Kelchham/Thyrnau. „Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber mir machen solche Bilder echt Angst.“ – „Voll krass“ – „Aus is!“ Die Reaktionen auf das, was sich da am Montagabend (20. Juni 2016) am Himmel über dem Bayerischen Wald abgespielt hat, reichten von verängstigt bis fasziniert. „Tornadoverdacht!!! Weit herabhängende Funnelcloud vor wenigen Minuten bei Hundsdorf/Thyrnau. Gibt es weitere Augenzeugen?“, meldete Hog’n-Wetterfrosch Martin Zoidl gegen 19 Uhr auf seiner Facebook-Seite, nachdem er von einem Fan ein Foto zugesandt bekommen hatte, auf dem ein stockdunkler, wolkenverhangener Himmel zu sehen ist, aus dem ein tornadotypisches, schlauchähnliches Gebilde herausragt…
„Wenn der Wirbel Bodenkontakt hat, handelt es sich um einen Tornado. Solang dies nicht der Fall ist, spricht man von einer einfachen Trichter-Wolke“, erklärt Hog’n-Wetterexperte Martin Zoidl am Tag danach gegenüber dem Hog’n. „Durch die Auswertung aller eingesandten Fotos konnten wir den genauen Ort des Rüssels sehr präzise eingrenzen. Er hing nahe der Ortschaft Kelchham bei Thyrnau vom Himmel“, weiß Zoidl zu berichten.
„Erfahrung zeigt, dass Rüssel auch Bodenkontakt hatten“
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Vor allem bei „unkritischen Tornados“ – 0-Fujitas oder schwächer – ist es dem langjährigen Wetterbeobachter zufolge schwierig, Bodenkontakt nachzuweisen. „Die Windgeschwindigkeiten sind mit unter 100 km/h zu gering, als dass sie Schäden anrichten können. Dadurch lässt sich der Bodenkontakt selbst nicht nachweisen.“ Die Erfahrung zeige jedoch, dass Rüssel, die weit mehr als die Hälfte zum Grund herunterreichen, auch Bodenkontakt hatten, so Zoidl.
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„Tornados sind übrigens keine neuartige Erscheinung in Deutschland und haben auch nichts mit dem Klimawandel zu tun. Es gibt sie überall dort, wo es Schauer und Gewitter gibt“, sagt Martin Zoidl und ergänt: „Die Zunahme solcher Beobachtungen ergibt sich rein daraus, dass heute jeder ein Handy hat – und damit automatisch zum Reporter wird.“
„Trichterwolke ist kein ‚Fast-Tornado‘, sondern Teil des Wirbels“
Tornado-Forscher Thomas Sävert aus Velbert (Nordrhein-Westfalen) befasst sich seit mehr als 25 Jahren mit Tornados in Deutschland. Seine Facebook-Seite zählt mittlerweile mehr als 24.000 Fans. Er bewertet das Wetter-Phänomen in ähnlicher Form wie Martin Zoidl:
„Am Montagabend bildete sich gegen 18.20 Uhr im Bereich Kelchham, nordöstlich von Passau, eine so genannte Trichterwolke. Darunter versteht man den durch Kondensation (Wolkenbildung) sichtbaren Teil eines Wirbels unterhalb einer Schauer- oder Gewitterwolke. Hat ein solcher Wirbel Bodenkontakt, dann spricht man von einem Tornado, der nicht durchgehend sichtbar sein muss. Da die Trichterwolke vom Montagabend sehr weit hinabreichte, ist es sehr wahrscheinlich, dass der gesamte Wirbel Bodenkontakt hatte. Der Fall ist daher als plausibler, aber noch nicht ganz bestätigter Tornado in die Tornadoliste eingetragen.
Tornado-Experte Thomas Sävert aus Velbert.
Die Suche nach Schäden hat bisher nichts ergeben. Wenn man also eine solche Trichterwolke beobachtet, sollte man aufpassen – darunter könnte der Wirbel auch am Boden schon vorhanden sein und Schäden anrichten. Eine Trichterwolke (englisch Funnelcloud) ist also keine Vorstufe eines Tornados oder ein „Fast-Tornado“, sondern ein Teil des Wirbels.
Während der Unwetterlage in den vergangenen drei Wochen gab es zahlreiche Sichtungen in Deutschland, was vor allem auf die eingefahrene Wetterlage zurückzuführen ist. Die Zahl der Tornados und Tornadoverdachtsfälle ist zwar seit Ende der 1990er drastisch angestiegen – dies liegt aber vor allem an der gestiegenen Aufmerksamkeit und der inzwischen fast flächendeckenden Handyverbreitung sowie der Einrichtung einer Meldestelle. Ein echter Trend oder Einfluss durch den Klimawandel ist nicht absehbar. Tornados gab es auch in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten in Niederbayern, darunter auch einige starke mit großen Schäden.“
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