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Je öfter man sich „Kingslayer“, das zweite Album von Victor Smolskis neuer Band Almanac, anhört, umso klarer wird einem, warum der Gitarrenhexer mit weißrussischen Wurzeln und Peter „Peavy“ Wagner beim Herner Heavy-Metal-Original Rage nicht mehr gemeinsam musizieren konnten. So toll die Alben aus dieser Phase zwischen 1999 und 2015 auch sind (vor allem „Strings To A Web“ von 2010 gehört zu den Sternstunden des Line-Ups) – Smolski und Wagner passten letztlich nicht wirklich zusammen. Wer daran immer noch Zweifel hat, sollte sich zuerst Rages aktuelles Album „The Devil Strikes Again“ (2016) anhören – und dann „Kingslayer“ von Almanac auflegen.

Seit 2015 Victor Smolskis neues „Baby“ – die Metal-Band Almanac. Foto Michael Mai

Wo das eine straighten (und dabei sehr guten!) wie schnörkellosen Heavy Metal voll auf die Zwölf bietet, ist das andere zwar nicht minder heavy, dazu aber sehr verspielt, progressiv angehaucht und mit klassischen Anleihen versehen. Sowie mit Smolskis Gitarrenkünsten: Der fiedelt und gniedelt auf seiner Sechssaitigen derart virtuos, dass sogar ein John Petrucci von Dream Theater neidisch werden könnte…

Wieselflinker Gitarrenspieler und hervorragender Melodienspender

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Die zehn Songs, von denen der Titelsong eher als kurzes Zwischenspiel durchgehen dürfte, werden von Smolski – der neben der Gitarre auch die Keyboards eingespielt hat – zusammen mit Athanasios Tsoukas am Schlagzeug und Basser Tim Rashid sehr kompetent und tight dargeboten. Drüber sitzen – wie auch schon auf dem Debüt „Tsar“ – gleich drei Sänger, was dem Album durchaus einen theatralischen Musical-Effekt verpasst: Neben David Readman, der sonst bei Pink Cream 69 am Mikro steht, sind das noch Andy B. Franck von den unverwüstlichen Brainstorm und die bereits vom Lingua-Mortis-Projekt (ursprünglich eine Rage-Nebenbaustelle) bekannte Jeannette Marchewka.

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Inhaltlich geht es auf „Kingslayer“ nicht um Fantasy, auch wenn dies das in dunklen Tönen gehaltene Cover vermuten lässt. Allerdings stehen sehr wohl Tyrannen, Despoten und der titelgebende „Königsmord“ im Fokus. Nur eben in realen Kontext eingebettet – und vor allem in teils wirklich großartige Songs. Wirkt der Auftakt mit „Regicide“ noch ein wenig unentschlossen, ist spätestens mit dem zweiten Song „Children Of The Sacred Path“ klar, dass Smolski nicht nur wieselflink Gitarre spielen kann, sondern auch ein hervorragender Melodienspender ist. „Guilty As Charged“ kommt mit seinem geshouteten Refrain dann wieder ein wenig bieder daher, „Hail To The King“ nimmt ein wenig das Gas raus, ehe „Losing My Mind“ die zweite Melodiegranate auf „Kingslayer“ ist und die erste Halbzeit gelungen abrundet.

Zutaten, die „Kingslayer“ zu einem richtig guten Album machen

Das kurze „Kingslayer“ bildet den stimmungsvollen Auftakt zum großartigen und erneut hochmelodischen „Kingdom Of The Blind“, bei dem vor allem die Keyboards die Dramatik förmlich ausschwitzen. Definitiv ein Höhepunkt auf dem Alamanc-Zweitwerk.

Genau wie das folgende „Headstrong“, das mit einer gelungenen Orchestrierung zu punkten weiß und bei dem der Wechselgesang besonders eindrucksvoll klingt. „Last Farewell“ (der Kenner ahnt es schon) ist die obligatorische Ballade – aber eine, die durchaus gut ins Ohr läuft und mit kitschiger Lagerfeuerromantik so gar nichts am Hut hat. Zum Abschluss serviert man dem Hörer noch einmal ein echtes Brett: „Red Flag“ beinhaltet alle Zutaten, die „Kingslayer“ zu einem richtig guten Album machen: einen hymnischen Refrain, ein hektisches Prog-Riff, wuchtige Drums, einen cleveren Songaufbau, orchestrale Keyboard-Untermalung sowie die tolle Leistung der drei Sängerinnen und Sänger.

Doch – macht richtig viel Spaß, dieses Album!

Wolfgang Weitzdörfer

 

Almanac: „Kingslayer“
 
  • VÖ: 24. November 2017
  • Label: Nuclear Blast Records
  • Songs: 10
  • Spielzeit: 51:58 Minuten
  • Preis: ca. 19 Euro


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