Aktueller denn je: Schmidbauer legt „Zeit der Deppen“ neu auf

Liedermacher Werner Schmidbauer hat gemeinsam mit seinem Sohn Valentin den „Zeit-der-Deppen“-Song von 2003 neu aufgelegt. Er scheint aktueller denn je… Foto: Werner Schmidbauer

Bad Aibling. „Und de Welt, sie brennt an alle Ecken – es is de Zeit der Deppen.“ Vor fast 15 Jahren hatte Liedermacher Werner Schmidbauer gemeinsam mit seinem kongenialen (Ex-)Musikpartner Martin Kälberer das Album „Zeit der Deppen“ aufgenommen und der Öffentlichkeit präsentiert. „Das Titellied war meine sehr persönliche Reaktion auf die damalige Deppenschwemme in den weltpolitischen Führungsetagen, die nach dem Attentat vom 11. September 2001 in Person von George W. Bush, Silvio Berlusconi und vielen anderen sich aufmachten, unsere lang erkämpften demokratischen Freiheits-, Menschen- und Bürgerrechte auf dem Scheiterhaufen der Rache und des Misstrauens zu opfern. Mir machte das Angst“, blickt der 55-jährige Musiker heute zurück – und fügt hinzu: „Ich war mir damals beim Singen ziemlich sicher, der Text meines Songs hätte sich irgendwann überholt und das Thema sich erledigt. Ich habe gehofft, es würden wieder andere Politiker kommen und die Zeit der Deppen wäre vorbei – ein Irrtum.“

Schmidbauer sieht die globale Gesellschaft mehr und mehr mit politischen Despoten konfrontiert, die er „als selbstverliebte, eitle, menschenverachtende, gewaltbereite und damit demokratiegefährdende Demagogen“ wahrnimmt. Zudem wachse die Zahl derjenigen Menschen, die jenen „populistischen Monokraten“ hinterherrennen auf ein bedrohliches Niveau an. „Nicht erst seit Trump taumelt unsere Welt unter Verlust von über Generationen hart erkämpfter Werte wie Meinungsfreiheit, Toleranz, Respekt, Menschenwürde, Solidarität und Achtung des Andersdenkenden auf ein Chaos von Misstrauen, nationalem Stolz, eitler Unwissenheit, Zerstörung und letztlich Krieg zu“, ist sich Schmidbauer sicher. Sein Lied aus dem Jahr 2003 scheint ihm zufolge daher aktueller denn je.

„Stellt den Song ins Netz und auf Eure Homepages“

Zusammen mit seinem Sohn Valentin hat er nun den Song „Zeit der Deppen“ überarbeitet. „Valentin hat aus seiner Generationensicht heraus dem Lied einen neuen Teil hinzufügt und damit eine andere und generationsübergreifende Dimension gegeben“, erklärt Werner Schmidbauer. Die beiden haben in Martin Kälberers Studio den überarbeiteten Song live und unplugged in entspannter Atmosphäre eingespielt.

„Das Dilemma dieser Welt ist, dass die Narren so sicher und die Weisen so voller Zweifel sind“, rezitiert Musiker Werner Schmidbauer.

Die zwei Schmidbauers hoffen nun darauf, dass das Stück bei möglichst vielen Leuten auf offene Ohren stößt – und sie gemeinsam mit den beiden Musikern „gegen die Deppen“ ansingen. „Stellt den Song ins Netz und auf Eure Homepages, veröffentlicht den Link, schreibt und spielt Eure eigene Version des Songs und schickt sie uns zu“, fordern „Schmidl“ senior und junior die Hörerschaft zum Mitmachen auf. „Wir veröffentlichen sie dann auf unserem Zeit-der-Deppen-Youtube-Kanal – auf dass wir möglichst viele Menschen erreichen und Mut machen.“

da Hog’n

 

Zeit der Deppen

Sog ma, was is bloß passiert,

dass de hoibe Welt as Hirn verliert?

Und bist du no so sehr verlinkt,

huift nix, weil der Fisch vom Kopf her stinkt.

.

An jedem Hebel sitzt a knallharter Entscheider,

Vernunft egal, Hauptsach, es geht wos weiter.

Ihre Geldbeitl prall und schwer,

de Hirne leider weniger.

Und de Welt, sie brennt an alle Ecken,

es is de Zeit der Deppen.

 

Wenn sich heut noch einer zweifeln traut,

werd eam auf de Finger ghaut,

Sie erzähln uns, dass der Krieg der Weg zum Frieden is,

und dass der Moslem von uns leider vui z’verschiedn is.

Aus ihre Händ tropft Öl und Bluat,

und aus meinem Herz tropft Angst und Wuat.

Sie ham  koa Mitleid zum verschenga,

Kriag is as Gegenteil von Denga.

 Und de Welt, sie brennt an alle Ecken,

es is de Zeit der Deppen.

 

In Zeiten wo’s wieder reicht, uns auseinanderzuziehn,

wenn Feindbilder gedeihen und blanke Lügen gewinnen.

Der Kessel wird wieder heiß, und das Eis, das wird dünn,

wenn die, die für gestern sind, am lautesten singen.

 

Komm wir machen’s uns leicht, hey wir kasteln uns ein,

im Kopf und im Bauch friert die Gelassenheit ein.

Eigentlich hatte ich gemeint, dass wir da schon weiter sind.

Ich glaub, wir müssen mal raus, weil hey so haut das nicht hin.

A jeder hot oa Seel nur zu retten,

es is de Zeit der Deppen.

 

Und de Welt, sie brennt an alle Ecken,

es is de Zeit der Deppen.

Und aa wenn ma liaber Gscheite hätten,

es is de Zeit der Deppen.

 

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