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Bischofsreut. Die Sache ist klar. Wäre die Tagungs- und Wellnesseinrichtung in Bischofsreut ein betriebswirtschaftliches Unternehmen wie so viele Hotels im Bayerischen Wald, müsste man – trotz aller Einwände der Bevölkerung – dessen Aus akzeptieren. Beim Witikohof muss aber sehr wohl Volkes Stimme, die sich mit Nachdruck für dessen Erhalt einsetzt, gehört werden. Und das hat folgende Gründe…

Allen voran für Bischofsreut und die Gemeinde Haidmühle ist der Witikohof ein großer wirtschaftlicher Faktor – aber auch ein Aushängeschild.

…zum einen ist – die Spiritualität einmal ausgeklammert – die Katholische Kirche ein Verein. Wir alle, die Kirchensteuer bezahlen, sind dessen Mitglieder. Der Caritasverband für die Diözese Passau e.V., der den Witikohof seit 2000 betreibt, wiederum ist der Wohlfahrtsverband der im Bayerischen Wald dominierenden Glaubensrichtung. Heißt konkret: Alle, die sich gegen das Witikohof-Aus wehren – unter anderem haben bei der entsprechenden Online-Petition bis dato 1.162 Menschen (Stand: Donnerstagvormittag, 15. Mai) unterschrieben – , haben durchaus ein Mitspracherecht! Genauso wie beispielsweise das zahlende Mitglied des örtlichen Sportvereins mitreden und -entscheiden darf.

Inklusion nicht mehr wert als der Ausgleich des Defizits?

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…zum anderen: In vielen Dörfern finden jährlich Haussammlungen des jeweiligen Ortscaritasverbandes statt. Man soll also (finanziell) helfen, damit die kirchliche Organisation (finanziell) helfen kann. Wenn aber nun eine Einrichtung wie der Witikohof wegen eines Defizites geschlossen wird, warum werden dann überhaupt Spenden gesammelt? Gleichzeitig will und darf man als freiwilliger Geldgeber auch wissen, wohin die Euros konkret gehen – dass eine gewisse Regionalität hier bevorzugt wird, ist nicht neu.

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Abschließend sei noch das Thema Inklusion anzuführen. Die Integration von Menschen mit Handicap in das „normale“ Leben ist eines der Kernthemen unserer Gesellschaft. Unter anderem die Kirchen setzen sich dafür ein, dass jeder mitmacht beim „Jeder darf mitmachen„. Der Witikohof ist ein Paradebeispiel für Inklusion: Es wird gemeinsam gearbeitet und umgegangen – nicht aufgesetzt, sondern aus dem Alltag heraus. Zudem haben Vereine wie der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) eine passende Unterkunft, die nun wegfällt. Muss das einem Wohlfahrtsverband nicht mehr wert sein als der Ausgleich eines Defizits?

Kommentar: Helmut Weigerstorfer

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