Schönberg. Gekonnt manövrierte sich das Team MAK als heimlicher Favorit durch den Parcours und legte beim Training die Messlatte hoch. Rückwärts durch den wackeligen Hütchenslalom: Das trennte die Spreu vom Weizen der Meisterschaft in Orange. Nach dem Rennsonntag hatte aber die Straßenmeisterei Vilshofen des Staatlichen Bauamts Passau die Nase vorne und holte sich den Titel des Bayerischen Schneepflugmeisters 2025 im Markt Schönberg.

Da könnte man auch den Kopf schütteln: Schneepflugmeisterschaft im Frühling, bei Sonne und ohne Schnee? Geht ja gar nicht!? Geht wohl. Die Herausforderung der Rennstrecke ist orientiert an dem, was sonst am Morgen und bei Flockenrieseln oft ganz unbemerkt geschieht, bevor die Autos aus den Garagen rollen. Eng geht es her. Es müssen schwere Lasten zielgenau verfrachtet werden. Es geht um den schadensfreien Slalom um Straßenrandparker und es geht um Zeit.
Eine echt fordernde Aufgabe
Roland Sommer stellt schon seit Jahren die geeigneten Prüfungen zusammen. Erst für nordbayerische Meisterschaften, dann für den ganzen Freistaat für die Deutsche Meisterschaft und als Schiri auf Europaebene. Er erklärt im Rahmen einer Pressemitteilung, dass es darum geht, über die realistischen Bedingungen hinaus das Verständnis zu verbessern, dass das eine echt fordernde Aufgabe ist, bevor über eine Flocke zu viel losgemeckert wird. Und es geht um die Nachwuchsgewinnung für eine ständig fordernde und spannende Tätigkeit im Dienste der Sicherheit.
Der Wettbewerb – nicht nur im übertragenen Sinne eine enge Kiste
Geklappt hat das vor zwei Jahren bei den Icebreakers von der Straßenmeisterei Bayreuth des Staatlichen Bauamts Bayreuth. Larina Zimmermann und Katharina Stake sind als junge Auszubildende zu Straßenwärterinnen in Marktredwitz auf den Wettbewerb gestoßen und wussten sofort: Das wollen wir auch machen. Draußen und zupacken statt Büro oder Fabrikhalle, das ist genau ihr Ding. Bei schweren Gewichten hilft die Technik und „On The Road“ ist Abenteuer für jeden Tag.

Ob man da viele blöde Kommentare einstecken muss, bevor man Respekt erntet? „Nein“, werden die beiden in der Medieninformation zitiert. „Wir wurden echt kollegial aufgenommen und wenn es mal einen frechen Kommentar gibt, muss eben klares Kontra gegeben werden.“ Lustigerweise dürfen sie als Azubis noch nicht selbst kommunale Fahrzeuge lenken. Aber auf dem Sportgelände ist für abgesperrte Sicherheit gesorgt.
Ob es ihnen gelingen kann, mit Feingefühl und Übersicht zu punkten, wo die Männer eher auf Gewalt und Tempo setzen? Sie sind realistisch und wünschten sich am Trainingssamstag einfach, nicht Letzte zu werden. Der Spaß zählt. Im Qualifying reicht es für Platz 21 unter schließlich 23 angetretenen Teams. Dennoch Respekt! Wenn sie erst mal echtes eigenes Wintertraining haben, dann rollen sie das Feld eben von hinten auf.
Die zehn Besten maßen sich in der Finalrunde noch einmal. Vilshofen setzte sich auf Platz 1 etwas ab. Aber die folgenden Plätze lagen denkbar knapp aufeinander, was die sportliche Qualität der Könner unterstreicht. Alle erhielten eine Urkunde von Bundesminister Alois Rainer.
Minister Rainer ist schon selbst durch den Winter gepflügt
Er übernahm als politischer „Heimatspezialist“ die Siegerehrung, nachdem der Bayerische Kollege für Verkehr, Christian Bernreiter, als Schirmherr terminlich verhindert war. Der hatte aber per Videogruß mitgeteilt: „Die Teams in Orange sind unser Aushängeschild auf unseren Straßen und mit ihrer Tätigkeit für die bayerische Infrastruktur unverzichtbar. Dieser Geschicklichkeitswettbewerb mit seinen praxisnahen Aufgaben bildet die Anforderungen im Winterdienst auch ohne Schnee ab. Ich bedanke mich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr Engagement!“
Das Drumherum
Minister Alois Rainer erinnerte sich als ehemaliger Bürgermeister daran, „wie fordernd das ist, was Ihr hier macht.“ In Zeiten von Personalmangel sei er selbst schon durch den Winter gepflügt und im Büro klingeln mit der ersten Flocke die Telefone voller Bürger-Entrüstung. Deswegen brach er gerne die Lanze für die Winterdienste.

Bürgermeister Martin Pichler hat das Geschehen mit Begeisterung verfolgt. Sein kleines, aber motiviertes Kommunalteam und viele weitere Helfer von Posten bis Wertung und Moderation hatten neben dem Sportgelände auch ein Fest mit Ausstellung aufgeboten. Auf „überragender“ Großleinwand konnten alle Prüfungen live mitverfolgt wurden. Das eigene Team Schönberg war mit dem Projekt Titelverteidigung angetreten. Am Ende reichte es zum undankbaren fünften Platz.
Aber nach den Spielen ist vor den Spielen. Am 20. September dürfen in Marktredwitz die besten Qualifikanten neben dem als Deutscher Meister gesetzten Heim-Team MAK antreten. Deshalb kämpfen dem Bericht zufolge dort die Teams der Straßenmeisterei Vilshofen, der Stadt Landshut und als Vierter auch der Gemeinde Grainet um den Bundespokal.
„Gelegenheit, Teamgeist zu zeigen“
Leitender Baudirektor Norbert Sterl, Chef des Staatlichen Bauamts Passau, das zusammen mit dem Markt Schönberg die Schneepflugmeisterschaft ausgerichtet hatte, freut sich ebenfalls über die gelungene Veranstaltung: „Das war nicht nur ein spannendes Wettkampfereignis, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit, den Teamgeist und die Fähigkeiten unserer Mitarbeiter zu zeigen. Ich bin beeindruckt von den Teams und ihren gezeigten Leistungen und bedanke mich bei allen Helferinnen und Helfern, die zum Erfolg dieser Veranstaltung mit beigetragen haben.“
Hermann Hadyn








