Am Rande der Gesellschaft: das „Löwenbrauerei-Haus“ in Freyung

Freyung. Hans Reitner hat heute Besuch, obwohl er selbst noch gar nicht zu Hause ist. Seine Wohnungstür steht offen – wie immer. Das Schloss ist kaputt, eine Reparatur in weiter Ferne. Im Flur seiner Zweizimmerwohnung türmen sich leere Bierflaschen. In der Küche stapelt sich das Geschirr der vergangenen Jahre. Zu den schmutzigen Kochtöpfen, Tellern und Gläsern gesellen sich hunderte leerer Katzenfutter-Dosen. Der 57-jährige Bewohner ist das, was man sich gemeinhin unter einem Messie vorstellt. Er schafft es nicht, sein Zuhause einigermaßen sauber zu halten. Ein seltsamer Geruch liegt in der Luft. Seine Gäste stört das wenig. Sie trinken genüsslich ihre Halbe Bier, der Fernseher läuft im Hintergrund, es wird geraucht, während sich insgesamt sechs Katzen überall in der Wohnung, die einem überdimensionalen Katzenklo gleicht, gemütlich ausbreiten.

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Viele kennen es, viele sprechen darüber: das Haus im Freyunger Rachelweg. Wir haben uns ein Bild von den Wohnungen gemacht und deren Bewohner besucht.

Ein Vormittag im Rachelweg 3 in Freyung, einem sozialen Brennpunkt der Kreisstadt. In dem Haus mit der brüchigen Fassade wohnen diejenigen, die keine Perspektive mehr haben, deren Leben – von außen betrachtet – nicht mehr lebenswert ist. Die insgesamt fünf Bewohner vegetieren vor sich hin, stehen am Rande der Gesellschaft, werden meist mit schiefen Blicken bedacht. Die, die an dem Haus vorbeigehen, im Sommer etwa, auf dem Weg zum Volksfestplatz, wissen nicht, warum die Bewohner so sind, wie sie sind. Welche Schicksale sich hinter den grauen Mauern abspielen. Ihre Heimat, ein 50er-Jahre-Bau mit sechs Wohneinheiten, gleicht einer Müllhalde, nicht einer angemessenen Unterkunft.

Ihnen fehlt der Antrieb, fehlt die Fähigkeit, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Warum das so ist, dafür gibt es verschiedene Gründe. Unerwartete Schicksalsschläge. Eine schwierige Kindheit. Mangelnde Bildung. Finanzielle Schwierigkeiten. Krankheit. Arbeitslosigkeit. Ein „normales“ Leben zu führen, scheint für sie unerreichbar. Viele flüchten sich in Alkohol – nicht umsonst wird der Rachelweg 3 auch als „Löwenbrauerei-Haus“ bezeichnet. Neben Bier wird auch Schnaps in rauen Mengen vertilgt – was zum Erhalt des täglichen Pegels beiträgt. Zwei Bewohner sind in diesem bzw. im vergangenen Jahr aufgrund ihres maßlosen Alkoholkonsums gestorben – „z’doud g’suffa“, bringt es einer auf den Punkt. Wenige Meter weiter befindet sich übrigens das sogenannte Bob-Marley-Haus…

Sie sind nicht die stinkenden, pöbelnden Monster…

„I dring meine drei Hoiwe, dann geh i wieda hoam“, erzählt ein Besucher. Im Gegensatz zu Hans Reitner geht er einer geregelten Arbeit nach, wie er mehrmals betont. „I ha an 2er-Führerschein. I han eam scha oft a’bodn, i kimm mid an Container. Dann ram ma sei Wohnung aus“, teilt der hagere Mann energisch mit und nimmt einen kräftigen Zug aus seiner Bierflasche. Zwar störe ihn der „Sauschdoi“ in Reitners Wohnung – dennoch komme er immer wieder gerne „auf a Hoiwe“ beim ihm vorbei. Ähnliches berichtet ein älterer Herr. Seinen Namen möchte er nicht nennen, doch dürfte er vielen Freyungern ein bekanntes Gesicht sein. „I dring mei Bier – und dann geh i hoam“, erzählt auch er und trinkt.

