Mord verjährt nie (14): Trauriges Familiendrama in Wegscheid

Wegscheid. Zahlreiche spektakuläre Fälle haben wir im Rahmen der Hog’n-Serie Mord verjährt nie in Zusammenarbeit mit dem Passauer Autoren Franz Hartl bereits veröffentlicht. Dabei taten sich menschliche Abgründe auf, die einem beim Lesen kalte Schauer über den Rücken jagten. Realität gewordener Horror, von Menschen Hand gemacht. Nicht weniger schrecklich ist auch der letzte Teil unserer Mordserie, der sich mit einem traurigen Familiendrama in Wegscheid beschäftigt.

Zahlreiche spektakuläre Kriminalfälle, die im Rahmen der Serie „Mord verjährt nie“ auf hogn.de veröffentlicht worden sind…

„Was muss passieren, dass ein kreuzbraver Sohn seine Mutter tötet und seinem Leben ein Ende setzen möchte? Nach Meinung des Staatsanwaltes in Passau: ‚Viele schlimme Dinge.‘

Was war geschehen? Wegen Totschlags an seiner Mutter (83) musste sich ein lediger Arbeiter (40) aus einem Weiler bei Wegscheid vor dem Landgericht Passau verantworten und wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Großfamilie, die zurückgezogen im Bayerischen Wald lebt, wird seit Jahren von Schicksalsschlägen heimgesucht. Der Vater war 1972 früh verstorben. Der älteste Sohn mit 16 Jahren musste dem dreijährigen Nesthäkchen und jetzt Angeklagten den Vater ersetzen. Ein jüngerer Bruder, behindert, starb ebenfalls früh.

Der zum Zeitpunkt des Mordes noch lebende, ältere Bruder und Ersatzvater war mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit infiziert und dem Tode geweiht, er verfiel rasant. Der ledige Angeklagte war über den Zustand seines Bruders verzweifelt und wurde schwermütig.

Die gläubige Seniorin hätte sich wohl nie das Leben genommen

Am wenigsten kam die Mutter mit der Rinderwahn-Infektion ihres Buben klar. Der Arzt: ‚Die war schon lange vom Leben gezeichnet. Für sie war das alles zu viel. Sie empfand es als Schande, dass wieder ein Sohn erkrankt war. Und auch noch ausgerechnet an dieser Krankheit.‘ Die gläubige Seniorin hätte sich wohl nie selbst das Leben genommen – Gott sollte sie holen.

…hat der Passauer Autor Franz Hartl in seinem Buch „Wie können Menschen nur so etwas tun?“ gesammelt.

In der Nacht zum Totensonntag 2009 sah auch der Angeklagte keinen Ausweg mehr. Seine Firma hatte auf Kurzarbeit umgestellt, er meinte an seiner Arbeitsstelle nicht mehr gebraucht zu werden, fühlte sich zudem gemobbt. Er litt an schweren Depressionen. Irgendwann nach Mitternacht beschloss er, aus dem Leben zu scheiden. Er wollte sich mit einem Fleischermesser ins Herz stechen, schluckte im Vorfeld Schmerztabletten und verfasste einen Abschiedsbrief.

Bestellung
Franz Hartl (84) aus Passau hat das Buch „Wie können Menschen nur sowas tun?“ in Eigenregie geschrieben und verlegt. Bestellungen sind ausschließlich bei ihm persönlich möglich. Telefonnummer: 0851/4902230.

Beim Schreiben wurde ihm klar: Er konnte seine Mutter keinesfalls einem dritten ihrer sieben Kinder ins Grab nachschauen lassen. Um ihr das zu ersparen, erstickte er sie. Danach versuchte er stundenlang, sich mit Messer, Strom, Strick und Gift zu töten. Vergeblich. Eine Schwester kam dazu, rief die Polizei und den Notarzt. Ohne ärztliche Hilfe wäre der Mann gestorben.

Ein heimtückischer Mörder war er für die Anklage nicht. ‚In seiner Verzweiflung glaubte er, für seine Mutter und sich das Beste zu tun, wenn er sie mit in den Tod nimmt‘, sagte das Gericht. Wegen Selbstmordgefahr ist der Verurteilte in eine Gefängnisklinik eingewiesen worden.“

Franz Hartl/ da Hog’n

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