Sängerin Romy Politzki: „Entweder man mag mich – oder eben nicht“

Salzweg. Die Dreads reichen ihr bis über die Schultern. Die Piercings funkeln in ihrem Gesicht. Ein großes Tattoo ziert ihren linken Arm. „Mir gefällt das einfach“, sagt Romy Politzki und lacht. Die 35-jährige „Female Singer Songwriter“ will nicht mit ihrem Äußeren provozieren. Sie will einfach nur sie selbst sein. Und das kann die gelernte Sozialbetreuerin, die sich beruflich bei der Lebenshilfe Passau um behinderte Senioren kümmert, am besten, wenn sie Musik macht. Im Gespräch mit dem Onlinemagazin da Hog’n spricht Romy über ihr erstes „Küchenkonzert“, über Xavier Naidoo, übers Rechtmachen wollen, Anpassung, Facebook und die Frage, wie akzeptiert Homosexualität in der niederbayerischen Gesellschaft ist.

Ihren Musikstil bezeichnet Singer-Songwriterin Romy Politzki als deutschsprachigen Akustik-Pop. Foto: Thomas „Bommel“ Weishäupl

„Romy Politzki“ – Ist das Dein echter Name oder ein Künstlername?

Der Name Politzki stammt aus dem Rumänischen, mein Großvater war Rumäne. Meine Mutter war bei meiner Geburt großer Romy-Schneider-Fan – und ich bin echt froh, dass ich heute Romy heiße und nicht Sissi (lacht).

„Mein Bekanntheitsgrad in der Region ist noch ausbaufähig“

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Ich war 15, als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, mit 19 dann in meiner ersten Band. Mit dem Singen hab ich 2008 begonnen, als zweite Stimme in der Band. Doch ich hab die Erfahrung gemacht, dass es in Bands teils recht kontraproduktiv zugeht, weshalb ich dann 2012 Cover-Songs gesungen und auch schon eigene Lieder geschrieben habe. Die Cover hab ich jedoch nie einfach nur im Original nachzusingen versucht, sondern immer auf meine Art. 2013 gab’s dann die ersten Solo-Auftritte – heuer hab ich schon an die 30 Live-Auftritte gespielt.

Wie würdest Du Deinen Bekanntheitsgrad in der Region einschätzen?

Der ist noch ausbaufähig (lacht). Ich trete häufige woanders auf, in München, Stuttgart, Neuss. Ich war aber auch schon in Passau oder Freyung. Ich nehme zurzeit viele Auftritte wahr, damit ich auch in der Region bekannter werde.

Bisher hat Romy Politzki zwei Alben veröffentlicht: eins mit eigenen Songs (2013) und eine Live-CD (2016), auf der auch Cover-Songs zu hören sind. Foto: David Baisch

Wie kommst Du denn zu einem Auftritt in Neuss?

Da bin ich witzigerweise angefragt worden. Das nannte sich Küchenkonzert. Der Veranstalter hatte in seiner Wohnung, zwischen Küche und Wohnzimmer, eine kleine Bühne aufgebaut und eine Anlage eingerichtet – an die 50 Leute sind gekommen. Er hatte mich bei Youtube entdeckt und angefragt. Ich habe zugesagt. Das Konzept finde ich super, das würde ich immer wieder machen. Jeder hat was zu essen und zu trinken mitgenommen, am Ende ging der Hut für mich rum und jeder hat das reingeworfen, was er geben wollte. Sehr zünftig (lacht).

Du hast auch schon ein Xavier-Naidoo-Cover gemacht. Einfach so, weil Du ihn und seine Texte gut findest?

(lacht)… nein, eigentlich gar nicht. Er hat damals den Song ‚Bei meiner Seele‘ rausgebracht, das lief im Radio rauf und runter. Das war für seine Verhältnisse ja ein relativ schnelles Lied. Mich hat’s gefreut, eine Ballade daraus zu machen. Früher, vor fast 20 Jahren, fand ich ihn mal recht gut, als er noch mit Sabrina Setlur unterwegs war.

„Entweder man mag mich so, wie ich bin – oder eben nicht“

Hast Du irgendwelche Vorbilder?

Ich höre viel deutschsprachige Musik – jedoch gar nicht so in der Art, wie ich sie spiele. Mir gefällt Grossstadtgeflüster ganz gut, die machen Elektropop. Sehr gut finde ich auch Johannes Oerding. Der hat gute Texte. Doch zu sagen, ich möchte genauso sein wie der – das kann ich nicht. Ich bin nicht die, die immer nur nachmachen will – ich will meine eigene Note einbringen. Ich will meinen eigenen Stempel draufsetzen.

