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Bodenmais/ Wollaberg. Sich bereits im jungen Alter für den richtigen Beruf zu entscheiden, ist wohl nur ganz wenigen vergönnt. Zu viele Möglichkeiten stehen den Schulabsolventen von heute zur Auswahl. Außerdem will sich so mancher Berufsneuling ohnehin erst einmal ausprobieren und seine Fühler ausstrecken, Erfahrungen sammeln und in die Arbeitswelt hineinschnuppern, bevor er sich längerfristig festlegt. Zwei Auszubildende, die sich schon recht sicher sind, wohin sie ihr „berufliches Ei“ legen wollen, sind Maxi und Clara.

Maximilian Hutterer und Clara Wagner haben in der Forst- bzw. Landwirtschaft ihre Traumberufe gefunden. Fotos: privat/Katharina Wagner
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Im Sommer endet für viele Jugendlichen ihre Schulzeit – und mit der Ausbildung beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Die Jugendlichen haben die Auswahl zwischen mehr als 300 dualen Ausbildungsberufen, darunter auch 14 sogenannte „Grüne Berufe“. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen hat bei zwei Azubis nachgefragt, wie es ihnen mit dem gewählten Lehrberuf „Forstwirt“ und „Landwirt“ bisher ergangen ist.

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Maximilian Hutterer aus Steinbühl bei Bad Kötzting ist 19 Jahre alt und hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Forstwirt bei den Bayerischen Staatsforsten am Forstbetrieb in Bodenmais begonnen. Er befindet sich aktuell im ersten Lehrjahr. Die 19- jährige Clara Wagner macht eine Lehre zur Landwirtin auf dem landwirtschaftlichen Ausbildungsbetrieb mit Milchvieh von Andreas Fesl in Klafferstraß. Sie stammt aus Wollaberg bei Jandelsbrunn und absolviert gerade das dritte Ausbildungsjahr.

„Den größten Teil der Arbeit bestimmt die Holzernte“

Warum hast Du Dich für deinen Beruf entschieden?

Maximilian: Von allen Praktika hat mir ein forstliches Praktikum am besten gefallen. Ich mache gern etwas mit den Händen, bin immer gern draußen in der freien Natur. Es ist eine sinnvolle Aufgabe, dass ich den Wald mit meiner Arbeit fit für die Zukunft machen kann. Mein Vater ist übrigens ebenfalls Forstwirtschaftsmeister.

„Das Holzmachen macht mir Spaß und es ist ein gutes Gefühl, wenn ich abends sehe, was ich den ganzen Tag über geschafft habe.“

Clara: Wir haben zwar keinen landwirtschaftlichen Betrieb mehr, aber als Kind war ich schon immer gern im Stall meines Onkels mit dabei. Der Umgang mit den Kühen und allen Tieren am Hof begeistert mich. Ich bin gern draußen in der Natur. Aber am liebsten im Stall.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Maximilian: Im Frühjahr und vor allem im Herbst pflanzen wir junge Tannen, Buchen, Douglasien, Fichten usw. Den größten Teil der Arbeit bestimmt die Holzernte. Zudem müssen bestehende Jung- und Altbestände gepflegt werden und es werden im Sommer kleinere Zimmermannsarbeiten wie das Reparieren von Dächern oder Schreinern von Bänken durchgeführt. Im Winter stehen auch Arbeiten in der Werkstatt und das Warten von Maschinen auf dem Tagesplan.

Clara: Mein Tag beginnt für mich täglich um 5 Uhr früh, da kümmere ich mich zuerst auf dem Hof meines Onkels um die Kälber. Um halb sieben geht es weiter mit der Stallarbeit im Ausbildungsbetrieb: Melkroboter reinigen, Daten auswerten oder Ställe ausmisten. Anschließend stehen immer verschiedene Arbeiten – je nach Jahreszeit – im Stall oder auf dem Feld an. Nach der abendlichen Stallarbeit überprüfe ich noch, ob es den Jungtieren auf der Weide gut geht.

„Ich bin mit Leib und Seele dabei“

Was gefällt Dir besonders an Deiner Arbeit?

Wenn es den Kühen gut geht, geht es ihr auch gut: Landwirtin- Azubi Clara Wagner.

Maximilian: Alle Arbeiten im Wald gefallen mit gut. Das Holzmachen macht mir Spaß und es ist ein gutes Gefühl, wenn ich abends sehe, was ich den ganzen Tag über geschafft habe. Das Schönste für mich ist, dass ich mit meiner Arbeit etwas für die Zukunft unseres Waldes tun kann, indem wir ihn zu einem klimastabilen Mischwald umbauen.

Clara: Es macht mir große Freude, wenn ich morgens in den Stall gehe und sehe, dass es den Tieren gut geht. Die Vielfalt der Aufgaben und die Arbeit im Freien machen jeden Tag einzigartig. Für mich ist es nicht nur ein Beruf, sondern meine Leidenschaft. Ich bin mit Leib und Seele dabei.

Welche Herausforderungen bringt Dein Beruf mit sich?

Maximilian: Das Holzmachen ist kein Zuckerschlecken und körperlich sehr anstrengend. Nach dem ersten Mal Holzhauen hatte ich einen solchen Muskelkater, da konnte ich abends kein Glas mehr heben. Aber das ist reine Gewöhnungssache. Und als Fußballspieler bin ich daran gewöhnt, mich durchzubeißen.

Clara: Es gibt Tage, da läuft nichts nach Plan. Wenn zum Beispiel eine Kuh krank wird, mitten in der Nacht ein Kalb zur Welt kommt, das Wetter alles durcheinanderwirbelt oder alles auf einmal zusammenkommt. Wenn’s fuchst, dann fuchst’s. Manchmal haben die Leute auch wenig Verständnis dafür, was hinter unserer Arbeit steckt. Wir tragen viel Verantwortung.

„War überglücklich, dass der Baum richtig gefallen ist“

Wie stellst Du Dir Deine berufliche Zukunft vor?

Forstwirt- Azubi Maximilian Hutterer mit seinem wichtigsten Arbeitswerkzeug, der Kettensäge.

Maximilian: Ich möchte gerne am Forstbetrieb Bodenmais bleiben, weil hier ein prima Arbeitsklima herrscht und ein guter Zusammenhalt unter den Kollegen besteht. Mein nächstes berufliches Ziel ist die Weiterbildung zum Forstwirtschaftsmeister.

Clara: Nach meiner Ausbildung möchte ich noch die Winterschule in Passau besuchen und den Agrarbetriebswirt und/oder den Meister machen. Mein größter Wunsch wäre, einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen. Aber bis dahin ist noch viel Zeit. Alles kommt, wie es kommen soll.

Gibt es ein schönes Erlebnis in Zusammenhang mit Deinem Beruf?

Maximilian: Es wird mir immer in Erinnerung bleiben, wie ich meinen ersten Baum umgeschnitten habe. Die Fichte hatte unten am Fuß einen Durchmesser von 60 Zentimeter. Ich war überglücklich, dass der Baum richtig gefallen ist und alles reibungslos funktioniert hat.

Clara: Durch meine Ausbildung habe ich neue Freunde in der Berufsschule in Passau gefunden. Zu meinem 18. Geburtstag haben mir meine Freunde aus Wollaberg und meine Klassenfreunde ein Braunvieh- Kalb geschenkt, das ich mir schon immer gewünscht habe – mit einem Blumenkranzerl um den Hals. Das hat mich total gefreut…

da Hog’n


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