Währenddessen kehrt der Hausherr zurück in seine Wohnung. Stolz stellt Hans Reitner seine Plastiktaschen, die mit Bierflaschen und -dosen gefüllt sind, auf den Wohnzimmertisch. Er begrüßt seine Besucher und verteilt großzügig den gerade erstandenen Gerstensaft. Hans Reitner wirkt dabei wie eine Mutter, die den Hunger ihrer Kinder stillen will.

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Hans Reitner (57) in seiner Wohnung im Rachelweg 3.

Die Bewohner des Rachelweges 3 haben so gut wie nichts. Keine Arbeit, kein Geld, keine Perspektive. Trotzdem geben sie alles. Besucher werden stets herzlich empfangen, ihnen wird ein Platz angeboten – und natürlich ein Bier. Obwohl Menschen wie Hans Reitner wohl schon länger nicht mehr geduscht haben, auf Körperhygiene augenscheinlich keinen Wert legen und eine sehr direkte, pragmatische Ausdrucksweise an den Tag legen, sind sie keinesfalls die stinkenden und pöbelnden Monster, für die sie die breite Öffentlichkeit hält.

Im Gegenteil. Egal, in welcher Wohnung man sich im Rachelweg 3 aufhält, egal, welche Bewohner und Gäste man antrifft: Der Empfgang, die Begegnung mit ihnen, ist immer freundlicher Natur. Gutmütigkeit, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft sind Teil einer (imaginären) Hausordnung, eines ungeschriebenen Verhaltenskodex. Auch um die verstorbene Frau im Erdgeschoss hatte man sich lange gekümmert. Dass Schnaps die falsche „Hilfe“ ist, haben die Bewohner erst realisiert, als es bereits zu spät war.

So eigenartig es auch klingt: Hans Reitner ist zufrieden

Im Gespräch mit Hans Reitner wird schnell deutlich, dass er sich in seinen vier Wänden wohlfühlt. Dass weder die Haustüre, deren Glasscheibe seit längerer Zeit fehlt, noch seine Wohnungstüre vor ungebetenen Gästen schützt, ist für ihn kein Problem, wie er sagt. „I ha mei Rente. In da Kich schaut’s a weng aus. Owa mia geht’s guad“, beschreibt der 57-Jährige – mehr in Wortfetzen als in ganzen Sätzen sprechend – sein Leben. Weil er ab und zu in der Caritas-Einrichtung „Grüne Hand“ arbeite, bleibe keine Zeit, aufzuräumen, sagt er. Man fragt sich unweigerlich, ob die Rachelweg-3-Bewohner, die ganz offensichtlich auf Hilfe von außen angewiesen sind, denn keine Unterstützung bekommen. Ob sie einfach links liegen gelassen werden. Hans Reitner sagt dazu: „I ha nie wen, den i frog’n ka.“ Für einen kurzen Moment scheint es so, als sei der Mann mit dem Vollbart traurig. Einsamkeit schwingt in seiner Stimme mit.

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Ein Zeichen von Gastfreundlichkeit? Die Glasscheibe der Haustür fehlt schon seit Längerem.

Sein Vater ist tot. Vielen seiner Verwandten war ein ähnliches Schicksal beschieden wie dem 57-Jährigen, der seine Ausbildung zum Schreiner nie abgeschlossen hatte. Was ihm heute bleibt, sind seine Katzen – „Freunde“, die ihn nie im Stich lassen. Charaktere – wenn auch tierische -, die keine Vorurteile haben. Das betont auch Hans Reitner mit einem Lächeln: „De ha i vom Babba g’erbt. I ka’s o ned heagem – des bring i ned iwa s’Herz.“

Trotz der verdreckten Wohnung, trotz seiner schmalen Haushaltskasse, trotz seiner Perspektivlosigkeit, scheint der gebürtige Wollaberger doch einigermaßen zufrieden mit seiner Situation zu sein. Zufriedener zumindest als diejenigen, die durch die Gier nach immer mehr Geld den Blick für die Realität verloren haben. Menschen wie Hans Reitner ist es egal, wie viel Geld sein Gegenüber auf dem Konto hat; ob er mit einem Porsche 911 oder einem Fiat Punto durch die Gegend fährt. Menschen wie Hans Reitner sind sehr einfach gestrickt – mit allen Vor- und Nachteilen, die dieser Daseins-Zustand mit sich bringt.

