AKW Temelin: Online-Petition zur Verhinderung einer Atomkatastrophe

Marktredwitz/Aldersbach. „Stoppt Temelin – gefährliche Schweißnähte untersuchen!“ So lautet der Titel der von Brigitte Artmann initiierten Online-Petition, die aktuell mehr als 77.000 Unterschriften zählt. Diese werden am kommenden Donnerstag in Bonn an den technischen Leiter der deutschen Atomaufsicht übergeben. Auch die ehemalige Passauer Bundestagsabgeordnete und derzeitige Kreisrätin Halo Saibold will – neben zahlreichen Unterstützern der Kampagne – bei der Übergabe vor Ort mit dabei sein. Die Gruppe wolle aus dem Ministerium berichten und weiter Druck machen, „bis dieses Atomkraftwerk und andere, die die Sicherheit der Menschen gefährden, geschlossen werden.“

„Stoppt Temelin“ – plakativ bewerben die Atomgegner ihre Online-Petition zur Schließung des Atomkraftwerks Temelin.

Artmann: „Das ist ein Skandal und bringt uns alle in Gefahr“

„Das Kraftwerk Temelin weist gefährliche Mängel auf. Insbesondere die Schweißnähte drohen dem Druck des Reaktors nicht standzuhalten“, schildert Brigitte Artmann von der in Marktredwitz im Fichtelgebirge heimischen Bürgerinitiative „Stoppt Temelin“ die Brisanz der Situation. „Tschernobyl und Fukushima haben uns das Ausmaß der Atomkatastrophe vor Augen geführt. Eine weitere wollen wir unbedingt verhindern“, heißt es in einer Pressemitteilung Artmanns. Gemeinsam mit mehr als 77.000 weiteren Temelin-Gegnern fordert sie mit ihrer Change.org-Petition die dringende Untersuchung des tschechischen Atomkraftwerks durch unabhängige Experten.

Petitionsinitiatorin Brigitte Artmann auf dem Rednerpodest bei der jüngsten Temelin-Konferenz im vergangenen März in München.

Die Landräte aus dem oberfränkischen Landkreis Wunsiedel (Dr. Karl Döhler) im Fichtelgebirge sowie dem niederbayerischen Landkreis Passau (Franz Meyer) haben sich bereits an das Bundesumweltministerium gewandt und auf Untersuchungen gedrängt. Im Landkreis Passau sogar mit Beschlussfassung in einem Ausschuss. „Zwei unabhängige Experten aus Deutschland hatten dringend dazu geraten“, heißt es in der Pressemitteilung weiter, „alle Schweißnähte des atomaren Kreislaufs von Temelin I prüfen zu lassen“. Dieser Reaktor habe eine gefährliche Schweißnaht direkt am Reaktordruckgefäß, die unter Stress nicht halt, wie eine Inspektorin der tschechischen Atomaufsicht mitteile. „Sie bekam einen Maulkorb. Der Landkreis Passau ist nur 60 Kilometer von den beiden sehr störanfälligen russischen Reaktoren entfernt.“

„Doch die Bundesregierung bleibt untätig. Das ist ein Skandal und bringt uns alle in Gefahr“, lautet das Fazit der Wunsiedler Kreisrätin Brigitte Artmann, die am Donnerstag (13. Juli) in Bonn die Petitionsergebnisse an Ministerialdirigent Elsner, dem technischen Leiter der deutschen Atomaufsicht, überreichen wird. Beim Übergabetermin mit dabei sein werden Vertreter von Change.org, der Nuklearexperte Jan Haverkamp von Nuclear Transparency Watch, die Grünen Fichtelgebirge und die Passauer Kreisrätin Halo Saibold.

Saibold: „Vertraglich zugesichertes Recht einfordern“

Halo Saibold.

„Die Petenten und Petentinnen fordern die Bundesregierung auf, endlich die Sicherheitsinteressen der Menschen im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet wahrzunehmen und das ihr vertraglich zugesicherte Recht zu einer unverzüglich notwendigen Untersuchung des Reaktors durch unabhängige Experten einzufordern“, teilt Saibold dazu mit.

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