
Bernried. Es ist ein etwas verwunderlicher, aber aus tiefster Überzeugung vollzogener Schritt: Kai Walz hat ganz bewusst seinen „guten“ Job als Ingenieur aufgegeben. Der 46-Jährige macht nun sein Hobby zum Beruf: Er verwirklicht sich seinen großen Traum, indem er eine Bäckerei gründet. Unter dem Namen „Die Teigmeisterei„ plant er, ab Januar Backwaren in Bernried (Landkreis Deggendorf) zu produzieren. Dabei setzt er mit Nachdruck auf Qualität und Handwerk.
Am Bäcker-Beruf fasziniert Kai Walz von Kindesbeinen an die Einfachheit der Zutaten. Basis aller Lebensmittel sind einzig Wasser, Mehl und Salz. „Durch unterschiedliche Bearbeitungsschritte, einem veränderten Verhältnis von Wasser und Mehl oder einem anderen Reife- und Backprozess entstehen völlig verschiedene Produkte“, zeigt sich der Bernrieder im Hog’n-Gespräch angetan. „Ein rustikales Roggenbrot unterscheidet sich in der Herstellung und Geschmack gänzlich von einem lockeren, offenporigen Baguette. Aber beides kann ich aus Wasser, Mehl und Salz herstellen.“
Gegen den Trend, billige Massenware zu produzieren
Die Teigmeisterei will eine kleine Palette hochwertiger Backwaren anbieten, die in einem schweren Holzbackofen hergestellt werden. „Ich möchte die Tradition des Handwerks pflegen und meinen Kunden ein unverwechselbares Geschmackserlebnis bieten, das ganz ohne Fertigbackmischungen oder künstliche Zusätze auskommt“, führt der 46-Jährige weiter aus. Entsprechende Rückmeldungen aus seinem Umfeld bestätigen ihn in der Annahme, dass sich seine Idee „rentiert“, weil er gegen den Trend handelt und eben gerade nicht auf billig produzierte Massenware setzt.
Zwei größere Hürden galt es für den Ingenieur zunächst noch zu überspringen, um die Teigmeisterei aus der Taufe heben zu können. Da sich nur ein Bäckermeister selbstständig machen darf, musste sich Kai Walz um eine Ausnahmegenehmigung bemühen. Das Hintertürchen fand er letztlich im Paragraph 8 der Handwerksordnung, wonach ein Master-Studium sowie Berufserfahrung das Führen eines Betriebes auch ohne den höchsten Berufsabschluss im Handwerk möglich machen. „Separat musste ich durch einen Fachkundenachweis die entsprechenden praktischen und theoretischen Fähigkeiten nachweisen“, erklärt er.
„Ein guter Bäcker vor Ort ist ein Stück echte Lebensqualität“
Die zweite größere Herausforderung war (und ist) die Finanzierung. Die KfW-Bank sowie das Amt für ländliche Entwicklung sind bereits mit im Boot. Kai Walz ist aber an weiteren Beteiligungen interessiert – und auch darauf angewiesen. Derzeit befindet sich die „Backstube“ noch in der privaten Küche und im Wohnzimmer. Bis Januar soll sich das ändern. Deshalb lädt der 46-Jährige am 28. Juni in die Teigmeisterei (Peter-Gallus-Weg 3, 94505 Bernried) ein, um über entsprechende Möglichkeiten zu informieren. Ab 500 Euro kann man in die Bäckerei investieren. Zinsen gibt es in Form von Backwaren – quasi zum Anbeißen.
Ein Blick in die Angebotspalette der Teigmeisterei
Petra Wähning, die sich mit dieser Art von Investitionsprojekten beschäftigt, steht dem Gründer zur Seite. Sie ist es auch, die im Rahmen einer Pressemitteilung auf das Vorhaben von Walz hinweist. In dieser Meldung lässt sich die Geschäftsführerin von „Genussinvest“ wie folgt zitieren: „Menschen suchen danach, sinnvoll in gute Projekte vor ihrer Haustür zu investieren. Das ist so viel mehr als nur eine finanzielle Beteiligung – es ist eine sinnvolle Investition in sichere Lebensmittelstrukturen, ehrliches Handwerk und Unternehmensgründungen im ländlichen Raum. Ein guter Bäcker im Ort ist für viele ein Stück echte Lebensqualität.“
Kai Walz hätte es freilich einfacher haben können, wenn er Ingenieur geblieben wäre. Dann jedoch hätte er sich nicht so verwirklichen können, wie dieser es sich gewünscht hat. Der Schritt, Bäcker zu werden, ist deshalb nur auf den ersten Blick verwunderlich…
Helmut Weigerstorfer








