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Freyung. Eigentlich, so findet Marion Altendorfer, ist die Sache glasklar. Aufgrund eines früheren Impfschadens ist die Freyungerin im Besitz eines ärztlichen Attests, das ihr bestätigt, dass sie weiterhin in den staatlichen Corona-Testzentren kostenlos getestet werden darf. „Frau Altendorfer ist aufgrund ihrer Vorerkrankung nicht für eine COVID-Impfung geeignet. Daher sind weitere PCR-Tests kostenlos auszuführen“, heißt es auf dem Schreiben, das am 5. Oktober von einem Arzt aus dem Landkreis Freyung-Grafenau ausgestellt worden ist. Dennoch hätte sie einen im Testzentrum am Freyunger Volksfestplatz durchgeführten PRC-Test selber bezahlen müssen…

Nur PoC-Antigen-(Schnell-)Tests sind mit ärztlichem Attest kostenlos, nicht jedoch die PCR-Variante. Foto: neelam279/pixabay.com

Die 46-Jährige, die in Folge einer Impfung gegen Schweinegrippe aus dem Jahr 2009 an Narkolepsie leidet, hat sich mit ihrer Geschichte an das Onlinemagazin da Hog‘n gewandt, da sie vordergründig die Allgemeinheit auf einen Missstand aufmerksam machen möchte. Ihr eigenes Schicksal spiele nur eine Nebenrolle, wie sie mehrmals betont. „Es kann doch nicht sein, dass etwas versprochen wird – das dann aber nicht der Fall ist“, hadert Marion Altendorfer. Sie kritisiert vor allem die behördlichen Anweisungen „von oben“, also von Bund und Ländern, „die keiner mehr nachvollziehen kann und kapiert. Nicht mal die Angestellten des Testzentrums oder die Leute vom Gesundheitsamt“.

„Man wird dafür bestraft, dass man krank ist“

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Ihr ist es ein Anliegen zu unterstreichen, dass die lokalen Ansprechpartner, mit denen sie im Laufe ihrer „Test-Odyssee“ in Kontakt gestanden ist, sich ihr gegenüber ausschließlich freundlich und entgegenkommend verhalten haben. Selbst Landrat Sebastian Gruber, den sie via Facebook in dieser Angelegenheit persönlich angeschrieben hatte, meldete sich und versuchte zu erklären. „Das ist alles gut und recht“, erklärt die Freyungerin, die im Hog’n-Gespräch sehr sachlich wirkt. „Dennoch herrscht Chaos hoch zehn. Es kann doch nicht sein, dass man bestraft wird dafür, dass man krank ist. Ich möchte doch einfach nur mein Leben leben können. Und da meldet sich halt dann mein Gerechtigkeitssinn.“

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Will Marion Altendorfer einen Ort besuchen, an dem „3Gplus“ Voraussetzung ist, muss sie den PRC-Test selber bezahlen. Foto: geralt/pixabay.com

Der Grund ihrer Aufregung ist ein (PCR-)Testvorgang am Montag, 11. Oktober. Für ihre Freizeitgestaltung benötigte die 46-Jährige den Vorgaben von „3Gplus“ folgend einen PCR-Test, den sie nach Vorlage ihres Attestes am Testzentrum Freyung durchführen ließ. Zunächst schien alles seinen aus ihrer Sicht nachvollziehbaren Weg zu gehen. Doch nur einige Minuten später habe sich ein Testzentrum-Mitarbeiter gemeldet, der sie darüber informierte, dass sie der Testverordnung zufolge nun doch zahlen müsste. „Daraufhin habe ich im Gesundheitsamt angerufen, die mir wiederum die andere Variante erklärt haben.“ Am Ende allerdings – nach weiteren Telefonaten mit dem Testzentrum und dem Gesundheitsamt – war die Sache offiziell: PCR-Test nur gegen Bezahlung. „Gott sei Dank konnte der Auftrag storniert und durch einen Schnelltest ersetzt werden.“

