Tag der Liebenden? Der Valentinstag und seine Hintergründe

Was hat es eigentlich mit dem Valentinstag auf sich, an dem Liebende einander mit Zuneigungsbeweisen überhäufen (müssen)? Wer ist der Heilige Valentin, der diesem Tag den Namen gab? Und was hat er damit zu tun, dass zum 14. Februar tonnenweise Kitschpostkarten bzw. mit Herzchen und Smileys verzierte Mails, Whatsapps oder Facebook-Posts verschickt werden?

Symbolfoto: da Hog’n

Wer genau der Heilige Valentin war und ob es ihn überhaupt je gegeben hat, ist völlig unklar. Selbst die katholische Kirche hat da ihre Zweifel, weswegen er mit der Reform des römischen Generalkalenders von 1970 ersatzlos gestrichen wurde. Offiziell wird seither am 14. Februar nur noch der Heiligen Kyrill und Method gedacht.

Vor der vatikanischen Kalenderreform war der 14. Februar von einem „Heiligen Valentin“ besetzt, der einmal als römischer Priester und Märtyrer, hingerichtet unter Claudius Gothicus, ein anderes Mal als Bischof von Terni, gestorben eines natürlichen Todes – oder auch als alles zusammen verehrt wurde. Seit dem frühen Mittelalter sind Legenden überliefert, die sich auf einen Heiligen dieses Namens beziehen. Er galt der volkstümlichen Deutung seines Namens wegen als Schutzpatron gegen die Fallsucht, die Epilepsie, die insofern auch als „Valentinskrankheit“ bezeichnet wurde. In erweiterter Zuständigkeit wurde er auch bei Kopf-, Zahn- und Gliederschmerzen sowie bei Unterleibsbeschwerden jeder Art angerufen.

Welcher Valentin wird verehrt?

Allerdings gab es im Mittelalter eine ganze Reihe an Heiligen mit dem Namen Valentin – lateinisch „der Gesunde“ -, deren wundertätige Reliquien verteilt über ganz Europa verehrt wurden. Einer davon, ein gewisser Valentin von Viterbo, soll unter Kaiser Maximian den Märtyrertod erlitten haben, ein weiterer sei Mitte des 5. Jahrhunderts Bischof in Rätien gewesen. Die Gebeine des letztgenannten Valentin seien in Meran aufbewahrt und im 8. Jahrhundert nach Passau überführt worden, wo er zum Bistumsheiligen avancierte. Sein Gedächtnistag wird seit jeher am 7. Januar gefeiert. Anderes Gebein, angeblich das des echten Bischofs von Terni, kam im frühen 18. Jahrhundert ins schwäbische Krumbach.

Welcher der zahlreichen Valentins am 14. Februar verehrt wurde und seit wann – in Dublin etwa werden an diesem Tag die Gebeine eines Saint Valentine vorgezeigt, die Papst Gregor XVI. im Jahre 1835 den Iren geschenkt haben soll -, bleibt völlig ungeklärt.

Bis Mitte des 4. Jahrhunderts – und in einigen Regionen der Christenwelt bis herauf ins 9. Jahrhundert – war am 14. Februar das Fest der „Darstellung des Herrn“ gefeiert worden, das daran erinnerte, dass Jesus getreu mosaischem Gesetze am vierzigsten Tag nach seiner Geburt in den Tempel gebracht wurde. Die Geburt Jesu war in der Frühzeit des Christentums am 6. Januar gefeiert worden, was das „Darstellungsfest“ auf den 14. Februar fallen ließ.

Hog’n-Gastautor Dr. Colin Goldner hat sich über den Valentinstag Gedanken gemacht. Foto: Archiv GAP

Als im Jahre 354 Papst Liberius Weihnachten auf den 25. Dezember vorverlegte – bis dahin war dies der Adam-und Eva-Tag gewesen -, verschob sich das Fest der „Darstellung des Herrn“ auf den 2. Februar. Der 14. Februar wurde zu einem „leeren Tag“ ohne Schutzheiligen oder sonstigen Segen der Kirche. Er verkam zusehends zum „Unglückstag“: Wer an diesem Tage geboren werde, sei zeitlebens von Pech und Mißgeschick verfolgt und würde früh sterben. Kälber, die an diesem Tag zu Welt kamen, wurden nicht aufgezogen, Bruthennen setzte man nicht auf die Eier, die, so glaubte man, verfaulen oder lahme Küken hervorbringen würden. Mancherorts hielt man den 14. Februar für verflucht, weil an diesem Tage Judas Ischariot, der Verräter Jesu, geboren worden sein soll.

