Die „Postkellerfreunde Regen“ sind dem Untergrund auf der Spur…

Regen. Ganze 250 Mitglieder zählen mittlerweile die Postkellerfreunde aus Regen, die sich vor sechs Jahren, am 15. November 2009, gegründet haben. Die Freunde kümmern sich darum, die rund 25 alten Bier- und Eiskeller der Stadt Regen nach und nach wieder zu öffnen – und sie begehbar zu machen. Die wenigsten dieser Keller werden noch privat genutzt. „Daher ist es unser Anliegen, diese ‚vergessenen‘ Keller wieder zu reaktivieren und zu beleben“, erklärt Sigrid Schiller-Bauer die Intention des Vereins, sich den alten Gewölben anzunehmen.

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Die Keller im „Regener Untergrund“ werden auch für öffentliche Veranstaltungen genutzt.

Vom Weißbierkeller über den Eiskeller bis zum Pius-Keller

2008 habe man mit der Erst-Öffnung einer dieser Keller begonnen. Rasch fanden sich im Laufe der Zeit immer mehr Mitstreiter, sodass bereits ein Jahr später die Entscheidung fiel, einen Verein mit anfänglich 45 Mitgliedern zu gründen. Sechs der 25 Keller, die sich im Untergrund der Stadt Regen befinden, konnten die Mitglieder bisher wieder zugänglich machen. Momentan, so Sigrid Schiller-Bauer, sei man damit beschäftigt, einen weiteren Keller zu reaktivieren, der am 12. September freigegeben und eingeweiht werden soll.

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Zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei den Postkellerfreunden: Sigrid Schiller-Bauer aus Regen.

Entstanden sind die Keller im Zuge der Brau-Industrie. Da Bier als verderbliches Lebensmittel kühl gelagert werden muss, hatte man hierfür in den vergangenen Jahrhunderten mehrere Keller in der Pfleggasse entstehen lassen. Aber auch als Zufluchtsort für die Regener Bürgerschaft während des Krieges erfüllten die unterirdischen Gewölbe zeitweise ihren Zweck. Bereits im Jahr 1689 sind in Regen 14 dieser Keller bekannt.

Neben den drei Postkellern, darunter einem heutzutage eigens für Veranstaltungen verwendeten Keller, gibt es sechs weitere, von denen jeder seine eigene Geschichte besitzt – und auch dementsprechend genutzt wird. Welche Bedeutung das Weißber für Bayern hatte, erklärt etwa der „Huber-Weißbierkeller“, der sich einst im Besitz der Regener Weißbierbrauerei Huber befand. Wohingegen der „Eiskeller“ eine Antwort darauf gibt, inwiefern ein Zusammenhang zwischen Eis und der Herstellung von Bier besteht. Im „Pius-Keller“ soll Augusta Winkler, die Erfinderin des bekannten Pichelsteiner-Eintopfes, ihr Gemüse gelagert haben.

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Fleißig angepackt wurde im Rahmen vieler ehrenamtlicher Stunden, um die Kellergewölbe von Unrat und Schmutz zu befreien.

Ein weiteres Highlight stellt der etwa 300 Jahre alte „Breinwirt-Keller“ dar, in dem es seit 2013 Paaren ermöglicht wird, sich das Ja-Wort zu geben. „Vor allem immer mehr Eheleute von auswärts entscheiden sich, hier zu heiraten“, sagt Schiller-Bauer, die für die Öffentlichkeitsarbeit im Verein zuständig ist. „Alle Keller haben also einen festen Platz in der Regener Stadtgeschichte.“

„Auch der Vorstand kann mal Indianer sein wie die anderen“

Der Verein finanziert sich hauptsächlich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Führungen sowie sonstige Veranstaltungen. Auch wenn das Hauptaugenmerk bei der Arbeitsleistung auf vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten liege, sehen sich die Postkellerfreunde mit diversen Unkosten konfrontiert, die weitere Einnahmequellen erfordern. „Bisher konnten wir über die Jahre 57.000 Euro einnehmen, die letztlich der Wieder-Begehbarmachung und Öffnung der Keller zugute kommen“, erklärt die Kulturreferentin im Regener Stadtrat.

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Seit 2009 versuchen die Mitglieder des Vereins die noch begehbaren Keller in Eigenregie wieder zu aktiveren.

Gearbeitet wird in verschiedenen Teams, wie zum Beispiel einem Bau-, Hochzeits- oder Führungsteam, deren Mitglieder sich jeweils selbst organisieren und miteinander vernetzen. So kann sich jeder gemäß seiner Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen und zum Gesamtgelingen beitragen. Laut Sigrid Schiller-Bauer sei insbesondere diese dezentrale Hierarchiestruktur genau das, was den Verein so angenehm mache. „Bei uns ist es nämlich so, dass beispielsweise der Vorstand nicht zwingend der Häuptling sein muss, sondern genauso Indianer sein kann wie die anderen.“

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Historisch wertvoll: die Arbeit der Postkellerfreunde Regen.

Für Interessierte bieten die Postkellerfreunde turnusmäßig immer donnerstags ab 19 Uhr Führungen an. Die nächsten Termine sind am 10. und am 24. September. Treffpunkt ist das Niederbayerische Landwirtschaftsmuseum in der Schulgasse. (Nach Absprache sind auch jederzeit Gruppenführungen möglich. Darunter werden auch spezielle Führungen für Kinder angeboten.)

Am Sonntag, 13. September, findet zudem von 13 bis 17 Uhr der „Tag des offenen Denkmals“ statt. Im Rahmen der Herbstkonzerte im Postkeller treten dann am 25. September die Band „Keller Steff“ sowie am 21. November die Gruppe „Max Hurricane and the eSKAlators“ auf.

David Salimi

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