BastianK: Polaroid ist wie Zauberei!

Freyung. „BastianK“ heißt mit bürgerlichem Namen Bastian Kalous, ist 31 Jahre alt und wohnt in Freyung. Als Gesundheits- und Krankenpfleger arbeitet er im dortigen Krankenhaus. Am liebsten würde er jedoch die ganze Welt bereisen, um diese auf Polaroids zu bannen. Polaroid? Ja, das kennen wohl nur noch die Wenigsten… Was dabei Wunderschönes entstehen kann und wie er dazu kommt, im Zeitalter der digitalen Fotografie auf altmodische Filme zu setzen, verrät BastianK im Hog’n-Interview.

Habitat – am Arber, 2012. Abgelaufener Polaroidfilm vom Typ 79. Polaroids: BastianK.

Bastian, wie bist Du auf Polaroids gekommen?

Inspiriert durch Polaroid-Fotos, die ich hier und da gesehen habe, wollte ich dieses Fotomedium selbst ausprobieren. Glücklicherweise fand sich zu Hause eine alte, lange nicht mehr benutzte Polaroid-Kamera und auch noch der ein oder andere passende Film. Die ersten Schnappschüsse wurden geschossen – und die Leidenschaft war entflammt!

Polaroids – Sofortbildfilme mit eigenem Charme

Was sind Polaroids denn eigentlich?

Polaroids sind Sofortbildfilme, wobei es da verschiedene Arten von Filmtypen gibt. Zum einen den sogenannten Packfilm, der als erstes auf den Markt kam. Hierbei wird die Bildeinheit, das belichtete Negativ und das Positiv, auf dem später das entwickelte Bild zu sehen ist, per Hand aus der Kamera gezogen. Beim Herausziehen wird die Bildeinheit durch zwei Walzen in der Kamera gepresst, wodurch sich die Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilt. So entsteht sofort, also nach einer Wartezeit zwischen 30 und 90 Sekunden und je nach Filmtyp das Bild. Das Negativ und das Positiv müssen jetzt wieder voneinander getrennt werden – und schon lässt sich das Kunstwerk bestaunen. Dieses Entwicklungsverfahren gleicht dem der Großformatsofortbildfotografie. Hier wird die Bildeinheit nicht aus einer Kamera, sondern aus einer speziellen, mit der Kamera kompatiblen Filmkassette gezogen. Zum anderen gibt es das wohl gängigere Sofortbildformat, das automatisch aus der Kamera fährt: Das ist der Integralfilm. Ein quadratisches Foto, das sich vor den Augen des Fotografen entwickelt. Und als kleiner Tipp: Die Fotos müssen nicht geschüttelt werden! Das kann sogar zu „Bildfehlern“ führen, die aber wiederum ihren ganz eigenen Charme haben können.

So sieht eine Polaroid Pathfinder 110a aus.

Was braucht man, um Polaroids machen zu können?

Um Fotos machen zu können, braucht man Sofortbildfilme von Polaroid oder http://www.the-impossible-project.com/ – und dazu am besten eine original Polaroid-Kamera. Da gibt es allerdings x-verschiedene Modelle für Packfilm und Integralfilm. Packfilmkameras lassen sich unterscheiden zwischen einfachen Modellen, bei denen es fast keine Einstellungsmöglichkeiten gibt. Diese bekommt man heute noch relativ günstig auf diversen Auktionsseiten im Internet. Bei professionellen Modellen lassen sich die Belichtungszeiten manuell einstellen, was fotografisch mehr Möglichkeiten eröffnet. Diese Kameras sind natürlich interessanter, seltener zu bekommen und vor allem teurer. Bei Kameras für den Integralfilm gibt es nicht so große Unterschiede. Es geht vor allem um eventuelle Fokussierungsmöglichkeiten, eingebaute Blitze, aber auch um die Qualität der Linsen – wobei sich vor allem Linsen aus Glas qualitativ bewähren. Wer mehr Interesse daran hat, kann einfach mal hier stöbern.

 „Polaroids sollen in erster Linie Spaß bringen“

Du warst auch schon auf einigen Ausstellungen zu sehen. Wo?

Dieses Jahr war ein Foto von mir in einer Ausstellung in Kanada zu sehen. Eine andere, und auch die aktuellste, ist die Documenta in Kassel, wo ebenfalls ein Foto von mir ausgestellt ist. Das ist Teil eines Projekts, bei dem mehrere Polaroidkünstler dabei sind. Keine Ausstellung, aber trotzdem ein schönes Projekt, ist ein Kalender in Polaroidformat, in dem zwei meiner Fotos veröffentlicht worden sind.

Der Künstler und sein Werkzeug: Bastian Kalous.

Muss man ein gelernter Fotograf sein, um so gute Polaroids machen zu können?

Nein, muss man nicht. Polaroids sollen in erster Linie Spaß bringen. Für professionelle Fotografen waren sie eigentlich nur Test und „Abfall“ bei ihren Shootings. Sie benutzten Sofortbildfilme, um die richtige Belichtung für ihre eigentlichen Fotos zu testen. Vor allem wurden diese Fotos aber geschossen, um sehr private Fotos, die kein Mensch zu Gesicht bekommen sollte, nicht zum Entwickeln ins Fotolabor bringen zu müssen. Also waren auch da eher Laien der Fotografie am Werk. Soll heißen: Kamera raus, Film rein und los geht’s.