„D’Sunn hoizd uns s’Zimma scha aaf“

Ähnliches erfährt man im Dachgeschoss. Dort teilen sich Sandro Wolf (35) und Alexander Spann (30) eine Wohnung. Auch sie haben Besuch. Auch sie haben am Vormittag bereits das ein oder andere Bier „gezwitschert“ – was ihre Alkoholfahnen und geröteten Augen schonungslos bezeugen. Zunächst herrscht geschäftiges Durcheinander. Erst als Alexander Spann mit Nachdruck erklärt, „dass a jeda sei Fotz’n zum hoid’n hod, wei ma iatzt de Frag’n beantwoad’nd“, herrscht Ruhe für eine Konversation.

Sandro Wolf lebt seit zweieinhalb Jahren im Haus – „mei Oide hod me ausghaut“, berichtet er ohne Umschweife. Der gelernte Metzger, der später auf Montage unterwegs war („I war da beste Akkord-Pflosdara vo da Weijd“), hat durch Alkohol seinen Führerschein verloren, ist arbeitslos – und deshalb chancenlos, eine neue Anstellung zu bekommen. Genauso ist es seinem Freund Alexander Spann ergangen. Nachdem dieser ohne Freundin, ohne Arbeit und ohne Unterkunft war, hat ihm Sandro Wolf angeboten, bei ihm einzuziehen.

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Keine Heizung, keine Fenster, keine Perspektive – wenig Tageslicht: Alexander Spann (links) und Sandro Wolf.

Zwar sind beide froh, in den Sozialwohnungen untergekommen zu sein. Nichtsdestotrotz beklagen aber auch sie den maroden Zustand des Hauses. Eine Zentralheizung gibt es nicht, den Holz-Ofen können sie nicht anschließen, das Fenster ist zu Bruch gegangen – es ist kein Geld für ein entsprechendes Rauchrohr oder eine neue Scheibe da. „D’Sunn hoizd uns s’Zimma scha aaf“, erklärt Alexander Spann. Für ihn ist es mittlerweile zur Gewohnheit geworden.

Doch vor allem bei Frost ist es im Gebäude nur unwesentlich wärmer als draußen. Außenstehende würden unter diesen Umständen wohl keine einzige Nacht im Rachelweg 3 verbringen wollen. Sandro Wolf und Alexander Spann ist das egal, wie es scheint. Sie machen sich ein Bier auf, prosten sich zu und lachen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Auch die regelmäßigen Polizeibesuche verderben ihnen nicht die Laune. „Mei, des is hoid so. Mia hama hoid an g’wissn Ruf – und des wiss’n auch andare Leid. Und dann kimmd hoid Bolezei wida moi…“

Helmut Weigerstorfer

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Stimmen zum Brennpunkt Rachelweg 3

Das Onlinemagazin da Hog’n hat bei zuständigen Einrichtungen und Behörden nachgefragt, wie sie die Lage im Haus „Rachelweg 3“, dessen Besitzer der Landkreis Freyung-Grafenau ist, einschätzen – und wie den dort lebenden Menschen geholfen werden kann:

Claudia Grimsmann, Pressebeauftragte des Caritasverbandes Freyung-Grafenau: „Die Einschätzung von Immobilien ist per se nicht unsere Aufgabe: Dennoch gibt es viel zu wenig Wohnraum für sozial Bedürftige – auch in unserem Landkreis. Der Soziale Wohnungsbau ist deutschlandweit aufgrund der politischen Entscheidungen in den letzten 25 Jahren massiv zurückgegangen. Nur wer Hilfe will, dem kann auch geholfen werden: Es ist mir nichts bekannt, dass sich ein Bewohner an eine unserer Einrichtungen gewandt hätte. Auch wenn wir unsere Aufgabe als ‚Anwalt der sozial Schwachen‘ verstehen, müssen wir um Coaching gebeten werden. Auch wir brauchen ein Mandat.“

 

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Paul Rammelmeyr, erster Vorsitzender des Vereins „Chance für Jeden e.V.“, der sich um Langzeitarbeitslose mit Mehrfachbelastung kümmert.

