Die Simmet-Brüder aus Preying – zwei Männer unter Dauerstrom

Preying. Während des Hog’n-Interviews sind sie einer Meinung. Dass das im geschäftlichen Alltag nicht immer der Fall ist, geben Karl-Heinz (53) und Werner Simmet (50) ohne Umschweife zu. Sie betonen jedoch gleichzeitig, dass trotz manch persönlicher Unterschiede stets das Wohl der Firma im Mittelpunkt steht. Die Brüder Simmet sind die Macher hinter der solar-pur AG aus Preying in der Gemeinde Saldenburg. Der eine, Werner, der Handwerker, ist Gründer und Vorstand des Energie-Unternehmens – der andere, Karl-Heinz, der Kaufmann, ist Vertriebschef und Aufsichtsratsvorsitzender der Aktiengesellschaft. Im Interview mit dem Onlinemagazin da Hog’n sprechen die beiden über die guten und schlechten Zeiten in ihrer Branche. Ebenso gehen sie auf den schnelllebigen Energiesektor, auf den abgeflachten Hype rund um die PV-Anlagen sowie die Entwicklungen auf dem Gebiet der Elektromobilität ein.

Die beiden Köpfe der solar-pur AG aus Preying: Karl-Heinz Simmet (links) und sein Bruder Werner Simmet.

Beschreiben Sie den Hog’n-Lesern doch einmal kurz Ihren Betrieb, die solar-pur AG.

Werner Simmet: Den Startpunkt für die solar-pur AG bildete die Gründung eines Planungsbüros für Elektrotechnik im Jahr 1998. Knapp vier Jahre später haben wir uns umorientiert – Erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik-Anlagen, sind in den Mittelpunkt gerückt. 2003 haben wir dann die ersten Module installiert – ein richtungsweisender Schritt, denn schon ein Jahr später war die Auftragslage so gut, dass wir mehrere Mitarbeiter einstellen konnten. Zuvor war ich sechs Jahre als Einzelkämpfer unterwegs. 2005 ist mein Bruder Karl-Heinz als Vertriebler hinzugekommen – in diesem Jahr haben wir bereits über 70 PV-Anlagen installiert. Den Höhepunkt in Sachen Solaranlagen haben wir 2011 mit knapp 400 Dachanlagen erreicht – 95 Prozent des Umsatzes hat die solar-pur AG damals durch Photovoltaik erwirtschaftet.

Darum ist die solar-pur AG eine Aktiengesellschaft

Bereits in dieser Zeit haben wir nach und nach weitere Geschäftsfelder aufgebaut, um uns nicht allzu abhängig von einer Sparte zu machen – eine Service- und eine Elektroabteilung sowie ein Onlineshop sind hinzugekommen. Wir waren also auf den Einschnitt bei den PV-Anlagen, bedingt durch das Ende der Förderungen, vorbereitet.

Karl-Heinz Simmet: Aktuell haben wir rund 40 Mitarbeiter, neun davon sind Auszubildende. Die Technik wird immer komplexer, deshalb ist es umso wichtiger, die künftigen Spezialisten selber auszubilden. Nur so schaffen wir es, in der Breite eine möglichst hohe Qualität anzubieten.

Warum haben Sie sich eigentlich dazu entschlossen, eine für den Mittelstand eher untyptische Aktiengesellschaft (AG) zu gründen?

Werner Simmet: 2007 haben wir in Hoyerswerda unser erstes Großprojekt in Angriff genommen. Ein Auftrag dieser Größenordnung ist freilich mit einem hohen finanziellen Risiko verbunden – und als Einzelunternehmen nicht zu stemmen. Deshalb mussten wir eine neue Unternehmensform auf den Weg bringen. Mehrmals haben wir die positiven und negativen Aspekte einer GmbH und einer AG gegenüberstellt – und sind letztlich bei der sogenannten kleinen Aktiengesellschaft hängengeblieben. Man muss vielleicht ergänzen, dass ich mich im Vorfeld bereits länger mit der Börse und dem Aktienhandel beschäftigt habe.

„Mein Ziel ist es, dass unsere komplette Flotte in zehn Jahren mit Elektromotoren ausgestattet ist.“

Seit 2005 arbeitet Ihr Bruder Karl-Heinz ebenfalls im Betrieb. Ist es ein Vor- oder Nachteil, wenn ein Familienmitglied noch mit im Boot sitzt?

(Werner Stimmet lacht)

Karl-Heinz Simmet: Im Großen und Ganzen ist es wie in einem normalen Betrieb. Dass man ab und zu gegensätzlicher Meinung ist, ist klar. Nur so bringt man die Firma voran. Zu größeren familiären Krisen ist es bisher aber nicht gekommen, da die Rollen klar verteilt sind. Werner ist Besitzer der solar-pur AG, ich bin sein Mitarbeiter und Aufsichtsratsvorsitzender.

