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Freyung. Diplom-Ingenieur Rainer Pöschl hat an der Hochschule Deggendorf Elektrotechnik studiert und arbeitet seit 2009 am Technologiecampus Freyung (TC). Gemeinsam mit drei weiteren Mitarbeitern sowie zwei Praktikanten ist er für „Automotive Electronics“ zuständig. In unserer „G’forscht und Tüftlt“-Serie erklärt der aus Jandelsbrunn stammende Techniker was Automotive Electronics genau bedeutet und wie die Automobilindustrie von den Forschungsergebnissen am TC profitieren kann.

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So sieht ein Versuchsaufbau mit Steuergeräten für den Test von Energiesparfunktionen aus. Fotos: Pöschl

„Es ist wichtig, dass Steuergeräte in Autos wenig Strom verbrauchen“

Herr Pöschl, was ist unter dem Begriff Automotive Electronics zu verstehen?

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Automotive Electronics umfasst die gesamte Elektronik im Kraftfahrzeug. Dazu gehört zum Beispiel das elektronische Kommunikationssystem. Dadurch werden die Steuergeräte des Fahrzeugs untereinander vernetzt. Neben der reinen Kommunikation werden zunehmend auch Energiesparfunktionen darüber hinaus realisiert. Vor allem für Elektroautos, aber auch für Diesel-Fahrzeuge und Benziner, ist es wichtig, dass diese Steuergeräte möglichst wenig Strom verbrauchen.

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Diplom-Ingenieur Rainer Pöschl.

Und was sind das genau für Steuergeräte?

Zum Beispiel das Steuergerät für den Anhänger oder das Einparksystem. Die sind bisher immer eingeschaltet und benötigen Energie. Ziel ist es, Steuergeräte je nach Fahrsituation gezielt ein- und auszuschalten.

Warum ist es so wichtig, in diesem Bereich zu forschen? Welche Verbesserungen erwartet man sich dadurch?

Die Forschung ist deshalb wichtig, weil diese Geräte immer mit Spannung versorgt sind – und dadurch ihre Lebensdauer sinkt. Zudem ist die Einsparung von Energie und Kraftstoff ein sehr wichtiger Punkt, vor allem wenn man bedenkt, dass in Oberklassefahrzeugen bis zu 70 Steuergeräte aktiv sind. Wir bewegen uns hier aber immer noch im Forschungsbereich. Die ersten Steuergeräte mit größeren Einsparmöglichkeiten werden bei BMW demnächst in Serie verbaut.

„Alle Autofahrer profitieren von einem Fahrzeug, das wenig verbraucht“

Für welche Betriebe in unserem Landkreis  ist dies besonders interessant?

Für die regionalen Betriebe vor Ort ist unser Know-how über Bussysteme und Embedded Systems in vielen Bereichen interessant. Neben Entwicklung und Aufbau elektronischer Schaltungen kümmern wir uns auch um die dazugehörige Software. Somit profitieren besonders diejenigen, die sich mit der Integration von elektronischen Systemen in ihren Produkten beschäftigen.

Elektroautos
Für Elektroautos ist die Forschung in dem Bereich „Automotive Electronics“ sehr wichtig, weil es die Reichweite steigert, wenn wenig „Strom“ verbraucht wird.

Im Bereich Automotive kooperieren wir derzeit mit einem kleineren Automobilzulieferer aus Deggendorf, der von der Zusammenarbeit mit uns direkt profitiert. Indirekt aber haben natürlich alle Autofahrer von unserer Forschung einen Vorteil, weil sie dadurch irgendwann ein Fahrzeug bekommen, dass weniger Strom bzw. Kraftstoff verbraucht.

Wie wichtig ist dieser Bereich für die Zukunft?

Sehr wichtig. Vor allen Dingen bei Elektroautos kommt es auf  ihre Reichweite an. Diese wird gesteigert, indem die Fahrzeuge möglichst wenig ‚Strom‘ während der Fahrt verbrauchen.

Die Automobilhersteller dürfen außerdem die vorgeschriebenen CO2-Grenzwerte nicht überschreiten, weil ihnen sonst empfindliche Geldstrafen drohen. Auch bei einem Diesel-Fahrzeug oder einem Benziner kommt man deshalb ohne Stromeinsparung nicht mehr aus.

Gibt es aktuelle Erfolge, die in einem bestimmten Auto schon sichtbar sind?

Die Forschungsergebnisse werden erst in zukünftigen Serienprodukten berücksichtigt. Sie sind deshalb bisher noch nicht sichtbar. Die Prozesse werden aber auch zukünftig im Hintergrund ablaufen, so dass der Fahrer davon nichts merkt.

Wo stößt die Forschung derzeit noch an ihre Grenzen – und warum?

Ich würde nicht sagen, dass es harte Grenzen gibt. Jedoch steigen Entwicklungsaufwand und Kosten je mehr man eine Technologie ausreizt.

Herr Pöschl, vielen Dank für das Interview.

 Dike Attenbrunner


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