Grafenhütt. Bis vor Kurzem hielten ihre Eltern als typischer kleinbäuerlicher Familienbetrieb 26 Milchkühe in Anbindehaltung, mit Nachzucht rund 60 Tiere. Doch als der Hofübergabe-Termin näher rückte, war allen klar, dass dieses Modell keine Zukunft haben würde. Die Stallungen nicht mehr zeitgemäß, die Eltern im Rentenalter – und die Hofnachfolgerin und ihr Lebensgefährte in außerlandwirtschaftlichen Berufen beschäftigt.

Neue Lösungen wurden gesucht, beraten, verworfen. Eine Stellflächenvermietung stand im Raum. „Es wird kein Ponyhof“ lautete die einhellige Meinung. Doch ein reges Interesse von Pferde-Einstellern führte bei Petra Uhrmann und ihrem Mann Martin bald zum Umdenken in Richtung Pensionspferde-Haltung. Das kam der passionierten Freizeitreiterin aus Grafenhütt, wo ihr zufolge „mehr Pferde als Häuser stehen“, freilich entgegen.
„Wenn, dann machen wir’s gleich g’scheit“, so das Motto der 37-Jährigen. Dass künftig nach den Kriterien des ökologischen Landbaus gewirtschaftet werden solle, kristallisierte sich bald heraus. Der erhöhte Platzbedarf der Tiere im ökologischen Landbau wurde von Anfang an einkalkuliert. So entstand im ehemaligen Anbinde-Stall ein Offenstall für zehn bis zwölf Pferde in Gruppenhaltung auf Waldboden-Einstreu. Dabei handelt es sich um feine Siebreste von Hackschnitzeln, in diesem Fall ein Nebenprodukt aus einem Blockheizkraftwerk, rund 40 Zentimeter hoch. „Das ist im Prinzip wie ein riesengroßer Komposthaufen“, erklärt Petra Uhrmann und ergänzt. „Der Boden saugt den Urin auf, ist weich, elastisch, natürlich – und wenn er nach einem dreiviertel Jahr ausgetauscht wird, erhalten wir einen super Bio-Dünger.“
„Bio-Umstellung größtenteils aus wirtschaftlichen Gründen“
Im Freien wurde ein großer, befestigter Gemeinschaftspaddock angelegt, der für alle Pferde frei zugänglich ist. Eine Art Rundlauf im Winter, Weiden in Hofnähe, ein neu angelegter Reitplatz aus „Textilschnitzeln“ und bald auch ein Reiterstüberl für gemeinsames Zusammensitzen oder Vorträge runden das Angebot ab.
Für die rund zwölf Mastfärsen konnten die Jungrinder-Laufboxen aus dem Altbestand weitergenutzt werden. Das Fleisch wird größtenteils ab Hof vermarktet. Von etwa Ende April bis Ende Oktober befinden sich die Tiere nun auf den verschiedenen Weiden. Dadurch ist der Umstieg von „konventionell“ auf „bio“ möglich geworden. „Jetzt streuen wir die Liegebuchten für die Färsen zusätzlich mit organischem Material wie etwa Sägespänen ein. Den Besatz mussten wir so weit reduzieren, dass der Platzbedarf den Biorichtlinien entspricht,“ blickt die Landwirtin zurück. Zudem ist es Vorschrift im ökologischen Landbau, dass zugekaufte Tiere von Biobetrieben und Futtermittel aus ökologischer Erzeugung stammen müssen. Da Heu, Gras und Grassilage ausschließlich von den eigenen Flächen gefüttert werden, kaufen Uhrmanns nur Mineralfutter und Salzlecksteine zu.
„Die Bio-Umstellung hatte bei uns größtenteils wirtschaftliche Gründe“, erklärt die 37-Jährige freimütig. Durch die Honorierung von zusätzlichen Umweltleistungen und die Junglandwirte-Förderung könne die Wirtschaftlichkeit des Betriebes weiter unterstützt werden. „So bin ich auf die Teilzeitschule Hauswirtschaft in Regen gestoßen. Denn durch diese konnte ich mit dem Abschluss zur Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung den geforderten Qualifikationsnachweis im Rahmen der Junglandwirte-Förderung erreichen.“
„Ich bin ein Draußen-Mädchen“

Ein abendlicher Unterricht etwa im Rahmen des „Bildungsprogramms Landwirt“ wäre für sie aus familiären und beruflichen Gründen nicht möglich gewesen. Der Unterricht jeden Mittwoch und einen Freitag im Monat ließ sich dagegen leichter in den Alltag integrieren, resümiert die junge Mutter von zwei Kleinkindern im Alter von vier und sechs Jahren.
Auch wenn das praktische Kochen immer eine Herausforderung war, ist sie stolz darauf, eine solide Ausbildung vom Kochen bis zum Nähen in den vergangenen eineinhalb Jahren geschafft zu haben. „Aber ich bin ein Draußen-Mädchen“, sagt sie überzeugt und blickt dankbar zurück auf die arbeitsintensive Zeit, in der sie die betrieblichen Aufgaben mithilfe ihres Lebensgefährten, ihrem fitten Vater und mit zwei hilfsbereiten Reiterfreundinnen meistern konnte. Mit der Neuausrichtung und Diversifizierung ist es der Familie gelungen, den landwirtschaftlichen Familienbetrieb zu erhalten.
da Hog’n