In Deinen Liedern geht es inhaltlich um was?

Draußen in der Natur campen ist ihr lieber als ihm schnieken Hotel zu nächtigen. Am liebsten ist sie mit ihrem Hund „Sookie“ unterwegs. Foto: Thomas Weishäupl

Beim ersten Album ging’s überwiegend um Liebe, Beziehung, gute Seiten, schlechte Seiten, auf und ab. Die neuen Lieder sind noch etwas tiefgründiger. Gedanken, die mich beschäftigen. Das kann auch mal etwas politischer sein, etwas kritischer. Vor zwei Wochen bin ich mit einem Song fertig geworden, bei dem es darum geht, dass man irgendwann im Leben mal einen Neuanfang braucht – auch wenn man am Schluss dann vielleicht alleine dasteht. Doch es kann eine gute Entscheidung sein, einfach mal auszubrechen aus seinem alten Schema. Das wird dann auf der neuen CD zu hören sein. Spätestens im Winter geht’s ins Studio. Dann gibt’s nur noch eigene Sachen zu hören. Keine Cover mehr.

Auf Deiner Facebook-Seite ist folgendes Zitat zu lesen: „Jeder möchte akzeptiert und gemocht werden – außer Romy, ihr ist es scheißegal.“ Tatsächlich?

(lacht) Nein, ganz so hart ist es nicht. Oft hab ich das Gefühl, dass die Leute jedem alles recht machen wollen. Doch die Leute reden sowieso immer nur das über Dich, was sie wollen – egal, wie sehr Du Dich anstrengst… Das ist meine Erfahrung – wobei ich’s gar nicht so rausposaunen will, dass ich lesbisch bin. Doch ich mach da auch kein Geheimnis draus. Viele Leute sagen Dir vorn herum, dass sie kein Problem damit haben. Aber eigentlich drehen sie sich um und haben ein Problem damit. Und ich denke mir: Egal! Selbst wenn ich hetero wäre, würden ihnen vermutlich meine Haare nicht passen. Deshalb fand ich den Spruch ganz witzig – mir ist’s wurscht, ob mich die Leute mögen oder nicht. Ich kann’s eh nicht jedem recht machen. Je älter ich werde, desto öfter denk ich mir: Ja dann hoid net. Losst’s ma mei Ruah (lacht). Ich hab keine Lust mich zu verbiegen für irgendwelche Leute. Warum denn? Das kostet viel Energie. Entweder man mag mich so, wie ich bin – oder eben nicht.

„Wer bin ich denn dann eigentlich noch?“

Musstest Du’s in Deinem Leben bisher vielen Leuten recht machen? Bist Du so erzogen worden?

Nein, bei mir daheim war’s eigentlich relativ cool. Aber gerade im beruflichen Rahmen, am Arbeitsplatz, ist’s mir häufig aufgefallen, dass sich Leute verbiegen. Da war immer das latente Gefühl, sich anpassen zu müssen. Und dann stellt sich eben die Frage: Wer bin ich denn dann eigentlich noch, wenn ich mich ständig äußeren Gegebenheiten oder irgendwelchen Leuten anpasse? Viele Leute verlieren sich. Leute, die nach dem Motto vorgehen: Hauptsache nicht anecken. Aber das ist halt mal so. Es gibt Menschen, die sind einem sympathisch oder nicht, die sind derselben Meinung wie Du – oder eben auch nicht.

Romy Politzki live on stage in der Hog’n-Redaktion mit „Vergessen“:

Ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass sich alle immer mehr anzupassen scheinen?

Könnte sein, ja. Es geht halt irgendwie auch immer ums Mithalten wollen, um einen gewissen Leistungsanspruch. Jeder will ein neues Auto, ein neues Handy usw. Ich weiß nicht, ob das alles so sein muss. Ich denk’s mir oft bei Facebook, wo ich – wie die meisten – immer wieder mal reinschaue. Doch mittlerweile bin ich soweit, dass ich am liebsten alles löschen würde, meine Seite und mein Profil. Ich frag mich beim Durchscrollen der Facebook-Beiträge: Auf was warte ich jetzt eigentlich? Man sucht und sucht und weiß gar nicht so recht, wonach man sucht – und findet am Ende nichts. Hat dafür aber einen vollen Kopf…

