Bedrohlich und furchteinflößend sind sie allemal: die Bilder, die die Menschen in allzu heißen Sommern beinahe ständig bedrängen. Zerstörerische Waldbrände – infolge eines nicht mehr zu verleugnenden Klimawandels – vernichten in nahezu allen Teilen dieser Erde weite Landstriche, Häuser und ganze Siedlungen. Gegen die ungezügelte Gewalt des Feuers scheint der Mensch weitestgehend machtlos zu sein. Das ist zweifellos beängstigend und lässt das Feuer zu einem gefährlichen Feind des Menschen werden. Andrerseits ist Feuer wiederum das Element, dem die Menschheit weitestgehend ihr Werden verdankt. Ohne Feuer kein Leben?

In der Geschichte der Menschheit stellt die Beherrschung des Feuers einen der bedeutsamsten Meilensteine dar. Dabei ergab sich der entscheidende Wendepunkt mit Sicherheit als es gelang, Feuer zu entzünden, wann immer man es wollte. Unsere Vorfahren konnten erst in bis dahin klimatisch lebensfeindliche Gebiete vordringen, als sie es zu bewahren, zu behüten und als Licht- und Wärmespender zu nutzen verstanden. Deshalb steht die Bändigung und Beherrschung des Feuers unter anderem auch mit der Geschichte des Kochens in enger Verbindung.
Steinzeitliche Funde, wie sie auch in unserer unmittelbaren Umgebung entlang des Goldenen Steiges vermehrt aus dem Dunkel der Geschichte auftauchen, deuten darauf hin, dass sich die Leute in der Steinzeit darauf verstanden, die Kraft des Feuers zum Zubereiten von Speisen zu nutzen. Das Kochen gehört somit zu den ältesten und wichtigsten Kulturtechniken der Menschheit.
Kochen hat die menschliche Anatomie verändert
Außerdem hatte das Kochen einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Menschheit – das wird gerne vergessen. Kluge Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese Erfindung unter anderem über die Jahrhunderttausende hinweg eine Veränderung der Anatomie in Gang setzte. Weil das Fleisch, aber auch pflanzliche Nahrungsmittel durch das Weichkochen ihre Härte und Zähheit verloren, veränderte sich der menschliche Kiefer im Laufe der Zeit. Er wurde allmählich kleiner. In der Folge veränderte sich der gesamte Rachenraum, sodass sich die Zunge und die Stimmbänder besser entwickeln konnten. Und das wiederum beeinflusste die Lautbildung und damit die Ausbildung der Sprache positiv.

Das Kochen ist ebenso ursächlich für eine massive Erweiterung des Nahrungsangebots. Vieles konnte nach dem Garen verzehrt werden, was bislang ungenießbar war. Wurzeln, Gräser, Blätter, ja sogar im rohen Zustand giftige Pilze und Beeren, konnten jetzt nach dem Kochen ohne Probleme verspeist werden. Heute weiß man natürlich, dass sich die sterilisierende Wirkung durch das Erhitzen auf die Gesundheit unserer Ahnen positiv ausgewirkt haben muss. Praktisch war auch, dass sich Gekochtes länger aufbewahren ließ. Die sichtbaren Veränderungen, die sich allenthalben beim Kochen feststellen ließen, wussten unsere Vorfahren mit Sicherheit zu nutzen. Knochen, Haut und Sehnen gelieren, Fett wird flüssig, Eiweiß gerinnt.
Mit Sicherheit wird die älteste Form des Kochens das Grillen gewesen sein – also das Bewegen eines Fleischstückes über einer Flamme. Somit ist das heutzutage gerade an den warmen Sommer- und Herbstabenden so beliebte Grillen eine uralte Form der Beherrschung des Elementes Feuer. Das haben wir in unseren Genen. Wir können nicht anders: Wir müssen grillen! Zurück zu den Wurzeln! Nur das mit dem Rachen, der Zunge, den Stimmbändern usw. ist schon erledigt, das haben wir schon alles. Mahlzeit!
Rupert Berndl








