Gute Vorsätze fürs neue Jahr: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Neues Jahr, neues Glück. Das heißt für viele Menschen: neue Pläne, Ziele und Vorsätze. Und wer kennt ihn nicht, diesen Ausspruch: „Das wird mein Jahr.“ Doch das haben die meisten auch 2015, 2016 und 2017 schon gesagt. Komisch, dass genau diese Prophezeiung nicht so recht eintreten will, oder? „Dann eben 2018“, denken Sie sich vielleicht und möchten den Laptop zuklappen. Doch halt! Nicht ganz so schnell. Denn sonst sind Sie in einem Jahr wahrscheinlich wieder am selben Punkt angelangt…

Um was geht es da eigentlich genau bei der Nicht-Einhaltung von Neujahrsvorsätzen? Geht’s da um den „Schweinehund“? Oder geht’s da um mehr?

Der Jahreswechsel ist der Moment der großen Vorsätze: mehr Sport, weniger Alkohol, keine Zigaretten. Mehr Lernen, weniger Feiern, nicht mehr lügen. Mehr Lesen, weniger fernsehen, keine Shopping-Eskapaden mehr. So oder so ähnlich sehen die Pläne vieler Menschen  aus. Doch: Warum gelingt es den wenigsten, sie auch in die Tat umzusetzen?

Wenn sich gewisse Wünsche ins Unterbewusstsein stehlen

Sport, gesunde Ernährung, eine bestimmte Kleidergröße – nicht nur die Medien vermitteln zahlreiche Ideen und Vorstellungen davon, wie wir aussehen, handeln, sein sollen. Wir vergleichen uns ständig, sowohl auf diversen Plattformen im Internet als auch offline. Kein Wunder also, dass sich hier und da auch mal Änderungswünsche ins Unterbewusstsein „schleichen“, die vielleicht gar nicht unseren wahren Bedürfnissen entsprechen. Denn wer ständig vor Augen geführt bekommt, was oder wie viel andere tun und dadurch den Eindruck bekommt, selbst zu wenig oder das Falsche zu tun, der beginnt zu zweifeln. Natürlich ist das Naheliegendste, sich in dieser Situation an „den anderen“ zu orientieren.

„Jeder Mensch trägt einen Kontinent unentdeckten Wesens in sich. Wohl dem, der sich zum Kolumbus der eigenen Seele machen kann.“ Salvador de Madariaga y Rojo

Doch nur, weil jemand anderer scheinbar unfassbar glücklich mit seinem Lebensstil ist, muss das nicht für einen selbst gelten. Denn erstens kann man nie wissen, wie viel der (medial) dargestellten Zufriedenheit der Wirklichkeit entspricht. Und zweitens muss diese Zufriedenheit nicht zwangsläufig für jeden durch die gleichen Handlungen oder den gleichen Lebensstil erreichbar Ssein.

Fiese Neuronen – und warum wir alle ein bisschen süchtig sind

Sich grundsätzlich auf das eigene (Bauch-)Gefühl zu verlassen, ist mit Sicherheit in den meisten Fällen eine gute Entscheidung. Warum also fühlt es sich dann so „falsch“ an, wenn wir etwas, das wir seit Langem – vielleicht sogar schon immer – tun, plötzlich nicht mehr tun? Nun, schuld daran sind die Neuronen. Man muss kein Biochemiker sein, um unsere Nerven zu verstehen. Denn eigentlich wollen sie nur eines: Überleben. Deshalb sind sie froh, wenn sie einen Weg gefunden haben, dies zu tun. Was übertrieben klingen mag, beschreibt (etwas vereinfacht) die Art und Weise, wie wir Menschen funktionieren.

Ein Beispiel: Sie nehmen sich vor, jeden Abend eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen das Handy, den Laptop oder den Fernseher auszuschalten und stattdessen zu lesen. Der Bildschirm ist aus, aber irgendwie fehlt etwas. Es fühlt sich… naja, irgendwie „falsch“ an. Viele Menschen würden nun doch, wie gewohnt, den Fernseher anschalten – und diesen als „Einschlafhilfe“ nutzen. Das Gemeine daran: Hier spielen uns die eigenen Nerven einen Streich. Denn durch das gewohnte, allabendliche Fernsehen werden Hormone ausgeschüttet: Hormone, die uns ein gutes Gefühl verleihen. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Gewohntes fühlt sich gut an. Denn Gewohntes scheint zu funktionieren – es ist sicher, es bringt uns nicht um. Experten sprechen hier von Habitualisierung.

Das Fiese daran: Es macht Veränderung so unfassbar schwer. Denn natürlich sinkt die Motivation, etwas zu tun (oder wie in diesem Beispiel nicht zu tun), wenn sich genau das unangenehm anfühlt. Aber keine Sorge: Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns zwischen dem kognitiv Richtigem, das sich falsch anfühlt, und dem, was wir eigentlich ändern wollen, entscheiden müssen. Denn die gute Nachricht lautet: Unsere Nervenzellen lassen sich „umschalten“. Dazu muss man zwar erstmal eine Zeit lang durchhalten, doch wenn der „Umschaltvorgang“ erst einmal stattgefunden hat, fühlt es sich plötzlich richtig an. In unserem Beispiel hieße das: Das eigentlich neu eingeführte abendliche Lesen wird zum Gewohnten – und auf einmal fühlt sich diese neue Angewohnheit richtig an. Nach einiger Zeit wird es Ihnen sogar fehlen, abends nicht zu lesen!

