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Riedlhütte. In knapp zwei Wochen findet in der Gemeinde St. Oswald-Riedlhütte ein Bürgerentscheid zum geplanten Neubau des gemeinsamen Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Riedlhütte-Reichenberg statt. Gegenstand des Entscheids ist der Kostenumfang des Gebäudes – ein Fall, der für viel Diskussionsstoff sorgt. Kürzlich hielt man dazu eine Info-Veranstaltung ab, bei der sowohl die betroffenen Feuerwehren, die Bürger als auch die Initiatoren des Bürgerbegehrens zu Wort gekommen sind und ihren Standpunkt darlegen konnten. Geleitet wurde die teils sehr emotionale Veranstaltung von Bürgermeister Helmut Vogl. Hog’n-Mitarbeiterin Vera Neumann hat den Schlagabtausch beobachtet und ist dem Zwiespalt auf den Grund gegangen.

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Diskutierten öffentlich ihre unterschiedlichen Standpunkte (von links): Die Kommandanten Stephan Eichinger und Thomas Mayer, Kreisbrandrat Norbert Süß, Architekt Andreas Köck (verdeckt), Bürgermeister Helmut Vogl, Geschäftsleiterin Nina Vater, Kämmerer Paul Hopf und Uwe Schloßnagel, einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens.

Die beiden Feuerwehren Riedlhütte und Reichenberg bilden bereits seit 1992 einen Löschzug, seit 1995 zudem den einzigen Gefahrgutzug im Landkreis Freyung-Grafenau. Vor Kurzem haben die beiden Wehren beschlossen, sich zu einer Freiwilligen Feuerwehr zusammenzuschließen. Auch ein räumlicher Zusammenschluss soll nun erfolgen – in Form eines neuen, gemeinsamen Feuerwehrgerätehauses. Die Bau- und Finanzierungspläne dazu wurden im vergangenen Jahr vorgestellt – und lösten sofort einen heftigen Disput aus.

Viele haben Bedenken: Unterschriftenaktion und Bürgerbegehren

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Das geplante Gebäude mit sechs Stellhallen und einem Sozialtrakt soll nach aktuellen Schätzungen rund 1,6 Millionen Euro kosten. Eine Summe, die bei einigen Bürgern für große Bedenken sorgt. Unter anderem bei Uwe Schloßnagel aus Höhenbrunn. Er stimme zwar einem Zusammenschluss der Feuerwehren und auch dem Neubau generell zu, wie er auch immer wieder beteuert – sehe aber keinen Nutzen in einem so großen und teuren Bauwerk. Er stelle vor allem die Notwendigkeit des Gefahrgutzuges in Frage, da der ursprüngliche Grund dafür – die Glashütten in Spiegelau und Riedlhütte – nicht mehr existiere. „Die Gefahrenlage hat sich geändert“, so Schloßnagel. Zudem sei ein Millionenbau, der für die Gemeinde einen Kostenaufwand von 700.000 Euro bedeutet, für den Schuldenstand der Kommune nicht tragbar. Daher initiierte der Höhenbrunner mit ein paar Mitstreitern eine Unterschriftensammlung, um somit ein Bürgerbegehren zu erwirken. Beides hatte Erfolg – und so entscheiden nun am 30. März die Bürger über den Umfang des geplanten Baus.

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„Jeder soll sich selbst fragen, was ihm seine Sicherheit wert ist“

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Die Feuerwehr Riedlhütte-Reichenberg hofft auf einen Ausgang zu ihren Gunsten. Foto: www.feuerwehr-riedlhütte.de

Den Feuerwehrkameraden kommt die ablehnende Haltung einiger ihrer Mitbürger indessen einem „Angriff auf das Ehrenamt“ gleich, wie es Werner Gollis, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Riedlhütte, nannte. Thomas Mayer, Kommandant der Riedlhütter Wehr, kann die Reduzierung der Debatte auf die Kosten nicht verstehen: „Es geht nur ums Geld, dabei schaut eh jeder Beteiligte, dass die Kosten so gering wie möglich gehalten werden.“ Außerdem würden die Feuerwehren mehr als 300.000 Euro an Eigenleistung aufbringen. Vielmehr solle sich jeder selbst fragen, was einem seine Sicherheit wert sei, insistiert Mayer. Auch die Infragestellung des bisherigen, durch die Regierung bestätigten Fahrzeugkonzepts, stößt auf Unverständnis seitens der Feuerwehrler. Sollte das neue Feuerwehrhaus aufgrund des Bürgerentscheids kleiner gebaut werden als geplant, würden nicht nur wichtige Fördergelder für die Finanzierung wegfallen, sondern auch der Gerätewagen Gefahrgut ersatzlos gestrichen werden. Und sollte es im Landkreis Freyung-Grafenau dann zu Gefahrgutunfällen kommen, müssten entsprechende Fahrzeuge aus den Nachbarlandkreisen angefordert werden.

Unterstützung von Seiten des Landkreises wäre wünschenswert

Auch Bürgermeister Helmut Vogl betonte, dass man die tatsächlichen Kosten „so gering wie möglich“ halten wolle. „Und was ist, wenn die Kosten höher ausfallen als erwartet?“, lautete eine Frage aus dem Publikum. Dazu konnte bzw. wollte man sich jedoch (noch) nicht äußern. Initiator Schloßnagel wurde unter anderem ebenfalls mit der Frage konfrontiert, welche Lösung er denn vorziehen würde: „Sie sagen, man soll das Feuerwehrhaus kostengünstiger bauen. Aber wie?“ Darauf hatte Schloßnagel jedoch auch keine Antwort parat …

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Gut 200 Interessierte verfolgten die Diskussion in der Turnhalle und beteiligten sich mit eigenen Fragen an der Debatte um den geplanten Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Standort Riedlhütte.

Die verschiedenen Fragen und Anmerkungen an diesem Info-Abend machten deutlich, wie gespalten die Gemüter in der Gemeinde wirklich sind – auf den kommenden Bürgerentscheid darf man daher gespannt sein. In einem Punkt stimmten beide Fronten jedoch überein: Eine finanzielle Unterstützung von Seiten des Landkreises wäre äußerst wünschenswert …

Vera Neumann


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