Insgesamt 1042 kostenlose Tests seit 11. Oktober

Wie sich also herausstellte, sind in ihrem Falle nur PoC-Antigen-Tests kostenlos. „Seitdem frage ich mich, was sich diejenigen gedacht haben, die diese Testverordnung aufgestellt hatten.“ Und es ist tatsächlich so. Auf Hog’n-Nachfrage verweist Dr. Frederik Weinert, Mitarbeiter der Pressestelle des Landkreises Freyung-Grafenau, auf eben jene Testverordnung. Darin heißt es, dass „Personen, die aufgrund einer medizinischen Kontraindikation nicht gegen COVID-19 geimpft werden können“ unter Vorlage eines „Ärztliches Zeugnisses und Ausweises“ nach §4a TestV lediglich einen kostenfreien „Antigen-Schnelltest“ erhalten. Auf dieser Grundlage sind laut Kreisbehörde an den Testzentren des Landkreises seit 11. Oktober 244 PCR- und 798 PoC-Tests durchgeführt worden (Stand: Dienstag, 19. Oktober 2021).

Im Falle Marion Altendorfers konnte der PCR- noch in einen PoC-Test umgewandelt werden, der für sie kostenlos ist. Foto: Hog’n-Archiv

Weinert bricht die allgemeine Verfügung auf den Fall Marion Altendorfer, der im Landratsamt bekannt ist, herunter: „Frau Altendorfer wurde dieses Thema ausführlich erklärt. Wir sind an die Vorgaben der Coronavirus-Testverordnung des Bundes (TestV) und den ergänzenden Vorgaben zum neu gefassten bayerischen Testkonzept gebunden.“

Testverordnung: „Änderungen erreichen uns erst kurzfristig“

Angesprochen auf das Kommunikations-Chaos, das die 46-Jährige an jenem 11. Oktober über sich ergehen lassen musste, erklärt der Landratsamtssprecher: „Leider erreichen uns Änderungen, Begründungen und detaillierte Ausführungen oft erst kurzfristig. Dies hat zur Folge, dass eine Abstimmung und Information aller beteiligten Abteilungen manchmal mit entsprechender Zeitverzögerung geschehen kann. Obwohl wir vorrangig an der Kommunikation dieser Informationen arbeiten, nimmt die Aufbereitung, Prüfung und Bereitstellung aller Informationen Zeit in Anspruch. Wenn dann kurzfristig erste Bürgerfragen auftreten, kann es daher manchmal zu einer zeitlichen Überschneidung kommen.“

Helmut Weigerstorfer

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0 thoughts on “„Chaos hoch zehn“: Kein kostenloser PCR-Test trotz Attest

  1. Das Chaos der uneinheitlichen Kommunikation besteht auch in NRW. Manche Testzentren verweigern kostenlose Antigen-Schnelltests unter fadenscheinigen Ausreden. Die TestV wird für deren Geldbeutel interpretiert. Es wird diskutiert und lamentiert. Nur der Hinweis fehlt: Ausschließlich Selbstzahler willkommen!

  2. Mich würde interessieren ob es diesbezüglich schon irgenwelche Lösungen gibt? Ich selber habe ein ärztliches Attest und bin vorerst ungeeignet für die Impfung. Jedoch bekommt man immer noch keine kostenlose PCR-Test! Muss ich in Zukunft mein Leben weitgehend einschränken weil ich mich nicht Impfen lassen kann?

  3. Willkommen im Klub. Ich habe bisher für alle Einschränkungen Verständnis gehabt. Aber jetzt, wo wir in Bayern einen PCR-Test für die Gastro brauchen und ich feststellen muß, das sich wie im beschriebenen Fall noch immernichts getan hat für die, die sich unverschuldet nicht impfen lassen können, jetzt aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, als wären sie wie die unsolidsrischen Querdenker zu behandeln, stellt mein Verständis auf eine harte Probe.

    Bekomme ich Corona, werde ich einen schweren Verlauf sehr wahscheinlich nicht überleben. Lasse ich mich mit den bisherigen Impfungen behandeln, besteht ebenfalls ein hohes Risiko. Als wenn ich mit meiner Krankheit nicht gestraft genug wäre, werde ich auch noch diskreminiert.

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