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Manche Auflösungsmeldungen sind gefühlt beim Erscheinen schon wieder Makulatur. So etwa beim schwedischen Hardrock-Kommando Graveyard. Und so wird das Ganze im Labelinfo zum fünften Album „Peace“ auch folgerichtig als „kurze Auszeit“ abgetan. Liest man sich wiederum Interviews mit den Mannen um Joakim Nilsson (Gesang/Gitarre) und Jonatan La Rocca Ramm (Gitarre – und mit so manchem Namen ist man einfach zum Rockstar geboren…) durch, dann gewinnt man sehr wohl den Eindruck, dass es eher Spitz auf Knopf um die Zukunft der Hardrocker, die mit dem „Peace“-Vorgänger „Innocence & Decadence“ einen echten Meilenstein in die Läden gewuchtet hatte, gestanden ist.

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Sei’s drum! Mit Oskar Bergenheim als neuen Drummer hat das Quartett ein Album erschaffen, das bei der Zielgruppe für wohlige Schauer auf dem Rücken sorgen wird…

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Krachige Klampfen und fett-jaulende Hammondorgel-Klänge

Gleich das Einstandsdoppel „It Ain’t Over Yet“ und „Cold Love“ zeigt mit krachigen Klampfen und herrlich fett-jaulenden Hammondorgel-Klängen, wo der Hardrock-Bartel seinen Riff-Most keltert. Darüber sitzt Nilsons räudiges Organ, das die 70er über jedes einzelne Stimmband rauskrakeelt. Einen schönen Kontrast bietet das folgende „See The Day“, bei dem Bassist Truls Mörck auf eher zerbrechliche Art und Weise seine Stimme erklingen lässt. Eine psychedelische Ballade, die auch Led Zeppelin zu Ehren gereicht hätte. „Please Don’t“ ist ein düster vor sich hintreibender Moloch mit stampfenden Rhythmen, die das Bier im Krug überschwappen lassen. Die Halbzeit markiert dann „The Fox“ mit seinem hochmelodischen Basisriff und dem einmal mehr herrlich rotzigen Gesang von Nilsson.

2006 in Göteborg gegründet: Graveyard. Foto: Anders Bergstedt

Auch auf der B-Seite – ja, liebe Kinder, es gibt solche Platten, von denen man noch in diesen Vinyl-Kategorien sprechen kann, weil sie nicht zugeballert bis zu 80-Minuten-CD-Schallmauer sind oder dämliche Einzel-YouTube-oder-Spotify-Tracks sind… – geht es gleich mit Schmackes weiter: „Walk On“ ist ein weiterer High-Energy-Rocker, während „Del Manic“ mit langsamen Beats und tiefer Nick-Cave-Gedächtnis-Stimme so etwas wie Spaghetti-Western-Flair vermittelt.

Bei „Bird Of Paradise“ mit seiner Neil-Young-Attitüde darf dann noch einmal Mörck ans Mikro, der 6/8-Shuffle-Beat weiß zu gefallen, was den Paradiesvogel zu einem kleinen Ausnahme-Hit unter vielen „normalen“ Hits macht. Gar nicht so friedvoll, sondern mit stoischem Punk-Beat und Tritt-ins-Gemächt-Riffs kommt der Quasi-Titelsong „A Sign Of Peace“ dann daher, ehe dieses famose Quasi-Comeback-Album mit dem wundervoll epischen Abschlusstrack „Low (I Wouldn’t Mind)“ schließlich auf die sechseinhalbminütige Zielgerade einbiegt.

… dann kann der Frieden auch gerne ein wenig lauter sein

„Alles, was wir sagen wollen, ist: PEACE!“ – so kommentiert die Band selbst ihr mittlerweile fünftes Album. Wenn der so positiv krachend aus den Boxen springt, kann der Frieden auch gerne ein wenig lauter sein.

Wolfgang Weitzdörfer

Graveyard: Peace
  • VÖ: 25. Mai 2018
  • Label: Nuclear Blast Records
  • Songs: 10
  • Spielzeit: 43:24 Minuten
  • Preis: ca. 18 Euro

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