Zwiesel. Rund 300 bis 500 Menschen haben sich am Sonntagnachmittag am ersten „Christopher Street Day“ (CSD) im Landkreis Regen beteiligt, um Vielfalt zu feiern und ein starkes Zeichen für Toleranz, Gleichberechtigung und Solidarität zu setzen. Als Austragungsort für die Demonstration wählten die Veranstalter vom Verein „Omas und Opas gegen Rechts Landkreis Regen“ und dem Verein „Oberstübchen Regen e.V.“ die Glasstadt Zwiesel – „gerade weil es hier bislang kaum queere oder demokratiestärkende Veranstaltungen gab“, wie Mitorganisatorin Karin Algasinger (Omas gegen Rechts) im Vorfeld mitteilte.

Der Christopher Street Day (CSD) war von Beginn an eine politisch motivierte Bewegung. Ursprünglich entstand er als Protest gegen Diskriminierung, Polizeigewalt und gesellschaftliche Ausgrenzung von LGBTQ+-Personen. Politisch steht der CSD seither für die Forderung nach Gleichberechtigung, Menschenrechten und gegen jede Form von Hass und Intoleranz. Auch heute verbindet der CSD Spaß und Feierlichkeit mit einer klaren politischen Botschaft und einem Engagement für soziale Gerechtigkeit und Vielfalt.
„In einer Zeit, in der Queerfeindlichkeit, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Faschismus und Populismus weltweit zunehmen und auch ländliche Regionen wie der Bayerische Wald von einem Rechtsruck betroffen sind, ist der Einsatz für Menschenrechte und Demokratie wichtiger denn je“, betonte das Organisationsteam um den Oberstübchen-Vorsitzenden Brian Lobo. „Besonders Mehrfachdiskriminierungen – etwa gegen queere Frauen oder Menschen of Color – verdeutlichen, wie eng sich Sexismus, Rassismus und Queerfeindlichkeit überschneiden und wie dringend intersektionale Ansätze gebraucht werden, um Barrieren und Gewalt abzubauen.“
„Gerade hier wäre eine deutliche Haltung besonders wichtig“
Bereits im Vorfeld der Veranstaltung sei der CSD Zwiesel in den sog. Sozialen Medien von einer Welle an Hetze und Angriffen betroffen, vor allem aus dem extrem rechten Spektrum, wie die Verantwortlichen weiter berichten. „Viele dieser Kommentare wurden gelöscht – doch die Reaktionen verdeutlichen, wie wichtig sichtbare Zeichen gerade in ländlichen Regionen sind.“ Gleichzeitig habe es von Beginn an viel Zustimmung, Respekt und Unterstützung aus der breiten Gesellschaft gegeben: „Menschen aller Altersgruppen, Vereine, Jugendinitiativen und zivilgesellschaftliche Organisationen haben ihre Solidarität bekundet und sich dem Aufruf angeschlossen.“
Vertreter der regionalen und überregionalen Politik waren am Sonntag nur wenige vertreten. Gesichtet wurden unter anderem die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger, der Grünen-Landtagsabgeordnete Toni Schuberl sowie Repräsentanten des LINKEN-Kreis-und-Ortsverbands Regen. „Leider ist es sehr bedauerlich, dass viele lokale, opportunistisch handelnde Politiker und Politikerinnen – insbesondere aus den etablierten Parteien – davor zurückschrecken, in der Öffentlichkeit eine klare Position zu beziehen, nur um keine Stimmen in der Wählerschaft zu verlieren. Gerade hier wäre jedoch eine deutliche Haltung besonders wichtig“, erklärte Brian Lobo – und fügte hinz: „Eigentlich ist das ein Armutszeugnis. Wie sollen sich Jugendliche oder andere Mitmenschen orientieren, wenn Politiker ein solches Verhalten an den Tag legen? Seit Jahren wird weggeschaut oder im schlimmsten Fall populistische Politik betrieben. Die Ergebnisse werden sich definitiv bei den nächsten Kommunalwahlen im Landkreis Regen im Mai 2026 zeigen.“
Die CSD-Parade begann mit wehenden Fahnen am Stadtplatz vor dem Zwieseler Rathaus und setzte sich von dort aus Richtung Barker Bucht/ Angerpark in Bewegung. Untermalt und gestaltet wurde die Kundgebung von verschiedenen Redebeiträgen (u.a. Herbert Lohmeyer von „Queer in Niederbayern„, Peter Sindl von „Sea Eye„, Verena Hartmann vom DGB und Anja König von der SPD AfA), Live-Musik, DJs, einer Drag-Show, Infoständen zu unterschiedlichen Themen sowie einem bunten Bühnenprogramm.
Junger Mann zeigt den Hitlergruß
Aus Sicht der Polizei, die am Sonntag zahlreich vertreten war, verlief die Versammlung „weitgehend geordnet und störungsfrei“. Trotzdem mussten die Beamten mehrfach einschreiten und Konfrontationen bereinigen. Zudem wurden u.a. Delikte wie der Konsum von Marihuana in unmittelbarer Nähe von Kindern festgestellt und geahndet.
Ein 24-jähriger Mann aus Zwiesel wurde angezeigt, weil er im Bereich der Angerstraße den Hitlergruß zeigte und „Heil Hitler“ schrie. Er muss sich in der Folge wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen verantworten. Eine 28-jährige Zwieselerin hatte über Motorhaube und Heck ihres Autos jeweils eine große Deutschland-Fahne gezogen und fuhr so durchs Stadtgebiet. Da dadurch unter anderem die Kennzeichen nicht lesbar waren, wurde die Frau angehalten und aufgefordert die Fahnen zu entfernen.
„Vielfalt und soziale Gerechtigkeit gehören untrennbar zusammen“
Mit einem Infostand und einem Redebeitrag beteiligte sich der jüngst gegründete Kreisverband Regen der LINKEN. Die Rede hielt Rebecca Holland vom Ortsverband Regen. Sie betonte: „Vielfalt und soziale Gerechtigkeit gehören untrennbar zusammen. Wir stehen an der Seite der queeren Community und wollen dazu beitragen, dass alle Menschen im Landkreis sicher, respektiert und gleichberechtigt leben können.“

Auch Mitglieder aus anderen Regionen – darunter Maximilian Spielbauer, Kreisvorsitzender Niederbayern-Mitte, sowie Vertreter der LINKEN aus Deggendorf, Cham, Weiden, Straubing und Regensburg – unterstützten die Aktion und zeigten damit überregionale Solidarität.
da Hog’n/ Fotos: Sabine Hamberger & Matthias Heymann






