Furth im Wald. Dass innerhalb von zwei Jahren eine Bayerische Landesgartenschau im Bayerischen Wald abgehalten wird, ist schon etwas Besonderes. Viele erinnern sich wohl noch gut an die Landesgartenschau in Freyung 2023, als sich viele regionale Vereine und Organisationen aktiv am Programm beteiligte. Es war ein Sommer voller Veranstaltungen, Begegnungen und Erlebnisse.

Nun steht mit der Eröffnung der Bayerischen Landesgartenschau in Furth im Wald am 22. Mai die nächste Großveranstaltung an, die unter dem Motto „Sagenhaft viel erleben“ bis 5. Oktober stattfinden wird. Diesmal ist man im Landkreis Cham, in der stolzen Grenzstadt Furth, zu Gast. Und viele Menschen sind bereits voller Vorfreude…
Eine Schau am Wasser
137 Tage mit über 3.000 Veranstaltungen hat das Fest zu bieten. Die Freyunger Schau im Ortsteil Geyersberg hatte ganz andere Schwerpunkte als das Further Pendant gesetzt: Hier soll es eine „Schau am Wasser“ geben. Denn Wasser bildet das zentrale Element: Die Kalte Pastritz und der Chamb-Fluss durchziehen das Gelände, laden große und kleine Entdecker zu einer Fülle von Aktionen ein.

Den gestalterischen Höhepunkt bildet der sog. Brücken-Loop, der drei Wasserläufe miteinander verbindet und Ausgangspunkt des Drachenstegs ist. Dies ist eine moderne Steganlage mit extravaganten Lamellengeländer. In der Chamb-Aue entstehen Blumengärten, Erlebnis- und Erholungsflächen.
Der Stadtbach Kalte Pastritz bekommt mehr Platz; Sitzplätze an den Ufern laden zum Schauen oder Entspannen ein. In den Biergärten auf dem Gelände einer früheren Brauerei können die Gäste Brotzeit machen. Mystisch, geheimnisvoll, apokalyptisch und sagenhaft präsentiert sich der Schattengarten zwischen zwei Flussarmen. Zu einer „Grenzen-los-schön„-Tour laden die Obst- und Gartenbauvereine ein. Garten- und Landschaftsbauer gestalten Themengärten, 80 Aussteller bieten vielfältige Informationen zu Natur, Kultur und regionalen Besonderheiten. Neue Promenaden und Wege zum Flanieren werden nicht nur die Gäste beeindrucken, sondern auch für die Einheimischen die Aufenthalts- und Wohnqualität in ihrer Heimat steigern.
Flussinsel mit Drachen-Ei als riesigem Spielgerät
Doch nicht nur das Vorhandene wird aufgewertet, es entsteht auch ganz Neues. Etwa eine Flussinsel, die vorher einer Baufirma als Lagerplatz diente und nun zur Grünfläche wird. Dort thront auch das Spielgeräte-Highlight für die Kleinen: Ein überdimensionales Drachen-Ei, in dem man nach Herzenslust kraxeln kann.

Im Anschluss an die wieder begrünte Festwiese, einer bis vor kurzem als Parkplatz genutzten Fläche, entsteht an Stelle der alten Festhalle die Parkarena mit bis zu 500 Sitzplätzen, eine Open-Air-Bühne für verschiedene Präsentationen, Veranstaltungen, Theater und Konzerte. Besonders spektakulär ist das Dach: Dabei handelt es sich um eine innovative Holzkonstruktion, die ohne Verbindungsteile aus Metall auskommt. Sie ist ein architektonisches Meisterwerk, das von Professor Dr. Christopher Robeller von der TH Augsburg entwickelt wurde und nun durch die Eschlkamer Firma Penzkofer Holzbau Gestalt annehmen wird.
Stefan Göde, Vertreter der Planorama Landschaftsarchitektur Berlin, die Gesamtplanerin für den Landschaftsbau der Landesgartenschau, zeigte sich begeistert, als die Pläne jüngst vorgelegt wurden. Denn die kuppelartige Dachkonstruktion der Park-Arena wird als innovatives Bauwerk ein besonderer Blickfang der Landesgartenschau werden. Vor dieser Parkarena tritt auch immer wieder der Drache „Fanny“ auf, der weltgrößte Schreitroboter. Ohne Drachenstich, dem ältesten Volksschauspiel Deutschlands, geht in Furth im Wald sowieso nichts: Sein Kopf prägt das Logo der Landesgartenschau; rote und grüne Blütenblätter quellen aus seinem Maul.
Die Stadt profitiert, aber auch die gesamte Region
Doch eine Landesgartenschau ist noch viel mehr: Es ist eine städtebauliche Großmaßnahme, die eine Stadt langfristig aufwertet. Dementsprechend profitiert auch die Innenstadt von dem Ereignis: Furth im Wald wird nachhaltig schöner und attraktiver. Eine ganze Reihe von Einrichtungen bleibt über die Zeit der Landesgartenschau hinaus bestehen. Das Gelände einer früheren Brauerei wird dauerhaft zur Parkanlage mit Wasserspiel, Sitzgelegenheiten, Wiesen- und Rasenflächen sowie Pflanzbeeten.