Paul Rammelmeyr, Verein „Chance für Jeden e.V.“ (CFJ): „Die Altbauwohnungen sind irgendwann einmal auf niedrigem Standard renoviert worden. Mindestens ein Raum ist beheizbar, wenn auch nur mit festen Brennstoffen. In den Bädern gibt es warmes Wasser aus einem alten Elektro-Boiler und es sind Stromanschlüsse für die wichtigsten E-Geräte vorhanden. Solche Wohnungen gelten in Deutschland als zumutbar für die Randgruppe der Langzeitarbeitslosen mit Mehrfachbelastung oder andere Menschen der untersten sozialen Stufe. Zugegeben: Der katastrophale Ist-Zustand in den Wohnungen wird durch manche Bewohner selbst verursacht. Schlimm ist, dass die Wohnung des vom Caritas-Betreuungsvereins unterstützten Reitner gar nicht nach Betreuung aussieht.

Die Bewohner sind Frührentner und Arbeitslose mit Alkohol- und/oder Drogenproblemen. Mindestens ein Bewohner genießt wegen seines fortgeschrittenen Alkoholmissbrauchs die Hilfe einer amtlich bestellten Betreuung. Wenig begeisternd ist die Tatsache, dass das Anwesen Rachelweg 3 zum sozialen Brennpunkt in Freyung geworden ist – schon allein deswegen, weil man dort die Menschen ansiedelt, die Hilfe und Führung brauchen. Stichwort: Ghettobildung.

„Bewohner schaffen Weg in ein normales Leben nicht selber“

Hilfe und Führung sind die Zauberworte. Der Vermieter könnte eine einfache Hausordnung erlassen. Zum Beispiel: Das Treppenhaus ist von jeglichem Unrat oder sonstigen Gegenständen freizuhalten. Leere Blechdosen von Katzen- oder Hundefutter bitte nicht in großen Mengen in der Wohnung lagern, sondern in den Dosencontainer werfen. Bei Kontrollen kann man dann auf die Personen ‚maßvoll‘ einwirken, wenn sie sich nicht an die Hausordnung halten. Mit der wöchentlichen Säuberung des Treppenhauses würde ich einen oder mehrere Bewohner gegen Bezahlung beauftragen. In den Wohnungen selbst steht dem Vermieter kein unbedingtes Mitspracherecht zu. Man könnte aber durch Bereitstellung von Putzmitteln, Farbe oder Bodenbelägen Anreize zum Selber- und Saubermachen schaffen. In einer der Wohnungen habe ich gesehen, dass der Holz-Ofen nicht angeschlossen war. Es fehlte das Ofenrohr und den Mietern das Geld dafür. Was läge näher, als der Anschluss des Ofens durch den Vermieter.

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„Da ich meine Mitarbeiter oftmals nach Hause fahre, kann ich mir auch über deren Wohnsituation einen guten Überblick verschaffen.“ Auf dem Foto zu sehen: Hans Reitners Küche.

Alle Menschen, die in diesem Haus wohnen, werden vermutlich nicht aus eigener Kraft den Weg in ein normales, selbstbestimmtes Leben in Arbeit schaffen. Deshalb fordere ich schon seit Jahren die Schaffung von unbefristeten Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) für solche benachteiligten Menschen. Sie brauchen einen geschützten Raum auf dem harten Weg raus aus der Sucht oder sonstigem Lebensdilemma. Diesen Raum können nur soziale Beschäftigungseinrichtungen wie zum Beispiel unser CFJ Chance für Jeden FRG e.V. bieten.

Die Förderprogramme der Jobcenter kosten pro Teilnehmer zwischen 500 und 6.000 Euro – und sind oft nur zufällig zielführend. Das kritisierte kürzlich sogar der Bundesrechnungshof. Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Integration von ’schwierigen‘ Langzeitarbeitslosen in Arbeit, weiß ich, dass diese Personengruppe nicht in befristeten Maßnahmen erfolgreich eingegliedert werden kann. Würde man den Bewohnern im Rachelweg 3 die Chance auf Integration in Arbeit in unserem Beschäftigungsprojekt gewähren, wäre das die größte Hilfe. Alles andere ergibt sich nach und nach.

Im Rachelweg 3 waren zwei unserer Vereinsmitglieder amtlich gemeldet wohnhaft. Einem weiteren Vereinsmitglied hatte ich zwar vor Jahren am Hammerberg eine schöne Zweizimmerwohnung beschafft, er zog es aber vor, in der Wohnung seiner Freundin im Rachelweg 3 zu leben. Seine eigene Wohnung war voll eingerichtet und in Top-Zustand. Solange mit unseren Vereinsmitgliedern ein regelmäßiges Beschäftigungsverhältnis bestand, war ich durch persönliche Gespräche immer gut über die jeweiligen Verhältnisse informiert. Da ich meine Mitarbeiter oftmals nach Hause fahre, kann ich mir auch über deren Wohnsituation einen guten Überblick verschaffen. So weiß ich meistens auch, was benötigt wird. Der Informationsfluss unter meinen Mitarbeitern ist sehr gut. Sie kümmern sich auch füreinander.“

 

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Geschäftsführer der Stadt Freyung: Herbert Graf.

Herbert Graf, Geschäftsleiter der Stadt Freyung: „Mit Außerkraftreten des Wohnungsaufsichtsgesetzes sind die Befugnisse und Eingriffsmöglichkeiten der Gemeinden als Sicherheitsbehörden nach den Vorschriften des LStVG nunmehr sehr eingeschränkt. Sicherlich haben wir größtes Interesse, dass auch sozial bedürftige Personen menschenwürdige Wohnbedingungen vorfinden. Nach einer Inaugenscheinnahme des Anwesens haben wir Ihre Presseanfrage deshalb zuständigkeitshalber an den Landkreis FRG weitergeleitet. Allerdings hätte ich es für sinnvoller erachtet, wenn sich die betroffenen Mieter direkt mit dem Vermieter in Verbindung gesetzt hätten!“

 

"Nach anfänglicher Zurückhaltung auf beiden Seiten merkte man schnell, dass man hinsichtlich der medizinischen Ausrichtung der Abteilung auf einer Wellenlänge liegt", berichtet Landkreis-Sprecherin Judith Wunder.

Pressesprecherin des Landkreises Freyung-Grafenau: Judith Wunder

Judith Wunder, Sprecherin des Landkreises Freyung-Grafenau: „Es handelt sich bei den betreffenden Wohnhäusern um Mehrfamilienhäuser aus den 50er Jahren. Diese weisen nach einem aktuellen Wertgutachten zwar eine solide Bausubstanz auf, befinden sich aber insbesondere in energetischer Hinsicht auf dem damaligen Stand. Eine Hilfegewährung an die Mieter kann von Seiten der Liegenschaftsverwaltung nur insofern geleistet werden, dass in Fällen von Schäden am Mietobjekt eine rasche Beseitigung gewährleistet wird. Der insoweit zuständige Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung pflegt im Übrigen auch einen sehr menschlichen Kontakt mit den Mietern.

Eine dauerhafte Verbesserung des Wohnumfeldes ist bisher immer wieder gescheitert, da immer wieder Müllablagerungen und dergleichen festzustellen sind. Es werden aber in regelmäßigen Abständen durch die Hausmeister des Landratsamtes Säuberungs- und Pflegearbeiten durchgeführt. Weitergehende Auskünfte, ob und ggfs. in welchen Bereichen Mieter des Objekts Unterstützungsleistungen vom Landratsamt und/ oder vom Jobcenter erhalten, sind aus Gründen des Sozialdatenschutzes jedoch nicht möglich.

