Regen. Unter der Überschrift „Über den Geschmack“ schrieb die Bayerische Waldzeitung Zwiesel am 2. August 1951: „Wer das Pichelsteinerfest in Regen besuchte, hatte im Bayerischen Wald erstmals (und hoffentlich auch zum letzten Mal) Gelegenheit, eine attraktive Damen-Ringschau zu bewundern.“ Ausführlich wurde berichtet über eine Festattraktion, in der teils charmant lächelnde, teils grimmig blickende Amazonen – angeblich sportliche Landesmeisterinnen aus Holland, Litauen, Bayern usw. – mit entsprechendem Klamauk angepriesen wurden. Ein Blick in die Vergangenheit von Hog’n-Gastautorin Annemarie Schiller.

Allein durch die geschmacklose und primitive Anpreisung des Ansagers mit zweideutigen, zuweilen zottigen Bemerkungen wurde angeblich der größte Teil der Festwiesenbesucher schon abgestoßen. Kaum 20 Minuten minderwertige Darbietung kostete den hohen Eintrittspreis von 1 Mark. Die Zwieseler Presse forderte den zuständigen Festausschuss auf, solchen Geschmacklosigkeiten bei zukünftigen Festen keinerlei Platz mehr zu gewähren.
Das gute Geld dem Schlechten nachwerfen?
Die Pichelsteiner schämten sich und antworteten mit einem Leserbrief. Die Schaustellerfirma habe laut Vertrag „eine Zugspitzbahn und eine Varieteschau mit artistischem Programm, Zauberei, Tanz, Humor, Illusion versprochen“. Von Damen-Ringkämpfen sei nichts erwähnt worden. Man hätte die Schau nicht so einfach verbieten können. Es gäbe einen Vertrag – und mit fahrendem Volk einen Prozess zu führen, hieße, das gute Geld dem Schlechten nachzuwerfen.
Der äußerst flaue Besuch der Schau gab dem Schausteller die gebührende Antwort – und das Pichelsteiner-Komitee versprach, so einen Unternehmer nicht mehr zuzulassen…
Annemarie Schiller
