2026 besser zu sein als heuer. Aber das tropische Klima in Chengdu: Ich fahre da nicht mehr hin.“ Ihr neue Abneigung China gegenüber hat aber eher klimatische als gesellschafts- oder sportpolitische Gründe. Denn wenn sie zu einem Wettkampf antritt, will sie ihre Bestleistung zeigen können. Dass sie dann zur Elite gehört, weiß sie selbst. Und das hat die Amateursportlerin in der Zwischenzeit auch erneut bewiesen. Ende August krönte sie sich noch einmal zur Deutschen Meisterin (3D-Parcours). Auch bei den Europameisterschaften in Polen, die Mitte September stattfinden werden, rechnet sie sich durchaus Siegeschancen aus – bei dann wohl annehmbaren frühherbstlichen Temperaturen…

Helmut Weigerstorfer

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