Da Gärtner-Hog’n: Gutes in der kalten Jahreszeit

Ja seid’s denn narrisch? De Ernte is grod amoi aus’m Goat’n – und jetzt kommt’s ihr scha mit an Goat’n-Artikel daher?!“ Ja, tun wir. Denn die längerfristigen Prognosen für das Bayern-Wetter sehen nicht gerade nach „Ausruhen im Garten“ aus. Im Gegenteil: Behalten die Wetterfrösche Recht, wird es ein ziemlich ungemütlicher Herbst. Das ist zwar nichts für alle, die unter Gärtnern nur „draußen“ verstehen, aber leckeres Gemüse kann man ja schließlich auch auf andere Weise ziehen. Wie es geht und warum man auch mal konventionelle Salat-Wege verlassen sollte, zeigen wir jetzt.

 

  1. Glücksfall Bayern

Dabei ist der Freistaat einmal mehr derjenige, der noch am ehesten lachen kann. Warum? Ganz einfach: Wir liegen so weit südlich, dass die Sonneneinstrahlung in ganz Bayern merklich höher ist als im restlichen Deutschland. Südlich und südwestlich von München, der Top-Lage, ist sie sogar um ein sattes Drittel größer als etwa nördlich des Mains. Was die Photovoltaik-Besitzer freut, hat auch für Gärtner eine nicht zu unterschätzende Bewandtnis: Denn auch im tiefsten Herbst kommt hier noch mehr Sonne runter, als nördlich des Weißwurst-Äquators.

Wo andere die Pflanzen schon auf die Fensterbank retten oder im Gewächshaus die Heizung aufdrehen müssen, reicht es in den meisten Ecken Bayerns, wenn man seine Pflanzen etwas abdeckt. Aber: Wenn die ersten Nachtfröste kommen, ist auch hier Schluss und die Gärtnerei muss in buchstäblich „wärmere Gefilde“ ziehen.

 

  1. Wos brauch i?

Um im beginnenden Herbst noch echte Erträge erzielen zu können, reicht es in der Regel nicht mehr, die Pflanzen einfach nur im Beet stehen zu lassen – zumindest nicht bei den meisten Arten. Vor allem weil es nachts zu kühl sein kann und das Grün deshalb das Wachstum einstellt. Doch es gibt Optionen:

  • Die einfachste (und mit Abstand billigste) Möglichkeit sind Pflanztunnel. Dabei werden einfach flexible Bögen ins Beet gesteckt und darüber eine transparente Folie wie ein längliches Zelt Davon profitiert jetzt schon jede Pflanze – auch die, die winterhart sind.
  • Die luxuriösere Variante sind Folien-Gewächshäuser. Vom Prinzip her ähnlich wie der Pflanztunnel stehen sie zwar auch auf dem Gartenbeet, sind aber so groß, dass man darin stehen kann. Die Preise beginnen zwar bei rund 300 Euro – wer jedoch mit Säge und Akkuschrauber umgehen kann, kann sich ein solches Gewächshaus auch selbst zimmern.
  • Normale Gewächshäuser können zwar auch aus Folie bestehen, müssen aber nicht zwingend über dem Beet aufgebaut werden, sondern können auch anderswo stehen. Die Pflanzen wachsen dann in innen aufgestellten Regalen heran. Vorteil: Dadurch wird mehr Raum genutzt und man kann mehr ernten.
  • Auch Frühbeet-Kästen haben die Option, im Beet oder für sich alleine zu stehen. Allerdings sind sie wieder klein und nicht begehbar.

Dabei gilt, dass sich alles, was begehbar ist, auch im tiefsten Frost noch verwenden lässt. Denn der Handel bietet sowohl Gewächshaus-Heizungen wie UV-Lampen, welche die mangelnde Sonneneinstrahlung im Dezember und Januar abfedern (sogenannte Warmgewächshäuser). Doch gerade ersteres kann die Stromrechnung mächtig nach oben treiben. Wer das nicht will, kann eine nach Süden gelegene Fensterbank freiräumen und sie als Indoor-Beet präparieren. Die Wärme kommt von der normalen Haus-Heizung, für optimale Ergebnisse sollte man jedoch zusätzlich eine UV-Lampe installieren.

 

  1. Wos setz i?

Wer immer nur Tomaten und Eisbergsalate pflanzt, glaubt häufig, dass jetzt die Gartensaison vorbei wäre. Falsch! Denn derzeit wächst noch einiges – und manches muss auch jetzt erst ausgesät werden.

Gerade weil es tagsüber noch sonnig und warm ist, gedeihen aktuell noch normale Salate, sofern sie als kleine Pflänzchen direkt unter den Folientunnel gesetzt werden. Schnittsalat, Rucola, Radieschen und der gute Winterspinat werden jetzt direkt als Samen in die Erde gesetzt, feucht gehalten und mit Folientunnel abgedeckt bzw. in das kalte Gewächshaus gesetzt. So behandelt, wachsen sie in den kommenden Wochen heran und können mitten im Winter geerntet werden.

Wer Kohl in allen Variationen mag, der benötigt nicht einmal Folien und Gewächshäuser, sondern nur sein Beet. Ganz besonders geeignet sind Grün- und Rosenkohl. Selbst Brokkoli kann jetzt noch austreiben.  

