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Freyung-Grafenau. Toleranz und eine verbesserte Arbeitsplatzsituation, darin sieht Landrat Ludwig Lankl die beiden Schwerpunkte des vhs-Projekts namens „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“, das am Dienstag vorgestellt wurde. Das im Rahmen des Bundesprogramms „XENOS – Integration und Vielfalt“ geförderte Projekt soll benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund beim Einstieg in den Arbeitsmarkt und bei der Integration in die Gesellschaft dauerhaft und nachhaltig unterstützen.

Von Loeffelholz: „Migranten sind das Fachpotenzial der Zukunft“

BAMF-Chefökonom Dr. Hans-Dietrich von Loeffelholz und Landrat Ludwig Lankl

Angesichts eines niedrigen Ausländeranteils und einer annähernden Vollbeschäftigung im Landkreis Freyung-Grafenau, stellt sich natürlich die berechtigte Frage: Brauchen wir ein solches Projekt überhaupt?

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Dr. Hans-Dietrich von Loeffelholz, Chefökonom und Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Migrations- und Integrationsforschung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), den die vhs zur Auftaktveranstaltung eingeladen hatte, beantwortet diese Frage mit einem klaren „Ja“. Die weiterhin gute Konjunktur verstärke den aktuellen Fachkräftebedarf,  so der Redner; und auch längerfristig steige wegen der sogenannten „Schrumpfung und Alterung des Erwerbspersonenpotenzials“ der Bedarf an qualifizierten Migranten. „Ohne Zuwanderung und eine konstante Erwerbsquote wird dieses Potenzial schon in den nächsten 13 Jahren, bis 2025, von heute 45 Millionen Personen auf nur noch 38,1 Millionen zurückgehen“, lautet seine Prognose. Im Landkreis Freyung-Grafenau bedeute dies einen Rückgang „um eineige Tausend“.  Von Loeffelholz: „Die Vielfalt nimmt zu und damit auch der Integrationsbedarf – deshalb ist das XENOS-Programm auch so wichtig.“ Ansässige wie zuziehende Migranten seien das Fachkräftepotenzial der Zukunft – vor allem Migranten mit türkischem Migrationshintergrund und junge Aussiedler. Bisher gebe es noch wenige Menschen mit Migrationshintergrund in der Region FRG. Dies werde sich jedoch aufgrund der zunehmenden Vielfalt der Bevölkerung ändern.

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Multikulturelle Rockband zur Steigerung der Integration von Migranten

Vhs-Geschäftsführer Klaus Hippmann. Fotos: Da Hog’n

Vhs-Geschäftsführer Klaus Hippmann ergänzte, dass es sich bei „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ um ein „sehr breit angelegtes Projekt“ handle. Helmuth Peter, Grafenaus ehemaliger Bürgermeister und ehrenamtlicher Leiter der Landkreis-vhs, pflichtete dem bei und bedankte sich für die bis dato fruchtbare Zusammenarbeit. Angedacht ist laut Hippmann unter anderem eine internetbasierte, mehrsprachige Informationsplattform. Hier sollen sich Migranten zum Beispiel darüber informieren können, wo sie ihre Kinder im Kindergarten anmelden oder an welche Ansprechpartner sie sich bei dringenden Fragen wenden können. Geplant sind unter anderem noch: Die Entwicklung einer Marke namens „Unternehmen für Vielfalt und Toleranz“, interkulturelle Workshops und Einstellungsverfahren, ein Film- bzw. Handyfilmwettbewerb in Schulen sowie eine multikulturelle Rockband. „Diese Punkte sollen als Hilfe zur Selbsthilfe betrachtet werden“, sagte Hippmann mit Nachdruck. Die vhs wolle damit keine Ämter oder Dienststellen ersetzen.

Beispielhaft für gelungene Intergration: Die gebürtige Philippinin Dinahrie Koschka.

Wie wichtig solche Integrationsprojekte sind, zeigte auch der Besuch von Dinahrie Koschka (30), die vor fünf Jahren von den Philippinen nach Deutschland kam und eindrucksvoll schilderte, welche Schwierigkeiten sie überwinden musste und wer ihr dabei behilflich war. Mittlerweile spricht sie fließend Deutsch und wurde vor einem Jahr eingebürgert.

2,6 Millionen Euro werden den Projektpartnern zur Verfügung gestellt

Zu den Projektpartnern gehören die Volkshochschulen Hof, Passau, Freyung-Grafenau und Cham. 2,6 Millionen Euro stehen den vier Projektpartnern zur Verfügung, Lead-Projektpartner ist die vhs des Landkreises Hof. Einzelpersonen, Unternehmen und Organisationen sind übrigens herzlich eingeladen, an dem Projekt mitzuwirken, wie Klaus Hippmann informierte.

Wer sich genauer über das Projekt „Grenzenlos tolerant – Toleranz grenzenlos“ und dessen Hintergründe informieren möchte, für den haben wir hier die beiden Präsentationen von vhs-Leiter Klaus Hippmann und Dr. Hans-Dietrich von Loeffelholz bereitgestellt:
Grenzenlos tolerant-Toleranz grenzenlos Präsentation Hippmann vhs

Präsentation Loeffelholz BAMF

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