Der nördliche Bereich reicht vom Postgartenweg am Bahnhof über die Hofer-Insel und das Himmelreich bis zum Bayplatz. Die von der Kalten Pastritz umspülte Hofer-Insel verwandelt sich ebenfalls in eine Parkanlage. Spielgeräte für kleinere Kinder bilden nicht im klassischen Sinne eine Einheit, sondern sind über die Insel verteilt. Auf einem Gelände, das lange nur privat von einer Brauerei genutzt wurde, entsteht ein komplett neuer Park mit enormer Aufenthaltsqualität. Der Bachlauf der Kalten Pastritz wird so umgestaltet, dass die – durch einen Absturz und ein Wehr – bisher unterbrochene Durchgängigkeit für Fische und andere Gewässerbewohner wieder hergestellt ist.
Indem man zwei ehemalige Brauereien abgebrochen hat, kann auf der jahrelangen Brache nun Neues entstehen. Besonders kommt dieser Stadtumbau der Lorenz-Zierl-Straße zugute. Sie wird teilweise zur Einbahnstraße mit einer barrierefrei ausgebauten Promenade umgewandelt. Auf der anderen Seite der Promenade bekommt die Kalte Pastritz wieder mehr Raum, wird renaturiert, um ihre Ufer zugängig zu machen. Wer in den vergangenen Jahren durch Furth im Wald flanierte, dachte sich womöglich: Was für eine Stadt, welches Potenzial man hier hat. Und doch fiel einem die ein oder andere Stelle ins Auge, die eine städtebauliche Aufwertung durchaus gebrauchen könnte.
Liste der Attraktionen wird auf einen Schlag noch länger
Mit der Bayerischen Landesgartenschau bekommt die Stadt nun die Chance, zu zeigen, was in ihr steckt. Sie erhält Möglichkeit, die Besucher zu begeistern und die Einheimischen stolz zu machen. Denn die Lage direkt an der Grenze ist seit dem Fall des Eisernen Vorhangs längst kein Makel mehr – im Gegenteil: Man befindet sich hier mitten im Herzen Europas, blickt auf die Berge des Bayerischen Waldes und des Böhmerwaldes und gleichzeitig zurück auf eine lange und bewegte Geschichte.

Es gibt vieles, was Furth im Wald schon heute zu bieten hat: Das Landestormuseum, die Felsengänge unter dem Stadtplatz, den Wildgarten, die Erlebniswelt Flederwisch, den Drachesee sowie das Drachensee-Freibad. In nächster Umgebung locken außer den vielen Wander- und Radwegen auch der Ausflugspark am Steinbruchsee, das Waldmuseum, das Sport- und Freizeitzentrum Hohenbogen und vieles mehr. Mit der Landesgartenschau kommt zu dieser Liste nun auf einen Schlag noch jede Menge dazu. Und so fiebert eine ganze Region dem Start des Groß-Events entgegen und freut sich auf einen sagenhaften Sommer.
Manuela Lang
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Eine Veröffentlichung in Zusammenarbeit mit dem Bayerischer Wald-Verein, dem Verein für Heimat- und Volkstumspflege, Kulturarbeit, Natur- und Landschaftsschutz sowie Wandern im Bayerischen Wald, der auch für das Projekt „WanderKultur“ verantwortlich zeichnet.