Von Qualen zum Glücksgefühl – was das Durchhalten leichter macht

Die Schwierigkeit beim Durchhalten liegt vor allem darin, dass das menschliche Gehirn – zumindest in Bezug auf die Befriedigung der Bedürfnisse – so „programmiert“ ist, dass es jene Bedürfnisbefriedigung schnell erlangen will. Nehmen wir wieder das Beispiel des abendlichen Lesens: Bisher haben Sie abends immer den Fernseher angeschaltet, um noch etwas unterhalten zu werden und abzuschalten. Sobald sie auf das Ritual des Fernsehens verzichten, wird es sich zu Beginn wie eine Art Qual, ein Verlustgefühl anfühlen. Intuitiv würden Sie am liebsten doch das Buch weglegen und dem Bedürfnis der Befriedigung durch die Flimmerkiste nachgeben.

Genau dieses Verhalten würde Sie jedoch das Ziel – nämlich eine bestimmte Angewohnheit abzuändern – nie erreichen lassen. Schließlich sind es die kleinen, einzelnen Handlungen und Schritte, die im Endeffekt zu einem ganzheitlichen Endergebnis führen. Glücklicherweise gibt es Hilfsmittel, um den eigenen Drang etwas auszutricksen: Anstatt sich darauf zu konzentrieren, was einem gerade fehlt und was man nicht hat, ergibt es viel mehr Sinn, sich auf das zu fokussieren, was man langfristig erzielen möchte. Genau deshalb sind die oben genannten Beweggründe auch so wichtig, denn: Nur wer ein Ziel verfolgt, das er wirklich verfolgen möchte, wird langfristig motiviert bleiben und schließlich Erfüllung durch das Erreichen des Ziels verspüren.

Wenn Sie sich also zum Beispiel einen besseren Schlaf durch den abendlichen Fernsehverzicht wünschen, dann sollten Sie sich immer wieder vor Augen führen, was es Ihnen langfristig bringen wird, dieses (vergleichsweise) kurze Gefühl der Qual auszuhalten. Vielen Menschen hilft es, sich diese Vorteile aufzuschreiben, dazu passende Bilder auszudrucken oder sie sogar selbst zu malen. Denn wer seine Ziele festhält und visualisiert, dem erscheinen sie greifbarer und weniger unerreichbar.

Wer wirklich etwas ändern will, sollte jetzt damit beginnen

Natürlich können die oben genannten Tipps, Erklärungen und Maßnahmen auf so ziemlich jeden Vorsatz angewendet werden. Sei es der Verzicht auf ein Genussmittel, eine lästige Angewohnheit, die man ablegen möchte oder einfach nur ein kleines Ritual, das man fortan einführen möchte. Die wichtigste Grundlage dafür ist die Intuition: Denn wenn der Vorsatz nicht aus (dem eigenen), tiefsten Herzen kommt, ist es nicht nur unglaublich schwierig, ihn nicht über Bord zu werfen.

Vor allem sollte man sich dann auch die Frage stellen, warum man dieses Ziel verfolgt – ob zum Beispiel ein gesellschaftlicher Zwang, familiärer Druck oder etwas ganz anderes dahinter steckt. Bei manchen ist es auch einfach die Jahreszeit: Klar, zum Ende des Jahres wird nochmal resümiert, nachgedacht und das kommende Jahr wird geplant – von jeder Titelseite springen uns Tipps zum Einhalten der Neujahrsvorsätze an und Bekannte fragen nach Plänen und Zielen. Sicherlich gilt der Jahreswechsel – nicht nur symbolisch gesehen – für viele als Neuanfang. Doch wer wirklich etwas ändern, verbessern, sich an- oder abgewöhnen möchte, sollte nicht auf Morgen, den nächsten Montag oder den 1. Januar warten. Veränderung ist immer möglich, wenn der Wunsch danach tatsächlich der eigene ist. Auch, wenn es anstrengend sein kann, neue Wege zu gehen: Meist lohnt es sich.

Im Podcast von Laura Malina Seiler wird nochmals alles zusammengefasst:

Und falls der Artikel Ihnen ein wenig dabei hilft, sich selbst zu verstehen und einen neuen Weg zu gehen, so hat sich immerhin eines meiner Ziele erfüllt. Ich wünsche allen Hog’n-Lesern einen wunderbaren Jahreswechsel und ein frohes und vor allem glückliches neues Jahr – denn am Ende interessieren nur die gelebten Momente und die schönen Erinnerungen und nicht, wie vielen gesellschaftlichen Zwängen man sich gebeugt hat oder wie vielen Erwartungen von außen man gerecht geworden ist. Happy New Year!

Malin Schmidt-Ott

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