Zwieslerwaldhaus. Seit Anfang des Jahres läuft das grenzüberschreitende Projekt namens Beetle Trees. Und es ist ein äußerst facettenreiches Forschungsgebiet, welches Entomologe Jakob Andreä zusammen mit zwei Praktikantinnen unter die Lupe nimmt. Auf Borkenkäferflächen in der Managementzone des Nationalparks bei Zwieslerwaldhaus untersucht er, wie sich die unterschiedlichen Managementmaßnahmen auf die Käfergemeinschaft auswirken.

Dabei handelt es sich einer Pressemitteilung des Schutzgebietes zufolge um ein Interreg-Projekt. Dieses führt der Nationalpark in Zusammenarbeit mit der tschechischen Umweltorganisation Hnutí DUHA (Friends of the Earth Czech Republic) durch. Auch das Entomologischen Institut (Biologické centrum AV ČR, v. v. i.) in Budweis ist involviert.
„Wir untersuchen, wie sich unterschiedliche Borkenkäfermanagementmaßnahmen auf die verschiedenen, auf Totholz angewiesenen Käferarten auswirken“, lässt sich Jakob Andreä in der Information zitieren. „Wie zum Beispiel in einem Bereich, in dem viel Totholz auf der Fläche belassen werden konnte, weil die befallenen Fichten beim Fällen gleich vom Debarking-Harvester entrindet wurden.“ Auch Gebiete, in denen Rindenschlitzgeräte zum Einsatz gekommen sind, werden erforscht. Genauso Regionen, in denen ein Teil der Stämme aus dem Wald transportiert worden ist.
Gerade alte Bäume als „wahrer Hotspot für Biodiversität“

„Um herauszufinden, welche Arten auf den jeweiligen Flächen vorkommen, hängen in allen Untersuchungsgebieten sogenannte Flugfensterfallen, die wir in regelmäßigen Abständen auswerten“, erzählt der Nationalparkmitarbeiter. Im Waldboden vergrabene Becherfallen sammeln zusätzlich am Boden herumkrabbelnde Käfer. „Das großartige an dem Projekt ist, dass wir gute Daten über die Käfergemeinschaften auf den unterschiedlichen Managementflächen erhalten und am Ende auch Aussagen treffen können, wie sich die jeweilige Art der Managementmaßnahme darauf auswirkt.“
Wie Prof. Jörg Müller, Leiter des Sachgebietes Naturschutz und Forschung, im Rahmen der Meldung erklärt, ist ein weiteres Ziel die grüne Infrastruktur zu fördern. „Gerade alte Bäume, egal ob bei uns im Nationalpark als auch in Privatwäldern und in Städten, sind wahre Hotspots der Biodiversität. Sie sind für das Überleben bedrohter Käferarten wie Rindenschröter, Ungarischer Ahornbock oder den berühmten Urwaldreliktkäfer Peltis grossa von größter Bedeutung.“
Ein Bewusstsein dafür zu schaffen und diese wichtigen Lebensräume gezielt zu schützen und zu fördern, sei essenziell. Müller weiter: „Genau wie ihre Lebensräume sind totholzbewohnende Käferarten für ein funktionierendes Ökosystem von fundamentaler Bedeutung. Deshalb ist es wichtig, mehr über ihre Anforderungen zu lernen und ein grenzüberschreitendes koordiniertes Schutzkonzept für die Käferarten und ihre Lebensräume zu erarbeiten.“ Bis Ende 2027 läuft das Forschungsprojekt.