Würde ich nicht Musik machen, hätte ich jetzt auch kein Facebook mehr. Ich merk schon, dass es eine gute Plattform dafür ist, die Leute über meine Musik zu informieren. Aber als private Nutzerin habe ich das Gefühl, dass alles total überladen ist. Hier eine Info, da eine Veranstaltung; der eine zeigt Dir, was er heute Mittag gegessen hat, der andere, wo er gerade Urlaub macht. Ich denke mir: Was interessiert’s mich, was Du heute gegessen hast… Irgendwie ist das alles zu viel von allem geworden. Und über sämtliche Kanäle soll man heute erreichbar sein… da ensteht eine Art Kontrollzwang… manchmal hätt ich einfach gerne wieder mein altes Handy ohne WhatsApp zurück… (lacht)

„Mit Akzeptanz hat das vermutlich auch nicht viel zu tun…“

In der neuen Ausgabe der PASTA hast Du gesagt: „Es müsste sich mal jemand trauen, in Passau ein lesbisch-schwules Stadtfest zu organisieren.“ Warum bist Du dieser Meinung?

Die CSDs sind zumeist nur noch in größeren Städten wie München, Nürnberg, Würzburg oder Augsburg. In unserem Raum ist da eher wenig geboten. Doch das sind schöne Feste. Warum sollte man nicht mal in Niederbayern so etwas aufziehen?

Ist eine Stadt wie Passau oder eine Region wie Niederbayern bereit für so ein Event?

10.000 Leute wie in München werden’s in Passau vermutlich nicht. Aber wenn man’s gut organisieren würde, könnt’s klappen. Szenetechnisch ist in Passau gar nichts mehr. Dann eher erst wieder in Regensburg oder München. Schade ist das.

Ihre neue CD will sie Ende des Jahres in Angriff nehmen – „dann wird’s a bissl rockiger“, wie Romy Politzki verspricht. Foto: Hansen Pixx

Was denkst Du über die generelle Akzeptanz von Homosexualität in unserer Region? Hat sich da was getan in den letzten Jahren?

Männer haben’s definitiv immer noch schwerer als Frauen. Da hat sich nicht viel geändert. Wobei ich mich frage, ob die Frauen nur deshalb mehr akzeptiert sind, weil viele Männer ihren Fantasien nachgehen… Mit Akzeptanz hat das vermutlich auch nicht viel zu tun… Als Frau wird man bestimmt nicht so häufig angepöbelt wie als Mann. Ich selbst habe noch nie großartig schlechte Erfahrungen gemacht. Doch ich kenne einige Schwule, die beim abendlichen Ausgehen nicht sagen wollen, dass sie homosexuell sind. Oder behaupten, dass sie Single sind – weil sie Angst haben. Es gibt derzeit wieder viele Schwulen-Gegner, die das auch öffentlich kundtun. Das ist ein Schritt nach hinten.

Ich habe mit 13 gemerkt, dass ich Frauen anziehend finde – da hab ich das Wort lesbisch noch gar nicht gekannt. Ich dachte immer, mit mir stimmt was nicht. Und mit 15 hab ich’s dann jedem gesagt, der’s hören wollte. Meine Familie weiß es, mein Nachbar, mein Arbeitgeber – alle. Eigentlich ist’s kein Problem.

„Heuer spiel ich beim CSD in München vor 10.000 Leuten“

Wohin bewegt sich Deine nähere musikalische Zukunft?

Ihren nächsten Auftritt in Passau hat Romy Politzki am 7. Juli. Foto: Hansen Pixx

Ich will spielen, spielen, spielen. Jetzt, da ich in meinem Beruf keinen Wochenend-Dienst mehr habe, klappt das auch ganz gut. In diesem Jahr habe ich schon mehr Konzerte als die gesamten letzten vier Jahre gespielt. So will ich weitermachen.

Was war Dein bisher größter Auftritt?

Beim CSD in Ulm waren an die 5.000 Leute. Heuer bin ich in München dabei, da werden’s 10.000. Da darf ich am Samstag auftreten am Marienplatz. Ich bin auch in Frankfurt und Dortmund eingeladen. Das ist alles gut organisiert, da freu ich mich drauf.

Dann wünschen wir viel Spaß und viel Erfolg bei Deinen Auftritten. Danke fürs Gespräch.

Interview: Stephan Hörhammer

Wer Romy Politzki live erleben möchte, kann dies u.a. bei folgenden Gelegenheiten tun:

  • 05.07. – Umsonst & Draußen Festival in Landshut
  • 07.07. – Sommernachtsklänge in Passau
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