Wie hast Du Dein Handwerk gelernt?

Meiner Meinung nach bin ich noch mittendrin im Lernprozess. Es gibt so vieles, das es beim Fotografieren zu wissen gibt. Da wünschte ich, ich hätte das Handwerk tatsächlich von einem Profi gelernt. Ein Austausch mit „Gleichgesinnten“ erweist sich immer wieder von Vorteil, um sich Tipps zu holen oder um Tipps an andere weiterzugeben.

Auditorium – mit abgelaufenem Polaroidfilm Typ 54

Was können Polaroids, was „normale“ Fotos nicht können?

Das für mich Interessante bei Polaroids, wie auch bei den Impossible Filmen, ist das meist unerwartete Ergebnis. Sofortbildfotografie kann nur zu einem gewissen Teil vorherbestimmt werden, der andere Teil hängt vom Material selbst ab. Zauberei! Da vor allem die Polaroidfilme schon Jahre bis Jahrzehnte lang abgelaufen sind, kann man fast immer auf etwas kreatives, was allerdings der Film selber „entscheidet“, hoffen. Diese speziellen „Bildfehler“ oder verwaschenen Farben könnten selbstverständlich auch digital in Photoshop gezaubert werden – was aber für mich keinesfalls die gleiche Magie wie das Polaroidmaterial hat, das man nur wenige Augenblicke später in seinen Händen halten und bewundern kann. Einen weitern Reiz macht für mich aus, dass man sich vor dem Drücken des Auslösers genauestens überlegen muss, was auf dem Bild sein soll. Das Löschen des Fotos ist hier natürlich nicht möglich und stellt so eine gewisse Herausforderung dar.

Polaroids – Kunst im Sofortbild festhalten

Ist das ein teures Hobby?

Über Geld soll man doch nicht sprechen … Aber es macht auf jeden Fall richtig viel Spaß!

Ist das eigentlich Kunst?

Kunst liegt bekanntermaßen im Auge des Betrachters. Da Fotografie im Allgemeinen Kunst ist, bildet Sofortbildfotografie da keine Ausnahme. Ich habe im Laufe der Zeit viele Polaroid-Fotografen kennengelernt, die alle auf ihre ganz eigene Weise Kunst im Sofortbild festhalten.

Wie verändern Polaroids den Blick auf Orte und Menschen? Wie ist das beispielsweise  mit dem Bayerischen Wald?

Polaroids zu schießen, hat mich persönlich dazu gebracht, die Natur, speziell im Bayerischen Wald, mit weit geöffneten Augen zu betrachten. Es gibt auf jeden Fall mehr zu entdecken als nur tote, stachelige, graue Baumleichen. Natur pur, eine wunderschöne Landschaft – auch ohne Polaroids. Mit der Hilfe des abgelaufenen Polaroidmaterials wird diese Schönheit für mich noch verstärkt zum Ausdruck gebracht. Dessen Farben, kreative Fehler und Bildformate verändern in gewisser Art und Weise die reale Welt in eine interessante Fantasiewelt, in der man unendlich viele Abenteuer erleben kann.

Wie lange dauert es, bis Du sagst: Dieses Polaroid ist gut gelungen, das behalte ich?

Es dauert genau so lange, bis das Foto entwickelt ist. Jedes einzelne Foto ist für mich ein Unikat mit seinem eigenen Charme, wobei ich eher mehr als einmal weniger zufrieden bin. Hier spreche ich wieder von dem Reiz, den Sofortbildfotos ausmachen: Man muss ganz genau überlegen, was man wie fotografiert. Behalten werden grundsätzlich alle, weniger als zehn sind im Mülleimer gelandet.

„Der Bayerische Wald – eins meiner Lieblingsmotive“

Was ist Dein Lieblingsmotiv?

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich tatsächlich ein Lieblingsmotiv habe. Wenn, dann gehört da sicherlich der Bayerische Wald dazu, weil ich hier mittlerweile über 30 Jahre meines Lebens verbringe und vor nicht allzu langer Zeit meine Faszination dafür gefunden habe. Sofortbildfotografie hat dazu auch einen wesentlichen Teil beigetragen. Ebenfalls ein Lieblingsmotiv ist meine bessere Hälfte Julia, die mir immer als Fotomodell, aber auch als Fotografin oder Assistentin zur Seite steht. Auch sie ist der Polaroidmagie verfallen und deshalb der ideale Partner, um Fotoideen zu verwirklichen. Last but not least, die Hündin Schoki. Der beste, fast-menschliche Begleiter, den man an seiner Seite haben kann.

Wie lange machst Du das schon? Hast Du Vorbilder?

Polaroids mache ich mittlerweile seit vier Jahren. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht, da die Begeisterung eher steigt als nachlässt. Vorbilder gibt es natürlich auch. Aber diese hier aufzuführen, würde viel zu lange dauern. Zu sehen gibt es sie auf diversen Internetseiten, die mit Fotografie und schwerpunktmäßig natürlich mit Instantfotografie zu tun haben, wie http://www.polanoid.net/, www.flickr.com, www.the-impossible-project.com, www.polaroid-passion.com.

Und was ist Dein neuestes Projekt?

Ein nächster Halt ist in diesem Sommer in Schweden geplant, natürlich mit meinen bevorzugten Models Julia und Schoki.

da Hog’n

–> Wer noch mehr Polaroids von BastianK sehen möchte:

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