Werbung

 

Zwiesel. Die Gewalttat von Zwiesel, die derzeit die Bewohner der Glasstadt sowie des gesamten Bayerischen Waldes beschäftigt, sorgt auch weiterhin für Schlagzeilen. Wie jetzt bekannt wurde, waren die Opfer des mutmaßlichen Dreifachmordes bereits seit mehreren Wochen nicht mehr am Leben. Die Staatsanwaltschaft Deggendorf und das Polizeipräsidium Niederbayern erläutern in einer gemeinsamen Pressemitteilung die bis dato bekannten Umstände sowie den zeitlichen Rahmen jener grausamen Tat(en).

„Ich kann alle Bürger beruhigen: Es bestand und besteht keine Gefahr für die Allgemeinheit“, teilte Zwiesels Bürgermeister Karl-Heinz Eppinger am vergangenen Dienstag unmittelbar nach Bekanntwerden der Tat auf Hog’n-Nachfrage mit. Foto: Hog’n-Archiv/Döhler
Werbung

Wie berichtet, haben am Montagabend Einsatzkräfte in einem Mehrfamilienhaus im Alten Lindberger Weg in Zwiesel, dem stadtbekannten „Problemhaus“, drei Personen gefunden, die augenscheinlich gewaltsam zu Tode gekommen sind. In diesem Zusammenhang konnte in der Folge ein 37-jähriger Tatverdächtiger in Österreich festgenommen werden.

Werbung

Der 37-jährige Slowake fiel Passanten bereits am Sonntag gegen 22 Uhr am Hauptbahnhof in Linz auf, da er neben einem Polizeifahrzeug am Boden lag – offensichtlich alkoholisiert und desorientiert. Im Rahmen des folgenden Polizeieinsatzes gab er an, in besagtem Zwieseler Mehrfamilienhaus mehrere Personen getötet zu haben. „Weitere Angaben machte er zunächst nicht“, wie in der Pressemitteilung zu lesen ist.

Leichenteile am südöstlichen Stadtrand gesichert

Bei einer unmittelbar veranlassten Vor-Ort-Überprüfung durch Beamte der Polizeiinspektion Zwiesel bestätigten sich die Angaben des 37-Jährigen zunächst nicht. „Es wurden unter anderem alle anwesenden Bewohner befragt sowie alle zugänglichen Räumlichkeiten des stark vermüllten Anwesens eingesehen. Der Slowake wurde nach Untersuchung durch einen Amtsarzt von den österreichischen Polizeibehörden in eine Fachklinik eingewiesen“, heißt es in der Medienmitteilung weiter.

Leichenteile eines der Opfer wurden an einem Fahrradweg von Zwiesel nach Frauenau gefunden. Symbolfoto: pixabay

Am Montagnachmittag gegen 17 Uhr wurde bei der Polizei Zwiesel eine 22-Jährige als vermisst gemeldet. Sie solle sich aktuell bei ihrem Lebensgefährten im „Problemhaus“ aufhalten. Bei der gewaltsamen Öffnung der Wohnung konnte dort der 56-jährige Mann tot aufgefunden werden. Das Mehrfamilienhaus wurde daraufhin geräumt und polizeilich gesperrt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizeistation Deggendorf nahmen in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft daraufhin ihren Lauf. Ein Fachkommissariat übernahm mit Unterstützung der Rechtsmedizin aus München die weitere Durchsuchung des „Problemhauses“, insbesondere die Sicherung von Spuren.

Dabei konnten schließlich zwei weitere tote Personen, die im Haus versteckt worden waren, aufgefunden werden – eine davon mit abgetrennten Körperteilen. Am Dienstagabend konnten dann sämtliche fehlende Leichenteile am südöstlichen Stadtrand von Zwiesel, abgelegt in einem Gebüsch, gesichert werden. Bei den weiteren aufgefundenen Toten handelte es sich um die gesuchte 22-Jährige und eine weitere 26-jährige Bewohnerin des Hauses.

Am 10. Juli wurde die 26-Jährige bei der Polizeiinspektion Landau bereits als vermisst gemeldet. Daraufhin sind polizeiliche Maßnahmen getroffen worden. „Es konnten zum damaligen Zeitpunkt jedoch keine Anhaltspunkte festgestellt werden, um weitreichende Fahndungsmaßnahmen einzuleiten“, heißt es in der Pressemitteilung dazu weiter.

Die beiden anderen Opfer wurden wohl Mitte Juli getötet

Mit einer rechtsmedizinischen Untersuchung der Leichen wurde bereits am vergangenen Dienstag begonnen. Ersten Ergebnissen nach weisen die Opfer „unter anderem Schnittverletzungen sowie Verletzungen von stumpfer Gewalteinwirkung auf“. Zudem gehen die Ermittler davon aus, dass sich die Tat gegenüber der 26-Jährigen bereits Ende Juni ereignet hat. Die beiden anderen Opfer wurden wohl Mitte Juli getötet. Alle drei seien in Räumen des Mehrfamilienhauses zu Tode gekommen.

Der 37-jährige Slowake steht nun im dringenden Tatverdacht, als Alleintäter seine drei Mitbewohner umgebracht zu haben. Er befindet sich nach wie vor in Österreich in einer Justizanstalt. Bei der dortigen Vernehmung räumte er die Tötung der drei Personen ein und offenbarte dabei auch potenzielles Täterwissen, das durch nachfolgende Ermittlungen bestätigt werden konnte.

Der Beschuldigte war in der Vergangenheit bereits mehrmals strafrechtlich in Erscheinung getreten, unter anderem im Zusammenhang mit Betäubungsmittel- und Körperverletzungsdelikten – nicht aber mit schwerwiegenderen Gewaltdelikten, wie Polizei und Staatsanwaltschaft weiter informieren.

Zeitpunkt der Auslieferung noch unklar

Bereits am Dienstag wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Deggendorf ein europäischer Haftbefehl erlassen. Die Überstellung des Beschuldigten nach Deutschland wurde beantragt, wobei die Staatsanwaltschaft in engem Austausch mit den österreichischen Justizbehörden steht. Ein genauer Zeitpunkt der Auslieferung steht noch jedoch nicht fest.

Gegenüber einer weiteren Person, die vorläufig festgenommen worden war, konnte sich ein Anfangsverdacht nicht weiter erhärten. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei laufen weiter auf Hochtouren.

da Hog’n

 


Dir hat dieser Artikel gefallen und du möchtest gerne Deine Wertschätzung für unsere journalistische Arbeit in Form einer kleinen Spende ausdrücken? Du möchtest generell unser journalistisches Schaffen sowie die journalistische Unabhängigkeit und Vielfalt unterstützen? Dann dürft ihr das gerne hier machen (einfach auf den Paypal-Button klicken).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert