Genötigter Trucker stellt FRG-Fahrer an den Facebook-Pranger

Weiden. Über sein Video spricht derzeit die gefühlte halbe Facebook-Welt. Innerhalb von nur drei Tagen wurde es mehr als eine halbe Millionen mal geklickt, gut 3.000 mal geteilt und mehr als 1.500 mal kommentiert. „Was haltet ihr davon?“ -mit dieser simplen Frage, die über dem Video prangt, hat Brummi-Fahrer Michael Sättler aus Weiden, der Urheber des Videos, einen regelrechten Shitstorm provoziert. Nicht gegen sich, sondern gegen den Lenker des königsblauen Nissan mit FRG-Kennzeichen, der auf der Autobahn A3 Richtung Regensburg vor ihm fährt und den Truck des 40-jährigen Oberpfälzers immer wieder von Neuem ausbremst. Sechsmal insgesamt. „Das ist absolute Nötigung“, ärgert sich Sättler. Und ja – das ist es in der Tat, wie ein Sprecher der Verkehrspolizeiinspektion Passau auf Hog’n-Nachfrage mitteilt.

Mit diesem Video hat Lkw-Fahrer Michael Sättler aus Weiden seinen Widersacher aus Freyung-Grafenau an den Facebook-Pranger gestellt:

Was haltet ihr davon

Posted by Michael Sättler on Freitag, 5. Mai 2017

Hüte dich vor Eis und Schnee und vor dem Zeichen FRG – so heißt’s bei uns im Nachbarlandkreis.“ – „Zeig ihn an.“ – „Was für ein Penner.“ – „Solche sollte man einfach von der Straße schieben.“ – „Ramm den Hund.“ Reaktionen wie diese sind in der Facebook-Kommentarspalte unter Sättlers Video zuhauf vertreten – und das sind noch die harmloseren Verwünschungen und Anfeindungen gegenüber dem Nissan-Fahrer aus dem Landkreis Freyung-Grafenau.

„Ich werde zur Polizei gehen und eine Anzeige machen“

Doch was genau war passiert? „Er wollte mich immer wieder provozieren, weil ich zuvor vor ihm ausgeschert bin und er abbremsen musste“, teilt Brummi-Fahrer Sättler gegenüber dem Onlinemagazin da Hog’n mit. Bei FB erklärt er: „Die Vorgeschichte ist, dass ich einen Kollegen überholt habe und beim Ausscheren die Lücke von zwei Autos genutzt habe. Dieser Fahrer (der Nissan-Fahrer – Anm. d. Red.) hatte beim Blinkersetzen noch ausreichend Abstand zu mir – und plötzlich gab er Gas und wollte sich an mir noch vorbeizwängen, was er nicht mehr schaffte, da ich schon fast den Spurwechsel vollzogen hatte. Als der Überholvorgang beendet war, setzte er sich vor mich und bremste mich aus.“

Immer wieder wechselt Sättler daraufhin, wie im Video zu sehen, von der rechten Fahrbahnhälfte auf die linke Überholspur, um am Nissan vorbeizuziehen. Doch dessen Fahrer drückt ebenso häufig das Gaspedal – und nachdem Sättlers Lkw wieder und wieder auf die rechte Spur zurückkehren muss, um den folgenden Überholverkehr passieren zu lassen, bremst der Nissan den Truck ein ums andere Mal auf 60 bis 70 Stundenkilometer runter. „Hey, komm, zeig mir Dein Gesicht“, ärgert sich der 40-jährige Weidener, der den ganzen Vorgang mit seiner Handy-Kamera filmt. „Der kriegt eine Anzeige. Ich werde zur Polizei gehen und eine Anzeige machen.“

Eine Ankündigung, die er bis jetzt noch nicht in die Tat umgesetzt hat, wie Sättler gesteht. Eine Tat, die im Prinzip aber auch gar nicht mehr notwendig ist, wie ein Sprecher der Verkehrspolizeiinspektion Passau mitteilt, denn: „Wir müssen dies von Amts wegen der Staatsanwaltschaft melden.“ Es handele sich beim Verhalten des Nissan-Fahrers um keinen Kavaliersdelkt, sondern eindeutig um eine strafrechtlich relevante Tat, die geprüft werden müsse, informiert der Beamte nach einer ersten Sichtung des Videomaterials.

Mir is bei 250 auch scho einer rausgezogen…“

„Ich bin schon sehr überrascht, dass das Video so eingeschlagen hat“, sagt Lkw-Fahrer Michael Sättler. Foto: Facebook

Vorgänge wie diese erlebe Sättler indes fast täglich auf deutschen Autobahnen. 23 Jahre ist er mittlerweile als Lkw-Fahrer unterwegs. „Der Verkehr ist allgemein betrachtet viel aggressiver geworden“, sagt er. Die Leute möchten immer schneller und immer rücksichtsloser an ihr Ziel. „Viele fahren ohne Hirn. Die wissen oftmals gar nicht, in welche Gefahr sie sich begeben. Ich frag mich echt, was die sich denken“, zeigt sich Sättler nach wie vor verwundert über das Verhalten des Nissan-Fahrers.

Doch er erntet nicht nur Verständnis, sondern auch kritische Reaktionen auf sein Video. Ein Facebook-User, der offensichtlich die von Sättler geschilderte Vorgeschichte gelesen hatte, meint: Als Lkw einfach rausziehen und den Überholenden ausbremsen und dann flennen, weil er sich revanchiert! Gibt scho Lkw-Fahrer, die denken nicht beim Fahren. Mir is bei 250 auch scho einer rausgezogen – und ohne vernünftige Bremsen hätt es definitiv geknallt. Kann den Typen voll verstehen!!“

da Hog’n

 

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8 Kommentare bei "Genötigter Trucker stellt FRG-Fahrer an den Facebook-Pranger"

  1. Franz Pongratz sagt:

    Das ist eine große Frechheit ,das macht man nicht die LKW Fahrer habe alle Stress das sie die Termine einhalten können !Für diese Frechheit gehören mindestens ein Jahr Fahrverbot! !!!

  2. M.Abert sagt:

    Ich bin jetzt seit 31 Jahren auf der Straße unterwegs.
    Und ich muss sagen sowas ist fast Tagesordnung.
    Es wird aber von Verkehrstechnischer Seite mittlerweile auch jeder Hobby PKW Trucker auf den Autobahnen bevorzugt.
    Durch die ganzen Überholverbote die wir haben fühlen sich 99% der Pkw Fahrer auch dazu hingeleitet uns an den Ausfahrten noch an der 50 meter Marke vor die Karre zu fahren.
    Und wenn ich dann laufend höre und lese “ Wieso passieren immer mehr Lkw Unfalle“ sollten die Beamten am Schreibtisch mal so einen Lkw fahren und nicht Entscheidungen treffen wo alle und wirklich alle keine AHNUNG von haben.
    Und was den User mit dem Beitrag 250 Km/h betrifft – diesen Sollte man gleich einen Eignungstest unterziehen denn solche sind genau die Fahrer über die man hier redet !!!

  3. Rita H. sagt:

    Vor vielen Jahren bin ich mal nachts als Beifahrerin im Lkw mitgefahren – seitdem habe ich eine ganz andere Sichtweise, und weiß warum LKW-Fahrer so oder so fahren. Jeder Pkw-Fahrer sollte mal einen Tag als Beifahrer in einem Truck mitfahren – ich bin sicher, es würde auf jeden Fall mehr Verständnis für die LKW-Fahrer bringen.

  4. Kpb sagt:

    Hatte mir schon gedacht, das da etwas vorgefallen ist. Siehe da er hat einen Kollegen überholt. Würde mich auch ärgern wenn ich als PKW Fahrer ausgebremst werden würde. Und das passiert zu hauf. LKW Überholverbot gehört eingeführt.

  5. Alexandra Gruber sagt:

    Was da passier ist, ist Vorsatz und muss geahndet werden!
    Aber grundsätzlich frage ich mich, weshalb die Politik wieder Jahre abwartet bis sie sich endlich einigen auf ein generelles LKW Überholverbot auf BAT?
    Die LKW’s dürfen ja nur max. 80kmh fahren auf den Autobahnen fahren. Sie fahren aber sowieso schon alle mit 90kmh und das sei ihnen auch gegönnt, weshalb also dann noch seinen Vordermann überholen???
    Klar, auf einer Steigung da merkt man dann schon wer mehr Leistung oder eine höhere Beladung mit sich führt, trotzdem, nach der Steigung wird es wieder eben oder gar bergab.
    Am eindrucksvollsten finde ich die Elefantenrennen wo dann zwei Brummis nebeneinander mehrere Kilometer (Minuten) nebeneinander fahren und das oft nur weil der zu überholender dann plötzlich mehr Gummi gibt. Auch hier wird sehr deutlich dass wir dringend generelles ein LKW Überholverbot auf deutschen Autobahnen brauchen (leider schon sehr lange überfällig).
    Leider ist die Politik diesbezüglich seit Jahren handlungsunfähig weil die Lobby hier so enorm stark ist, doch auch das wird sich ändern, abwarten…

    • Helmut S. sagt:

      diese sogenannten Elefantenrennen gibt es „eigentlich“ erst seit dem der Geschwindigkeits-Bregrenzer im Lkw eingeführt wurde. Da steht der Fahrer auf dem Gaspedal und die Karre regelt eben selbständig ab, obwohl genug Leistung zur Verfügung stünde, um zügig am Anderen vorbei zu kommen. Seitdem bilden sich auch diese langen lästigen Schlangen hinter Lkw´s, über die sich Jeder und das auch begründet aufregt. Dazu zähle ich mich selbst. Die sich jedoch für so ein generelles Lkw- Überholverbot einsetzen, denen fehlt wohl nur der Einblick in die ganze Materie. In der heutigen Zeit soll und „muss“ ja alles „schnell“ gehen… auch der Lkw-Überholverbotsforderer möchte seine bestellten Waren, am liebsten bereits „gestern“ zu Hause haben und nicht erst 1 oder 2 Tage später. >>>weshalb den Vordermann…? … eben, bergauf und bergab… <<< sicherlich sind manche Überholvorgänge auch völlig unnötig, aber so seltsam es sich für den Unwissenden auch anhören mag, Tatsache ist es, dass selbst nur 1 Minute, die der Fahrer durch einen Überholvorgang heraus holt, für ihn gleich 1-2 Stunden oder auch mehr Zeitgewinn bedeuten kann. In dieser 1 Minute, fahren z.B. 3 Lkw´s oder Sattelzüge, vor ihm auf das Gelände der gleichen Abladestelle. Das kann dann für den Fahrer bedeuten, dass er die Zeit abwarten muss, bis die 3 anderen Fahrzeuge die vor ihm reingefahren sind, entladen sind. Je nach Fahrzeug und Ladung dauert sowas zwischen 30Minuten und 1Stunde, manchmal auch länger. Das ist nur 1 Beispiel von zahlreichen anderen Gründen. Derjenige, der so ein generelles Ü.-Verbot fordert, der soll selbst erstmal in die Materie hineinschnuppern. Klar muss die Politik da ran, aber die muss anderweitig tätig werden. Bei manchen Verspätungen oder Verzögerungen, verhängen einige große und namhafte Firmen sogar Geldstrafen… da müsste z.B. schon mal die Politik ran, dass sowas verboten wird… dann müsste die Politik ran, dass Fahrer in Firmen lange stehen gelassen werden, ohne dass sie entladen werden… Jedenfalls kann es nicht angehen, dass der Vordermann, der vielleicht Zeit hat, schwerer ist, eine spezielle Ladung wie z.B. Benzin dgl. geladen hat und aus diesem Grund seine 80 km/h zwingend einhalten muss, nicht mehr überholt werden darf… der "Begrenzer" gehört zwingend wieder abgeschafft und dass dann trotzdem keine Rennen gefahren werden, muss auf anderer Weise begegnet werden, gibt doch genug Technik inzwischen. Da wären auch die langen Schlangen hinter Lkw´s wieder Vergangenheit.

  6. M.Abert sagt:

    Ich finde das faszinierend wieviel Unwissen und Egoismus hier niedergeschrieben wird !

    1. in welchem Gesetz steht geschrieben das Pkw`s schneller am Ziel ankommen desto schneller das Auto ist ?

