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Finsterau. Viele blaue Frösche in einem Tümpel – dieses Szenario soll ein Naturfreund in den 1990er Jahren im Finsterauer Filz vorgefunden haben. Blaue Frösche sprechen für den Moorfrosch. Die Art war bisher im Nationalpark und seiner Umgebung allerdings nicht nachgewiesen. War dieser Fund also eine Sensation oder eine Verwechslung mit bläulichen Grasfröschen, die auch immer wieder mal beobachtet werden können? Um diesem „Cold Case“ kriminalistisch nachzugehen, hat die Nationalparkverwaltung 2025 ein kleines Forschungsprojekt ins Leben gerufen – und ein überraschendes Ergebnis erhalten…

Der Moorfrosch ist der „Lurch des Jahres 2025“. In Brandenburg ist diese Art noch weiter verbreitet. Foto: Renate Ettl

„Der Moorfrosch ist eine vom Aussterben bedrohte Art und verschwindet in Bayern zunehmend“, sagt Nationalparkleiterin Ursula Schuster. Nachdem sie von der Geschichte aus den 90er Jahren gehört hatte, war es ihr ein Anliegen, zu sehen, ob es nicht doch Spuren dieser gefährdeten Art im Schutzgebiet gibt. „Der Moorfrosch ist der Lurch des Jahres 2025 – daher hat es sich angeboten, ein kleines Monitoring und eine Bestandsanalyse der Froscharten bei uns im Nationalpark durchzuführen.“

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Bei dem Projekt wurden zum einen Abstriche von Fröschen selbst und vom Froschlaich genommen, zum anderen Wasserproben gesammelt und im Labor die darin enthaltene DNA analysiert. „Wir wollten sicherstellen, dass es eine verlässliche und sichere Form ist, um die Arten zu analysieren“, erklärt Prof. Jörg Müller, Leiter des Sachgebietes Naturschutz und Forschung.

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„Cold Case“ muss weiter verfolgt werden

Daher wurden auch Proben an bekannten Moorfroschgewässern in Bayern und Brandenburg gewonnen. „Die Ergebnisse aus den bekannten Gewässern haben gezeigt, dass das Umwelt-DNA-Monitoring sehr sicher in der Bestimmung aller drei Braunfroscharten – also Gras-, Moor- und Springfrosch – ist und das, ohne dass ich sie selbst sehen oder fangen muss.“ Da es seit Jahren keinen Hinweis auf den Moorfrosch im Nationalpark gab, war sich Jörg Müller aber sicher, dort keine Nachweise zu finden. „Hier war eher mit einer heimlichen Einwanderung des Springfroschs zu rechnen.“

Die Gewässerprobe, die Nationalparkmitarbeiter Martin Pauli im südöstlichen Bereich des Schutzgebietes entnommen hat, enthielt die DNA eines Moorfrosches. Foto: Annette Nigl/ Nationalpark Bayerischer Wald

Also schwärmten mehrere Nationalparkmitarbeiter, ausgestattet mit Röhrchen für Wasserproben sowie Abstrichstäbchen, aus. Das Ergebnis war wie erwartet: überall Grasfrosch, noch kein Springfrosch. Einer der Mitarbeiter im Wald- und Flächenmanagement ist Martin Pauli. Er entnahm im Bereich zwischen Mauth und Finsterau aus einem kleinen, unscheinbaren Tümpel eine Gewässerprobe – und diese enthielt neben Grasfrosch letztendlich das, womit keiner gerechnet hat: die DNA vom Moorfrosch.

„Für uns war das eine absolute Überraschung“, kommentiert Müller. Er ließ das Labor die Probe überprüfen, um Fehler auszuschließen. Aber das Ergebnis blieb dasselbe: „Erstaunlich ist, dass der jetzige Fundort nicht weit vom vermeintlichen Fundort in den 90er Jahren entfernt ist.“ Damit muss der „Cold Case Moorfrosch“ im Nationalpark weiterverfolgt werden. Im Frühjahr 2026 sollen daher im südöstlichen Nationalparkgebiet verstärkt Gewässer beprobt werden. „Für uns steht fest: Die Akte Moorfrosch kann noch nicht geschlossen werden. Fortsetzung folgt…“

da Hog’n


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