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Dienstag, 24. März: In Asien ist er schon lange nichts Ungewöhnliches mehr – bei uns fällt bisher noch jeder auf, der ihn trägt: der Mundschutz. Momentan redet gefühlt jeder über ihn. Denn um das hochansteckende Corona-Virus einzudämmen, macht es Virologen zufolge durchaus Sinn, wenn möglichst viele Menschen einen Mundschutz tragen. Das Problem dabei: Medizinischer Mundschutz ist längst Mangelware. Er wurde bereits gehamstert, als noch keiner Klopapier-Witze riss… Da ich selbst gerne an der Nähmaschine sitze, war der Gedanke daher naheliegend: Soll ich mir so ein Ding einfach mal selber anfertigen?

Nähanleitungen für einen Mundschutz findet man überall im Netz. Aber bringt so ein Stoffteil überhaupt was?

In den sozialen Netzwerken und in WhatsApp-Gruppen kursieren immer mehr Anleitungen, wie man sich einen Mundschutz in Eigenregie machen kann. Das Spektrum reicht dabei von skurrilen Basteltipps (Mundschutz aus einem halben BH) bis hin zu professionellen Nähanleitungen.

Kein sicherer Schutz vor dem Virus – trotzdem nützlich

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Eine Internetrecherche ergibt: Auch wenn so ein selbstgenähter Mundschutz keine sichere Abschirmung vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus bietet, so hat er dennoch zwei große Vorteile: Wenn ich selbst das Virus bereits in mir trage, ohne es zu wissen, verteile ich, wenn ich Mund und Nase mit Stoff bedecke, viel weniger davon in der mich umgebenden Atemluft. Außerdem verhindert der Mundschutz, dass ich mit den Fingern (zumeist unbewusst) Mund und Nase berühre – und macht damit eine so genannte Schmierinfektion unwahrscheinlicher.

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Und dann poppte da immer wieder dieses Video der beiden Mädels von „Waidlastoffe„, einem Nähladen in Perlesreut, in meiner Timeline auf. Sie suchen derzeit Leute, die nähen können – und für das Kinderklinikum Passau, für Altenheime und viele weitere Einrichtungen einen Mundschutz anfertigen können. Nähen für einen guten Zweck: Ich bin dabei!

Rohstoff wird geliefert, fertiger Mundschutz abgeholt

Marina Pretzl, eine der beiden „Waidlastoffe“-Inhaberinnen, ist selbst Krankenschwester. Sie hat mit Ärzten besprochen, welche Stoffe geeignet sind. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Veronika Öttl organisiert sie nun das Mundschutz-Nähen im großen Stil: 1.500 Bestellungen haben sie bereits aufgenommen: von Altenheimen über Privatpersonen bis hin zu Betrieben, die in der Krise medizinische Produkte herstellen – nahezu jeder benötigt in diese Tagen einen Mundschutz. Die beiden verlangen pro ehrenamtlich hergestelltem Exemplar lediglich die Materialkosten.

Das erste Probestück würde ich noch an niemanden weitergeben. Dieses diente nur der Übung.

850 Stück sind aktuell in Produktion, einige davon sind schon fertig. Nun haben die Unternehmerinnen 100 Meter Material nachbestellt, dazu zwei Kilometer Schrägband (mit ihm befestigt man den Mundschutz am Kopf). Sobald der Stoff da ist,wird dieser aufgeteilt: Jede ehrenamtliche Näherin erhält Material für 32 Stück. Marina und Veronika steigen dann selbst ins Auto und bringen es zu den Hobby-Näherinnen, von wo sie die fertig genähten Exemplare dann auch wieder abholen. Mittlerweile haben sie etliche Helferinnen gefunden, die mitmachen wollen. Ihr Team ist vorerst komplett. (Wer trotzdem helfen will, findet beispielsweise in der Gruppe „FRG näht Mundschutz“ auf Facebook Anregungen und Tipps.)

Voraussichtlich am Samstag erhalte ich meine „Rohstoff-Paket“. Probe genäht habe ich schon mal: mit eher ungeeignetem Material – nur zum Test. Fazit: Mundschutz nähen ist nicht schwieriger oder aufwendiger als eine Kindermütze. Und wer weiß: Vielleicht trage ich schon bald immer dann einen selbstgenähten Mundschutz aus geeigneten Stoffen, wenn ich zum Einkaufen gehe. In Tschechien etwa ist er bereits Pflicht.

Sabine Simon

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Im Rahmen des Hog’n-Corona-Tagebuches beschreiben die Hog’n-Redakteure Sabine Simon, Helmut Weigerstorfer und Stephan Hörhammer abwechselnd die Auswirkungen der sog. Corona-Krise auf ihr Privatleben, auf ihr Umfeld und die generelle Situation im Bayerischen Wald.

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