Waidler bei Olympia: Julia Eichinger und Johannes Höpfl im Doppel-Interview

Pyeongchang/Hauzenberg/Neureichenau. Die Nordkorea-Krise, der russische Doping-Skandal – die bald beginnenden Olympischen Spiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) stehen aufgrund diverser (sport-)politischer Konflikte unter keinem guten Stern. Die Angst vor einer Eskalation der Lage hat die Vorfreude auf unbeschwerte Spiele in Südkorea überschattet. Nicht die Sportler sind im Mittelpunkt der Berichterstattung gestanden, sondern zwielichtige Sportfunktionäre und Machthaber.

Auf den Sprung: Julia Eichinger aus Neureichenau wird heuer an den Olympischen Spielen in Pyeongchang teilnehmen. Ihre Disziplin: Skicross. Foto: Eichinger

Unmittelbar vor der Entzündung des olympischen Feuers haben wir deshalb Julia Eichinger (Skicross; 25) aus Neureichenau und Johannes Höpfl (22; Snowboard Halfpipe) aus Hauzenberg zum Interview gegebeten – die einzigen Olympia-Teilnehmer ausm Woid. Die beiden Ausnahme-Athleten berichten dabei von ihrer Zielsetzung bei den Olympischen Spielen, ihrer Vorbereitungszeit und die angespannte politische Lage in Ostasien.

Julia, Johannes: Es ist geschafft, Euer großer Traum geht in Erfüllung: Ihr dürft an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang teilnehmen. Habt Ihr das bereits realisiert?

Johannes Höpfl: Ich denke, so richtig realisiert man das erst, wenn man vor Ort ist. Es war ein harter Weg. Und nach dem letzten Qualifikations-Wettkampf war ich sehr froh, dass sich die vielen Trainingstunden ausgezahlt haben.

„Die letzten zwei Jahre waren etwas schwierig für mich“

Julia Eichinger: Mir geht es da ähnlich wie Johannnes. So richtig realisiert habe ich das Ganze noch nicht, nein. Ein kleiner Schritt in diese Richtung war die offizielle Olympia-Einkleidung – aber ich glaube, begreifen werde ich es dann, wenn ich in den Flieger steige und Richtung Korea aufbreche. Es war die pure Erleichterung für mich, als klar war, dass ich für die Spiele qualifiziert bin. Da ich Sotschi 2014 verletzungsbedingt verpasst habe, bin ich nun umso glücklicher und stolzer, dass ich es geschafft habe.

Julia Eichinger, 25, Neureichenau. Foto: Eichinger

Lange Verletzungen liegen hinter Euch. Ist es angesichts solch dicker Krankenakten doppelt erfreulich, dass Ihr nun an den Olympischen Spielen teilnehmen dürft?

Johannes Höpfl: Auf jeden Fall! Die letzten zwei Jahre waren etwas schwierig für mich, da ich seit der Saison 15/16 immer wieder Probleme mit meinem rechten Knie hatte – Diagnose: chronisches Patellaspitzensyndrom. Den Winter 15/16 habe ich durchgezogen, obwohl ich ständig Schmerzen hatte. Deshalb habe ich mich dann entschieden, im Frühjahr eine spezielle Reha zu machen und bin deshalb von März bis November nicht mehr auf meinem Board gestanden.

Die Tests für die Saison 2016/17 liefen zunächst gut, bevor sich mein Zustand wieder verschlechterte. Letztlich konnte ich kein einziges Rennen bestreiten. Im Januar 2017 ließ ich mich von unserem Teamarzt operieren und begann anschließend mit meiner fünfmonatigen Reha. Im Juni des vergangenen Jahre bin ich dann endlich wieder auf dem Board gestanden. Seitdem habe ich fast gar keine Beschwerden mehr.

„Um eine Medaille werde ich nicht mitfahren können“

Julia Eichinger: Nach meinem zweiten Kreuzbandriss im Juli 2016 gab es so einige, die nicht mehr daran geglaubt haben, dass ich den Weg zurück an die Weltspitze bewältige – und somit die Qualifikation für die Olympischen Spiele erreiche. Nur mit der Unterstützung meiner Familie und Freunde habe ich es wieder auf die Beine geschafft und weitergekämpft – dafür bin ich ihnen sehr dankbar.