Im angelsächsischem Raum allerdings erinnerte man sich daran, dass im vorchristlichen Rom an den Iden des Februar, sprich: am 14. und 15. des Monats, das Fest des Hirtengottes Lupercus gefeiert wurde, an dem junge Männer und Frauen durch das Ziehen von Losen zu Liebespaaren auf Zeit wurden. Die Festtage des Lupercus – manche sagen auch, sie seien der Göttermutter Juno oder Faunus, dem Gott der Wälder und Fluren, geweiht gewesen – markierten die hohe Zeit, von der man glaubte, dass sich die Vögel paarten und in der die Fruchtbarkeit von Frauen für das folgende Jahr bestimmt werde.

„Sowas ignorieren wir noch nicht einmal“

Das „heidnische“ Kultfest der Lupercalien wurde wiederbelebt und konnte ab dem ausgehenden Mittelalter auch in einigen Regionen des deutschen Kulturaumes Fuß fassen: Der 14. Februar wurde dort als „Vielliebchentag“ gefeiert, an dem mit allerlei Ritualen künftige Beziehungen angebahnt wurden. Versuche der katholischen Kirche, den Tag wieder für Heiligenverehrung zu vereinnahmen, blieben weitgehend erfolglos. Zu größerer Populärität gelangte der „Tag der Liebenden“ mit Beginn des 19. Jahrhunderts.

Wann genau der 14. Februar mit einem Heiligen Valentin besetzt wurde und mit welchem, läßt sich nicht mehr klären. Das Valentinsbrauchtum der Freundschafts- und Liebesbekundungen hat mit einem Heiligen dieses Namens jedenfalls nicht das Geringste zu tun. Vielmehr geht es auf einen römischen Hirtengott namens Lupercus zurück. Die seit den 1970er Jahren aus den USA nach Deutschland schwappende Unkultur pinkfarbener Klappkarten und Plüschherzen hat weder mit dem einen noch dem anderen zu tun: Sie ist reiner Kommerz, der sich in den USA – und zunehmend auch hierzulande – längst zum Konsum- und Psychoterror ausgewachsen hat. Innerhalb von peergroups wie etwa Schulklassen bestimmt sich die soziale Rangordnung mithin an der Anzahl an Valentinskarten – beziehungsweise an der Anzahl an SMS, Twitter-, Facebook- oder Instagram-Posts -, die man erhalten hat.

Dem gnadenlosen Herzchen- und Happy-Valentines-Geschmarre rund um den 14. Februar entkommt man am besten mit einem modernen Valentin, dem Münchner Querdenker Valentin Ludwig Frey nämlich, der unter dem Künstlernamen Karl Valentin bekannt wurde: „Sowas ignorieren wir noch nicht einmal!“

Dr. Colin Goldner

 

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D‘ EWIGE LIAB

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As Tadsch Mahal

Hat a jeder scho amoi gesehng.

Auf aram Kalenderblattl,

Oder auf a Postkartn,

Die oam oana g’schriebn hat,

Der scho amoi dort war.

 

A jeder rumpelt hi,

Der in Indien is.

Weil’s a Monument sei soi,

Von der ewigen Liab.

Die oana vo dene Maharadschas

Seiner Frau g’schworn hat,

Wia’s eahm g’storbn is.

 

Daweil war eahm des wurscht,

Weil er an Haufn

Andere Frauen g’habt hat,

In seim Harem.

Aber guat ausg’schaut hat’s halt,

Wenn er a Mordstrum Grabmal histellt.

Und zahl’n hat er’s ja net selber müassn,

Und Stoana g’schleppt hat er aa net.

Des ham ois de andern do,

Seine Untertanen,

De zwanzg Jahr‘ hibaut ham,

An den Kastn.

Dene werd am Maharadscha sei Oide

Aa ziemlich wurscht gwesn sei.

Nix hat’s g’hoifn,

Baut is worn.

 

Bloss an zwoatn Kastn,

Den er seiba woin hätt,

Als Grabmal,

Den ham’s eahm nimmer baut.

 

Wie er g’storbn is,

Hams’n einfach

In den ersten dazuag’legt.

 

Schee is’s scho, as Tadsch Mahal.

Obwohl’s ja eigentlich

A B’schiss is.

Weil’s eahm um d’Liab nia ganga is,

Am Maharadscha.

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