Bayerischer Wald. Das Klischee, dass im ländlichen Raum zwischen Donau und deutsch-tschechischer Grenze nur wenig geboten ist, dürfte inzwischen hinlänglich entkräftet sein. Und all denjenigen, die dieses Vorurteil dennoch weiter befeuern, sei die Internetseite „donauwald-weltweit.de“ ans Herz gelegt. Dort nämlich hat Herbert Wolf aus Mariaposching (Landkreis Straubing-Bogen) das erstaunliche Ergebnis seiner Streiftouren durch Ostbayern zusammengestellt. Der 50-Jährige spricht darüber im folgenden Hog’n-Interview.

Herbert, erkläre bitte zunächst einmal den Hog’n-Lesern, was auf der Internetseite „donauwald-weltweit.de“ zu finden ist…
Auf meiner Homepage möchte ich zeigen, was wir alle vor der Haustüre haben: Verwunschene Burgruinen gibt es eben nicht nur in Schottland, wilde Bergflüsse nicht nur in Kanada. Vieles davon kann man bei uns in Ostbayern erkunden – und so kann jeder seine eigene Weltreise an nur einem Tag machen.
Du darfst in der Werbetrommel rühren für die Donauwald-Region, also für das Gebiet von der Donau bis zur deutsch-tschechischen Grenze: Ist in diesen Breitengraden tatsächlich so wenig los, wie uns immer nachgesagt wird?
Bei uns ist definitiv unendlich viel los. Da ist für jeden was dabei. Denn wer es lieber entspannter haben will, wandert oder radelt im Flachen an der Donau. Und nur ein paar Kilometer weiter kann man sich auf tollen Bergetappen austoben. Es gibt so viel wilde Natur, kleine, wunderschöne Orte und Städte wie z.B. Passau oder Straubing – viele sind teils über 1.000 Jahre alt! Zudem gibt es alte Burgen bzw. Burgruinen. Und auch an anderen Attraktionen mangelt es eindeutig nicht, wenn ich da etwa an den verwunschenen Nepal-Himalaya-Park oder die informativen Freiluftmuseen denke.
„Vielen ist gar nicht bewusst, in welch toller Umgebung sie leben“

Noch nicht genug? An fast jedem Wochenende findet irgendwo ein Fest statt – schon mal auf dem Flughafenfest in Arnbruck gewesen? Tolle Flugshows gibt’s dort zu sehen – und mitfliegen kann man auch. Oder die vielen historischen Mittelalterfeste auf den Burgruinen. Ich höre nun mit der Aufzählung besser auf, denn es könnte ewig so weitergehen…
Wie bist Du auf die Idee gekommen, eine derartige Übersicht an regionalen Sehenswürdigkeiten aller Art zu erstellen?
Meine ursprüngliche Idee war es, dass ich alle Gipfel über 1.000 Meter Höhe im Bayerischen Wald und im Böhmerwald erwandere. Anfangs dachte ich: Das sind nicht so viele. Inzwischen habe ich 120 geschafft. Bei diesen Ausflügen habe ich dann entdeckt, dass es bei uns in der Region eben viel, viel mehr gibt als nur wunderschöne Natur. Und so habe ich meine Touren auf andere Ziele erweitert.
In Gesprächen mit den Menschen in meinem Umfeld habe ich gemerkt, dass vielen gar nicht bewusst ist, in welch toller Umgebung sie leben und was es vor der Haustür alles zu entdecken gibt. Dinge, die viele eben nur mit weiten Reisen verbinden. Darum habe ich angefangen, die Homepage zu gestalten.
Wie schafft man es als Burg, Klamm, See oder auch Tier, in Deine Sammlung aufgenommen zu werden?
Dafür gibt es eigentlich keine speziellen Kriterien. Die von mir vorgestellten Orte sind nur ein kleiner Ausschnitt. Sie sollen die Menschen nur dazu inspirieren, auf Entdeckungsreise zu gehen. Jeder hat ja andere Interessen bzw. andere Vorlieben. Manche mögen die Stille, andere das pulsierende Leben. Ich habe bei meinen Touren gesehen: Wenn man einmal damit anfängt, öffnen sich viele Türen zu neuen interessanten Orten…
Nicht das schönste Instagram-Foto ist das Ziel
„donauwald-weltweit.de“ ist gerade aus touristischer Sicht sehr wertvoll. Du betreibst die Internetseite jedoch rein ehrenamtlich, also unentgeltlich. Gibt es Gedankengänge, deine Erfahrungen auch zu Geld zu machen?
Nein, dazu habe ich mir bisher keine Gedanken gemacht. Weil ich das Ganze hobbymäßig mache, habe ich keinen Druck. Dadurch gehe ich viel entspannter an die Touren heran. Und ich denke, das ist auch wichtig in unserer von Social Media getriebenen Welt. Ich will den Menschen, wenn möglich, ein bisschen aufzeigen, dass die Orte, die sie bei uns entdecken können, eben nicht immer völlig spektakulär im herkömmlichen Sinne sein müssen. Sondern dass sie in der Auffassung jedes einzelnen inspirierend, schön und entspannend zugleich sein können. Man soll nicht davon getrieben sein, unbedingt das schönste Instagram-Foto zu posten.
Bilder, die für sich sprechen
In welchem zeitlichen Umfang bist Du für Deine Homepage aktiv?
Leider noch viel zu wenig, da ich auch noch andere Projekte – etwa Wanderberichte und Bildervorträge – habe. Aber ich möchte jetzt im Herbst wieder vermehrt an der Homepage arbeiten und neue Ziele vorstellen. Regelmäßiger veröffentliche ich Bilder zu Wandertouren oder ähnlichem auf meiner Facebook-Seite „Donauwald-Weltweit„ bzw. auf meiner Instagram-Seite „donauwaldweltweit„.
Abschließend der obligatorische Blick in die Zukunft: Wohin geht die Reise – wort- und sprichwörtlich?
Bei uns in der Region werde ich in Vorbereitung auf einen Bericht das Dreiländereck Deutschland-Österreich-Tschechien von Waldkirchen über den Moldaustausse bis nach Hochficht einmal genauer unter die Lupe nehmen. Außerhalb der Heimat werde ich die Grenzgebirge zwischen dem Norden Tschechiens bzw. der Slowakei und Südpolen weiter erwandern.
Vielen Dank für das Gespräch – und viele schöne weitere Entdeckungstouren!
Interview: Helmut Weigerstorfer