Welche Chancen rechnet Ihr Euch bei den olympischen Wettkämpfen aus? Ist eine Medaille drin? Oder gilt das Motto: „Dabei sein ist alles“?

Julia Eichinger: Im Skicross ist es immer schwer, sich etwas auszurechnen, da sehr viel auf der Strecke passieren kann. Daher versuche ich mein Bestes zu geben und all meine Reserven auszuschöpfen. Für was es am Ende reicht, werden wir sehen.

Johannes Höpfl: Hier muss man ehrlich zu sich selber sein: Um eine Medaille werde ich nicht mitfahren können. Da bin ich vom Trick-Level her noch nicht so weit wie andere. Ich will meinen Run, den ich mir vorgenommen habe, so gut wie möglich runterbringen und den Zuschauern ein gute Show bieten.

„Ich habe keine Angst. Für mich zählt nur das Sportliche“

Andere Zeitzone, andere Kultur, andere Essgewohnheiten – die Olympischen Spiele finden auf der anderen Seite der Welt statt. Wie bereitet man sich auf diese außergewöhnlichen Belastungen vor?

Johannes Höpfl: Wir sind im Moment in Japan, um uns an die Zeitzone anzupassen und um noch ein paar Trainingstage hier einzulegen, bevor dann die offizielle Vorbereitung in Korea losgeht. Verpflegungstechnisch sollte alles passen, das hat 2014 in Sotschi auch alles ganz gut geklappt.

Johannes Höpfl, 22, Hauzenberg. Foto: privat

Julia Eichinger: Diese Belastungen sind für mich nicht neu. Ich kenne das mit den Zeitverschiebungen, da wir in den vergangenen Jahren bereits Rennen in Übersee bestritten haben. Was das Essen anbelangt, bin ich sehr flexibel. Wir bereiten uns derzeit intensiv auf die Spiele im sportlichen Sinne vor. Wir trainieren bereits die Startpassage, die für Olympia vorgesehen ist – in Österreich, wo dieses Szenario extra für uns nachgebaut wurde.

Wie lang werdet Ihr in Südkorea sein? Und: Bleibt neben den Wettkämpfen Zeit, das olympische Feeling aufzusaugen und bei anderen Wettbewerben zuzuschauen?

Johannes Höpfl: Ich bin während der gesamten Olympischen Spiele vor Ort. Eröffnungsfeier und Schlussfeier sind immer ein Highlight für uns Athleten. Nach meinem Wettkampf bleibt auch genügend Zeit, um andere Wettkämpfe zu verfolgen.

Julia Eichinger: Wir werden am 15. Februar nach Südkorea fliegen, da unser Wettkampf erst zum Schluss der Spiele stattfindet. Den genauen Zeitplan kenne ich noch nicht, aber im Normalfall haben wir kaum freie Tage, um uns andere Veranstaltungen anschauen zu können. Da wir auch nicht im olympischen Dorf wohnen, sind wir nicht gerade nah am Geschehen dran.

Wie nehmt Ihr den Konflikt zwischen den beiden Korea-Staaten, wie das aggressive Auftreten von Nordkoreas Kim Jong-un wahr? Habt Ihr da Angst?

Julia Eichinger: Nein, ich habe keine Angst. Für mich zählt nur das Sportliche, um alles andere muss ich mich nicht kümmern. Dafür sind andere da.

Johannes Höpfl: Mittlerweile habe ich ein gutes Gefühl, da sich ja die Lage in den vergangenen Wochen ein wenig beruhigt hat. Das war vor ein paar Monaten noch nicht der Fall. Ich denke, dass alles friedlich und gut organisiert über die Bühne gehen wird.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in Südkorea.

Interview: Helmut Weigerstorfer

(Aufgrund der bereits laufenden Vorbereitungen

haben wir die beiden getrennt voneinander befragt)

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