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Rachelweg 3 in Freyung – ein sozialer Brennpunkt.

Allgemein gilt aber für die Tätigkeit der Sozialverwaltung: Wenn in einem Einzelfall Anhaltspunkte für einen Betreuungsbedarf bestehen, wird den betroffenen Personen (ggfs. in Kooperation mit dem Staatl. Gesundheitsamt)  ein Beratungsangebot unterbreitet.  Das gilt natürlich nicht mehr, wenn bereits eine Betreuung besteht, da ja dann sowieso schon ein Betreuer vorhanden ist.“

 

Walter Hoffmann (Pressesprecher der Polizeiinspektion Freyung): „In der Vergangenheit wurde die Polizei im besagten Anwesen Rachelweg 3 wiederholt sowohl repressiv als auch präventiv tätig. Soweit dies erforderlich war, wurden sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch andere Behörden und Institutionen von Seiten der Polizei über die jeweiligen Gegebenheiten informiert, um gegebenenfalls weitere notwendige Maßnahmen einleiten zu können.“

Helmut Weigerstorfer

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3 Kommentare bei "Am Rande der Gesellschaft: das „Löwenbrauerei-Haus“ in Freyung"

  1. Jupp sagt:

    Mit der Zuständigkeit ist es in der BRD nicht ganz einfach. Frage ich einen Beamten, darf er nichts sagen. Frage ich einen Politiker ist nur die Justiz unabhängig. Frage ich einen Rechtsanwalt, erhalte ich nach 3 Wochen eine Rechnung ohne Auskunft. Frage ich Herrn Amtsgerichtsdirektor Zankl aus Viechtach, schickt er mir einen Psychiater und beschimpft mich öffentlich als Reichsbürger. Es ist zum Haareraufen. Kennen Sie jemanden, der noch einen Kinderwunsch hat ? Reden Sie ihn ihm bitte aus, denn nur Kindermörder erhalten Entschädigung bei Willkür der staatlichen Gewalt. Kennen Sie Franz Kafka ?

  2. erich sagt:

    kürzlich war zu lesen:
    Mieterbund: Zwei Millionen Sozialwohnungen fehlen, jedes Jahr gehen zwischen 60.000 und 80.000 Sozialwohnungen verloren. Aus den Antworten des Bundesbauministeriums auf parlamentarische Anfragen geht hervor.
    In Deutschland fehlen nach Berechnungen des Deutschen Mieterbunds (DMB) mindestens zwei Millionen Sozialwohnungen. „Um genug Wohnraum für einkommensschwache Haushalte, aber auch für Durchschnittsverdiener zu haben, brauchen wir 3,5 bis vier Millionen Wohnungen“, sagte DMB-Sprecher Ulrich Ropertz. Derzeit gebe es aber nur 1,5 Millionen Wohnungen, Tendenz sinkend. „Jedes Jahr gehen zwischen 60.000 und 80.000 Wohnungen verloren“, kritisierte Ropertz. Schuld seien die Länder, die nicht genügend in den Neubau investierten. Tatsächlich ist trotz des Mangels an bezahlbaren Wohnungen besonders in den Ballungszentren die Zahl der öffentlich geförderten Sozialwohnungen in Deutschland auf einen Tiefststand gesunken – im Jahr 2013 um 63.500 Wohnungen auf 1,48 Millionen, das ist ein Rückgang um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Verglichen mit dem Jahr 2011 sind es sogar 11,2 Prozent weniger.
    Und wer dafür sorgt, das immer mehr Menschen auf günstigen Wohnraum angewiesen sind, aber gleichzeitig dafür sorgt, dass immer weniger günstiger Wohnraum zur Verfügung steht, der schafft absichtlich und gewollt Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit. Somit nur ein weiterer Baustein der Politik im Projekt der Prekarisierung von Teilen der Bevölkerung.

  3. Raphe sagt:

    Alex raff de af, du bist erst 31. du kannst d’kurvn na griang…

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