Regen. Eigentlich wollte der 1882 in Tiefenbach geborene Nikolaus Hackl, der „Don Camillo von Regen“, als Metzger den väterlichen Betrieb übernehmen. Mutter, Tanten und Basen wünschten sich jedoch einen geistlichen Herrn in der Familie und brachten ihn dazu, Priester zu werden – obwohl er dann doch lieber Politiker und Journalist war. Die Soutane war ihm jedenfalls schon zu eng, als er 1905 zum Priester geweiht wurde. Ein Blick in die Historie von Hog’n-Gastautorin Annemarie Schiller, die sich auf die Lebenserinnerungen von Pfarrer Hackl beruft. Über das Leben eines streitbaren Pfarrers, der eigentlich lieber Politiker und Journalist war…

Nach mehreren Stationen als Geistlicher fiel er als Redner bei einer Wahlkampfveranstaltung auf und wurde strafversetzt. 1911 bis 1930 wirkte Hackl als Redakteur, später als Hauptschriftleiter bei der Passauer Donauzeitung. Er betreute die Abteilungen Außenpolitik und Niederbayerische Nachrichten. Zudem hat er bereits schriftstellerisch für die „Vereinigung der Staaten von Europa“ votiert. Er stand der Bayerischen Volkspartei nahe und war der Initiator zur Gründung der Christlich Sozialen Reichspartei. Als politischer Redner hielt er schon vor 1930 in Regen und Umgebung Versammlungen gegen den Nationalsozialismus ab.
1930 wurde Nikolaus Hackl zum Pfarrer in Regen berufen. Sein Vorgänger kündigte ihn mit den Worten an: „Er hat zwar keine Haare auf dem Kopf, dafür aber auf den Zähnen!“ Natürlich betätigte Hackl sich auch hier als Journalist und trat gleich ins Fettnäpfchen. Für einen kritischen Artikel im „Waldler“ musste er sich Gegenartikel mit der Überschrift „Pfarrer Hackl ist ein Lackl“ gefallen lassen.
Kein Hitlergruß beim Horst-Wessel-Lied

Er bemühte sich, Regen ein guter Pfarrer zu sein, aber er sagte selbst: „Ich bin mehr Politiker“. Er konnte es deshalb nicht lassen, auch von der Kanzel herunter Politik zu machen. Seine Predigten mit unterschwelligen Kritiken am neuen Regime und seine flammenden Reden bei Versammlungen der Bayerischen Volkspartei brachten ihm zehn Tage Gefängnis ein. Er geriet auch ins Visier der neuen Machthaber. Weil er die Hakenkreuzfahne am Pfarrhof nicht an der Straßenseite, sondern hinten zum Misthaufen aushängte. Und weil er beim Horst-Wessel-Lied die Hand nicht zum Hitlergruß erhob.
Bei einer Hausdurchsuchung im Pfarrhof wurde von der SA u.a. auch das von Hackl geführte geheime Tagebuch über die Machenschaften gewisser Regener im dritten Reich beschlagnahmt. Es ist nie wieder aufgetaucht.
1939 erhielt er den Titel Geistlicher Rat, der ihm aber wieder aberkannt wurde, nachdem dem Bischof Hackls religiöse Ansichten über evangelisch-katholische Geisteshaltung bekannt wurden. Die Resignation auf die Pfarrei folgte, Hackl zog sich zurück und begann, sein Leben aufzuschreiben.
Nach 1945, vor der 1. demokratischen Wahl, initiierte er mithilfe der Regener Frauen die Gründung der CSU, kümmerte sich um den Wiederaufbau in Regen und war der weitblickende Drahtzieher, der geistige Kopf der Gruppe von Regener Bürgern, die das mit Billigung der Militärregierung nach Zwiesel verlegte Landratsamt wieder nach Regen zurückholten. Der Kampf um das Amt brachte ihn als Mitglied der mutmaßlichen Geheimorganisation „U7“ zusammen mit sechs weiteren Bürgern vor das Amerikanische Militärgericht. Dass das Landratsamt nach Regen zurückverlegt wurde, hatte die Stadt hauptsächlich Nikolaus Hackl zu verdanken.
„Was hat mich dieses Regen schon alles gekostet!“
In den fünfziger Jahren verfasste Nikolaus Hackl viele wertvolle heimatgeschichtliche Arbeiten, u.a. über die Burg Weißenstein und die Schulgeschichte von Regen. Außerdem half er seinem Freund Gotthard Oswald bei der Erstellung einer Stadtchronik. 1955 bekam Nikolaus Hackl anlässlich seines 50-jährigen Priesterjubiläums für seine Bemühungen um die Kirchenerweiterung 1935/36 den Ehrenbrief der Stadt Regen verliehen. Seine hervorragenden politischen und heimatkundlichen Verdienste für die Stadt Regen hat man nie gebührend gewürdigt.
Wegen seines unerschrockenen und mutigen Handelns musste Pfarrer Nikolaus Hackl während seiner Zeit in Regen allerhand erdulden: Zitat: „Was hat mich dieses Regen schon alles gekostet!“ Bis zu seinem Tod 1962 hat er in seinem Haus in der Bodenmaiser Strasse gelebt. Er ist auch in Regen begraben.
Annemarie Schiller