    2. Ihr wollt uns hier belehren ? Kehrt doch erstmal vor der eigenen Haustür.

    Ihr fahr notirisch links , weil man der ;Meinung ist, das die rechte Spur nur für Lkw ist.
    Wenn eine Rettungsgasse gebildet werden muss, wird von 50 % in die Mitte gefahren damit man mehr sieht.
    In Baustellen wird mit über 80 bzw. 60 Km/h überholt obwohl 80 % der Autos breiter als 2 Meter sind (schon mal nachgemessen). inklusive Spiegel.

    Sicherheitsabstand halber Tacho , wie viel Bilder soll ich euch senden , wo der Abstand nur 2-3 Meter beträgt.

    Und zu guter Letzt, seid Ihr doch selber schuld an den vielen Lkw`s.
    95 % der Einkäufe werden übers Internet getätigt und wenn möglich Zustellung am nächsten Tag.
    Aber sowas macht Ihr ja nicht !!!

    Und um nochmal auf Eure schlechte Mathematik einzugehen.
    Die meisten Lkw auf der Autobahn fahren im Fernverkehr, das heißt bis zu 700 Km und 10 Std. am tag.
    10 x 80 km/h sind 800 km
    10 x 85 km/h sind 850 km
    Sprich , ich bin rechnerisch fast eine Std. früher am Ziel.

    Aber nochmal zu dem letzten Beitrag:
    das was zu 100 % kommen wird ist eine Begrenzung auf 130 und in spätesten 2 Jahren müsst Ihr die Maut selber bezahlen.
    Oder Glaubt Ihr das der Staat euch das ewig schenkt ?

  7. Andreas Eder sagt:

    Ich hab mir grad das Video angeschaut und bin entsetzt. Dafür gibt es auch absolut keine Erklärung oder Entschuldigung, so etwas ist grober Vorsatz und muss geahndet werden.
    Doch was die grundsätzliche Problematik der LKWs beim überholen betrifft, da hätte man schon längst ein generelles Überholverbot aussprechen. Wird übrigens auch schon in Berlin darüber diskutiert (und das nicht erst seit gestern), doch die Lobby der Transportunternehmen ist sehr stark in der Politik verwurzelt.
    Bisher konnte mir nämlich noch kein LKW-Fahrer plausibel erklären, weshalb ein 10/20/30…Tonner, der selbst schon grad 85-90 kmh auf der Tachonadel fährt, bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km, immer noch seinen Vordermann überholen muss???
    Zum letzten Beitrag:
    Ja es stimmt, auch ich habe kein Verständnis dafür, wenn im Baustellenbereich bei zulässigen 80 oder 60 km, links immer noch mit teils 100-120 überholt wird. Die LKWs brauchen einfach rechts fast jeden Zentimeter ihrer Spur und da wird die linke Spur einfach zu eng für viele moderne PKWs. Da denken sehr oft viele PKW-Fahrer darüber einfach nicht nach!
    Was die Begrenzung auf unseren Autobahnen auf 130 km betrifft, so wird das ja oft immer bei solchen Diskussionen monstranzartig vorgetragen, doch beispiele wie Österreich, Slowakei, Schweiz oder Italien sind hier mit der BRD einfach nicht vergleichbar.
    Es ist nämlich schon ein gigantischer unterschied ob ich (Beispiel) Österreich mit dem PKW überqueren möchte, da bin ich in knapp 4,5 Stunden durch.
    Wenn ich aber von Rosenkeim nach Stadt Norden (an der Nordseeküste fahren möchte dann brauche ich fast 10 Stunden. Da macht sich einfach eine höhere Geschwindigkeit schon deutlich bemerkbar (solang der Verkehr es natürlich auch zulässt).
    Stimmt, wer nur einmal im Jahr in den Urlaub mit dem PKW fährt oder mal einen Ausflug von Passau nach Deggendorf oder München macht, für den ist auch 130 km auf Dauer völlig ausreichend.
    Wer aber Beruflich täglich unterwegs ist, der schätzt es dass bei uns eben kein 130 km aufdiktiert ist. Dafür ist unser Land einfach zu groß.
    Übrigens, wir sollten uns darüber auch besonders glücklich schätzen, denn ganz Europa aber auch Asien und Amerika bewundert uns für diese Freiheit.

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