Werner Simmet: Ehrlicherweise muss man zugegeben, dass es bei Verwandtenverhältnissen innerhalb einer Firma ab und an Schwierigkeiten gibt. Aber ich denke, dass Karl-Heinz und ich gut miteinander auskommen und im Sinne des Unternehmens handeln.

Inwiefern werden Firmenangelegenheiten bei Familientreffen diskutiert?

Werner Simmet: Genauso wie in jeder anderen Familie sprechen auch wir ab und zu über unsere Arbeit. Es ist aber nicht so, dass beispielsweise bei Geburtstagfeiern die Entwicklung der solar-pur AG vorangetrieben wird (lacht).

„Elektromobilität wird sich durchsetzen – ohne Wenn und Aber“

Wie kann ein regionales Familien-Unternehmen auf dem hart-umkämpften Energiesektor bestehen?

Werner Simmet: Ein sehr spannendes Thema. Der Photovoltaik-Bereich ist ein schnelllebiges Geschäft – vor allem, weil sich die entsprechende Gesetzeslage in der Vergangenheit ständig verändert hat. Auch in den nächsten Jahren wird uns deshalb im Energiesektor nicht langweilig werden. In Verbindung mit Speichermöglichkeiten, Heiz- und Elektrotechnik sowie E-Mobilität wird in diesem Bereich in naher Zukunft sehr viel passieren. Und eben deshalb, weil Schlag auf Schlag viele Neuerungen zu erwarten sind, müssen wir bereits jetzt die Trends erkennen und dementsprechend handeln. Nur so schaffen wir es, im internationalen Vergleich zu bestehen.

„Ehrlicherweise muss man schon zugegeben, dass es bei Verwandtenverhältnissen innerhalb einer Firma ab und an Schwierigkeiten gibt.“

Vielleicht ein kleines Beispiel, um meine Ausführungen besser erklären zu können: Gerade einmal 21 Prozent der Energie, die in Deutschland verbraucht wird, ist Strom. Entwickelt sich die Elektromobilität den Erwartungen entsprechend, wird dieser Anteil in absehbarer Zeit auf 45 Prozent steigen – und sich somit mehr als verdoppeln. Ich bin überzeugt, dass die E-Mobilität demnächst unser größter Absatzmarkt sein wird. Jeder, der ein E-Auto kauft, wird eine Eigenstromanlage und einen leistungsfähigen Speicher brauchen. Und darauf müssen wir vorbereitet sein…

Wie schafft man es als solar-pur AG, sich auf dem Markt so zu platzieren, dass man künftig über Elektromobilität unweigerlich beim Preyinger Unternehmen landet?

Werner Simmet: Natürlich müssen wir mit gutem Beispiel vorangehen, um wahrgenommen zu werden. Mein Ziel ist es, dass unsere komplette Flotte in zehn Jahren mit Elektromotoren ausgestattet ist. Ich will dann keinen Verbrennungsmotor mehr haben. Ein sportliches Ziel…

Wie steht der Handelsfachwirt zur Elektromobilität?

Karl-Heinz Simmet: (lacht) Ich sehe das Ganze – im Gegensatz zu meinem Bruder – mit gemischten Gefühlen. Hinsichtlich der Außendarstellung wäre eine E-Flotte natürlich ein Volltreffer. Man muss aber abwarten, ob die Infrastruktur im Bayerischen Wald in zehn Jahren so weit vorangeschritten ist, dass E-Fahrzeuge auch wirtschaftlich tragbar sind.  Meiner Meinung nach ist die Elektromobilität nicht aufzuhalten. Fraglich ist allerdings, wie lange diese Entwicklung brauchen wird.

„Umsatzvolumen ist im PV-Bereich um 90 Prozent gesunken“

Natürlich muss sich auch das Bewusstsein der Bevölkerung dahingehend verändern, dass man auf Verbrennungsmotoren verzichten kann. Das ist ein weiter Weg. Diese Pionierarbeit müssen allerdings nicht wir leisten, sondern die großen Automobilkonzerne und die Politik.

Welche Meinung haben Sie zur E-Wald GmbH?

Karl-Heinz Simmet: Das Problem von E-Wald ist, dass die Entwicklung der Elektromobilität in den vergangenen fünf Jahren etwas ins Stocken gekommen ist. In diesem Zeitraum haben sich Fahrzeuge und Ladesäulen fast gar nicht weiterentwickelt – daran konnte auch E-Wald nichts ändern. Generell bin ich von diesem Projekt überzeugt. Wir waren Forschungsobjekt, wodurch viel Geld in die Region geflossen ist – darüber hinaus war bzw. ist es eine sehr gute Imagewerbung.

Warum ist dieses Thema Ihrer Meinung nach etwas ins Abseits geraten?

Karl-Heinz Simmet. Das liegt vor allem an der Industrie. Die großen Automobilkonzerne waren nicht bereit, in die Entwicklung der Elektromobilität zu investieren. Doch ein Umdenken hat mittlerweile stattgefunden – Gott sei Dank. Ursächlich dafür ist, dass ausländische Unternehmen inzwischen einige E-Fahrzeuge auf den Markt gebracht haben. Auf diesen Zug müssen natürlich die deutschen Hersteller aufspringen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

„Ehrlich gesagt ist es selbst für mich verwunderlich, dass der Betrieb diesen Einbruch verkraftet hat.“

Zurück zu den Ursprüngen der solar-pur AG. Jahrelange schossen die PV-Anlagen wie die Pilze aus dem Boden. Inzwischen ist dieser Hype etwas abgeflacht.

Werner Simmet: Absolut. Unser Umsatzvolumen in diesem Bereich ist – im Vergleich zu den Nuller-Jahren – um 90 Prozent gesunken. Ein drastischer Einsturz, bedingt durch ständige Gesetzesänderungen. Ehrlich gesagt ist es selbst für mich verwunderlich, dass der Betrieb diesen Einbruch verkraftet hat. Glücklicherweise haben wir über die Jahre hinweg, wie bereits angesprochen, mehrere Standbeine aufbauen können. Ohne arrogant wirken zu wollen, aber: Wir haben viele richtige Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt getroffen.

Karl-Heinz Simmet: Dieser Geschäftsbereich hat sich verändert wie kein anderer. Früher hat man PV-Anlagen gebaut, um Geld anzulegen. Heute macht man es, um sich von Energieversorgern unabhängig zu machen, um Geld zu sparen. Man darf nicht vergessen, dass die Solaranlagen durch Batterien wieder an Wertigkeit gewinnen. Mittlerweile ist es möglich, den am Tag produzierten Strom für die Nacht zu speichern. Die völlige Autarkie ist kein Wunschtraum mehr.

„Eine Zukunftsprognose ist fast nicht möglich“

Doch gerade hinsichtlich der Leistungsfähigkeit von Strombatterien, sowohl im Haushalt als auch in E-Fahrzeugen, waren – bzw. sind immer noch – viele skeptisch.

Werner Simmet: Inzwischen sind wir bei einem Speichervolumen von neun Kilowattstunden angelangt – das heißt: Die Versorgung eines Einfamilienhauses ist in einem Zeitraum von 15 Stunden kein Problem. In ein paar Jahren dürfte es – schreitet die Entwicklung weiter voran – keinerlei Schwierigkeiten mehr bereiten, mit einem E-Auto bis zu 800 Kilometer zurückzulegen. Und dann gibt es keinen Nachteil mehr gegenüber den Verbrenner-Fahrzeugen.

Wird vor dem Hintergrund dieser Fast-Autarkie durch Erneuerbare Energien der Atom-Ausstieg ein Selbstläufer?

Werner Simmet: Genauso ist es.

Karl-Heinz Simmet: Ein Atom-Ausstieg wäre ein weiterer Baustein, der mit dazu beiträgt, dass sich Erneuerbare Energien endgültig durchsetzen. Allein mit der Sonnenenergie können wir allerdings den Bedarf nicht abdecken – dazu werden etwa auch moderne Gas- und Wasserkraftwerke benötigt. Außerdem darf man die geographischen Gegebenheiten nicht außer Acht lassen: Wir haben genügend Wasser in Norwegen und viel Sonne in der Sahara – um diese Ressourcen nutzen zu können, sind leistungsfähige Anlagen und Stromtrassen unabdingbar.

„Ein Atom-Ausstieg wäre ein weiterer Baustein, der mit dazu beiträgt, dass sich Erneuerbare Energien endgültig durchsetzen.“

Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wo steht die solar-pur AG in zehn Jahren?

Werner Simmet: Zunächst einmal hoffe ich, dass das Unternehmen in zehn Jahren noch existiert (lacht). Doch Spaß beiseite. Wir werden auch dann noch unsere Fachabteilungen haben. Da der Energiesektor ein sehr schnelllebiger Bereich ist, sind Zukunftsprognosen fast nicht möglich. Es wartet eine spannende Zeit auf uns…

…die dann auch die nächste Simmet-Generation bestreiten wird?

Werner Simmet: Ich würde es mir wünschen. Mein Sohn hat bereits den Beruf des Elektrikers erlernt – aktuell studiert er allerdings zunächst einmal Mathematik.

Was ja nicht unbedingt schaden kann, wenn man sich mit Zahlen auskennt. Vielen Dank für das Interview – und alles Gute für die Zukunft.

Interview: Helmut Weigerstorfer

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