Wer ein beheiztes Gewächshaus besitzt, der kann natürlich richtig ans Eingemachte gehen, denn die Grenzen dessen, was sich darin im Herbst und Winter züchten lässt, hängen letztendlich nur vom eigenen Geldbeutel und dem Willen ab, Strom zu geben. Natürlich könnte man auf diese Weise mitten im Winter Tomaten ernten. Aber warum nicht mal ein wenig exotischer?

  • Artischocken benötigen zwar sehr viel Platz und Wasser, sind aber eine äußerst köstliche Bereicherung des Speiseplans.
  • „Süßkartoffeln wachsen hierzulande nur in sehr guten Sommern. Da sie aber echte Gesundheits-Bomben voller Nährstoffe sind, die sich zudem gering auf den Blutzuckerspiegel auswirken, sollten sie definitiv einen Platz im Warmgewächshaus bekommen.“
  • Okra stammt eigentlich aus Afrika, gehört aber mittlerweile auf dem ganzen Globus – außer Europa – zum Speiseplan. Die Samen kann man auf der Fensterbank vorziehen, die Pflänzchen selbst im Gewächshaus.
  • Maniok braucht nur wenig Wasser und Nährstoffe im Boden. Dafür aber müssen die Temperaturen im Gewächshaus konstant über 10°C liegen, sonst stellt die Pflanze ihr Wachstum ein.

Dabei gilt, dass im Warmgewächshaus – theoretisch – alles wachsen kann, was nicht gerade tropische Temperaturen jenseits der 20°C benötigt. Wer das will, muss definitiv auf die Fensterbank und eine regelrechte Batterie von UV-Lampen zurückgreifen. Aber: Viele tropische Pflanzen benötigen eben auch eine hohe Luftfeuchtigkeit, die man in der Wohnung schlicht nicht gewährleisten kann.

 

  1. Und wenn i den Platz net hob?

Nicht jeder verfügt über einen Garten oder auch nur einen Hof, in dem er ein Gewächshaus aufbauen könnte, schließlich besteht das Bayern-Land nicht nur aus Dörfern. Kein Problem, denn bei Gemüse im Winter gilt tatsächlich: „Platz ist in der kleinsten Hütte“. Allerdings wird man damit leben müssen, dass man sich bei der Auswahl etwas beschränken muss.

Zunächst gilt jedoch: Wer einen Balkon hat, insbesondere einen, der nach Süden zeigt, der hat in Sachen Gewächshaus die gleichen Optionen offen – nur mit einem etwas reduzierten Platzangebot. Und selbst für die bereits genannten Wintergemüse bieten sich dann die Möglichkeiten des vertikalen Gärtnerns, bei dem die Pflanzgewächse in der Höhe statt der Breite angelegt werden. Wer diese Wahlfreiheit jedoch nicht hat, muss – wie erwähnt – die Fensterbank nutzen. Und da bietet sich folgendes an:

  • Erbsen und Bohnen. Sie benötigen eigentlich nur einen Blumenkasten und eine Rankhilfe (Stöckchen, senkrecht gespannte Fäden). Allerdings kann das Höhenwachstum rasch das ganze Fenster blockieren, das sollte man bedenken.
  • Salaten jeglicher Art gemein ist, dass sie extrem geringe Ansprüche an den Standort stellen. Tipp: Pflücksalate wie Lolo Rosso, Lolo Bianco und Rucola ermöglichen mehrfaches Ernten, ohne dass gleich die ganze Pflanze entfernt wird.
  • Tomaten freuen sich auf dem Fensterbrett besonders über die Wärme, die von dem darunterliegenden Heizkörper stammt und verströmen schon beim Gießen einen unnachahmlichen Tomatengeruch. Mit etwas Dünger sollten sie sogar noch an Weihnachten genügend Früchte liefern.
  • Knoblauch und Zwiebeln sind schon im Freiland recht anspruchslos. Setzt man sie in Blumenkästen oder größere Kübel, kann man erstaunlich große Mengen davon auf dem Fensterbrett züchten.

Natürlich soll in dieser Liste auch nicht die große Parade der Küchenkräuter vergessen werden. Allerdings ist hier ein wenig Unterscheidung vonnöten: In vielen Supermärkten gibt es kleine Töpfchen mit Erde und den darin wachsenden Kräutern zu kaufen. Kurioserweise sind diese aber gerade nicht für das dauerhafte Wachsen auf dem Fensterbrett geeignet. Im Gegenteil: Topf und Erde sind eigentlich nur eine Art „Haltbarkeits-Verlängerer“, die Kräuter selbst sollten relativ schnell geerntet und verzehrt werden. Einfach weil es Sorten sind, bei denen die Züchter auf hohen Ertrag und rasches Wachsen setzen, nicht jedoch auf gute Haltbarkeit. Wer sich da beispielsweise Schnittlauch oder Petersilie auf die Fensterbank stellt, wird auch bei guter Pflege nach einem Monat feststellen, dass die Pflanze nicht wirklich gesund aussieht.

Nein, für richtig gute Fensterbrett-Kräuter muss man einen Gartenfachmarkt aufsuchen und sich dort langlebigere Sorten geben lassen. Hält man sich dann noch an die Pflegeanleitung, können in den kleinen Töpfchen tatsächlich Basilikum und Co. nicht nur durch den Herbst hindurch, sondern tatsächlich auch im Winter wachsen.

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