Krankenhaus Waldkirchen: „Da lassen wir uns nicht beugen!“

Waldkirchen/Freyung/Grafenau. „Die Auswertung des Strukturberichts des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands (BKPV), der die medizinische und wirtschaftliche Situation der drei Krankenhäuser Freyung, Waldkirchen und Grafenau analysiert hat, ergibt: Die akutstationäre Versorgung soll an den Standorten Freyung und Grafenau konzentriert werden.“ – Diese Zeilen aus dem Landratsamt Freyung-Grafenau sorgen seit Bekanntgabe für heftige Diskussionen in der Bevölkerung.

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Das Ende der akutstationären Versorgung in Waldkirchen hat einen Ausbau der Häuser in Grafenau und Freyung zur Folge. Im Freyunger Krankenhaus etwa (siehe Foto) solle künftig „eine vollständige konservative innere Medizin das umfassende chirurgische Angebot ergänzen“, wie das Landratsamt mitteilt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der „Kliniken Am Goldenen Steig gGmbH„, Landrat Sebastian Gruber, und Geschäftsführer Helmut Denk haben dieses Ergebnis am Donnerstag, 11. Juni, internen und externen Gremien vorgestellt, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die zentralen Ziele lauten Gruber zufolge nun: „Die Qualität der medizinischen Versorgung im Landkreis wird gesichert, die Klinik bleibt in kommunaler Hand und alle Arbeitsplätze werden erhalten.“

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Kliniken-gGmbH-Geschäftsführer Helmut Denk: „Insbesondere medizinische Aspekte und anstehende hohe Sanierungskosten zwingen uns jetzt zum Handeln.“

„Der neutrale, umfangreiche Strukturbericht bestätigt, dass der Betrieb in Waldkirchen aus verschiedenen Gründen mittelfristig nicht sinnvoll fortgeführt werden kann. Insbesondere medizinische Aspekte und anstehende hohe Sanierungskosten zwingen uns jetzt zum Handeln“, berichtet Geschäftsführer Denk. Die Empfehlung an den Kreistag werde demnach lauten, das akutstationäre Angebot künftig auf die Standorte Freyung und Grafenau zu konzentrieren.

Bürgermeister Pollak: „Dagegen werden wir uns zur Wehr setzen“

Die unmittelbare Reaktion von Waldkirchens Bürgermeister Heinz Pollak dazu bei Facebook:

Das Waldkirchner Krankenhaus hat sich über die 60 Jahre seines Bestehens am jetzigen Standort einen hervorragenden Ruf nicht nur bei der Waldkirchner Bevölkerung, sondern in der gesamten Region erworben. Nicht nur der südliche Landkreis Freyung-Grafenau, sondern auch der nördliche Landkreis Passau profitiert vom Krankenhausstandort Waldkirchen. Beste medizinische Betreuung nahe bei den Menschen, diese Kombination hat dazu geführt, dass beispielsweise im letzten Jahr das Waldkirchner Krankenhaus von 4.331 Patienten stationär und von 4.885 Patienten ambulant in Anspruch genommen wurde.

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Heinz Pollak gibt sich kämpferisch: „Am Bestand des Waldkirchner Krankenhauses innerhalb der Kliniken des Landkreises darf nicht gerüttelt werden.“

Brandaktuell wird dem Krankenhaus Waldkirchen beispielsweise schriftlich attestiert, dass es als zertifiziertes Endoprothetik-Zentrum höchste Standards im Bereich Gelenkersatz gewährleistet. Das Krankenhaus genügt im Übrigen auch in allen anderen Leistungsbereichen höchsten Ansprüchen.

Wenn jetzt das Krankenhaus Waldkirchen in Frage gestellt wird, dann wird schnelle, kompetente und jederzeit präsente Versorgung für die Bevölkerung in Frage gestellt. Dagegen werden wir uns in Waldkirchen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen. Am Bestand des Waldkirchner Krankenhauses innerhalb der Kliniken des Landkreises darf nicht gerüttelt werden. Da lassen wir uns nicht beugen! Das Wohl der Bevölkerung muss Vorrang vor wirtschaftlichen Überlegungen haben! (…)

Grafenau und Freyung sollen weiter ausgebaut werden

In Freyung werde laut Pressemitteilung eine vollständige konservative innere Medizin das umfassende chirurgische Angebot ergänzen. Am Standort Grafenau soll die invasive innere Medizin (Herkathederlabor, Elektrophysiologie) weiter ausgebaut werden. „All das bringt für die Zukunft erhebliche medizinische Vorteile für alle Patienten im gesamten Landkreis“, sind sich Gruber und Denk sicher.

„Garantieren, dass alle Mitarbeiter weiter beschäftigt werden“

FRGs Landrat Sebastian Gruber

FRG-Landrat Sebastian Gruber: „Es wird definitiv keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“

„Unsere Häuser stehen für eine qualitativ hochwertige, medizinische Versorgung. Diese muss unter allen Umständen erhalten bleiben. Deshalb ist es uns auch besonders wichtig, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben – denn ohne unser sehr gut ausgebildetes und engagiertes Personal könnten wir die Spitzenqualität nicht leisten“, betont Geschäftsführer Denk. Landrat Gruber stellt klar: „Wir garantieren, dass alle Mitarbeiter weiter beschäftigt werden. Es wird definitiv keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“

Waldkirchener Plan: Geriatrisches und fachärztliches Zentrum

Für Waldkirchen werde nun „eine sinnvolle und zukunftsgerechte Umnutzung angestrebt“, wie es in der Pressemitteilung heißt. Ein neues, medizinisch-pflegerisches Angebot vor Ort solle die kurzfristige, ortsnahe Versorgung gewährleisten. Das Ziel: den medizinischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten entsprechen. Geplant seien ein geriatrisches Zentrum und die Ansiedlung eines Facharztzentrums mit ambulanter Notfallversorgung.

„Weichen für einen Bürgerentscheid sollen gestellt werden“

In den nächsten Tagen und Wochen sollen Mitarbeiter, Fördervereine und weitere Gremien über die genauen Pläne ausführlich informiert werden. Der Kreistag werde sich am 22. Juni mit dem Strukturbericht beschäftigen und das weitere Vorgehen festlegen. Landrat Gruber wolle ein klares, politisches Signal setzen – das letzte Wort sollen jedoch die Bürger haben. „Deshalb sollen vom Kreistag die Weichen für einen Bürgerentscheid im gesamten Landkreis gestellt werden.“ Gruber erläutert: „Letztlich geht es um die Frage: Wie gut kann ich auch morgen noch medizinisch versorgt werden? Sie betrifft jeden von uns irgendwann existenziell. Deshalb will ich ganz bewusst jedem im Landkreis die Möglichkeit geben, sich mit seiner Stimme aktiv an der Entscheidung zu beteiligen.“

 da Hog’n

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3 Kommentare bei "Krankenhaus Waldkirchen: „Da lassen wir uns nicht beugen!“"

  1. Waltraud Krompass sagt:

    Ich finde es unmöglich, wie hier aus scheinbar parteipolitischen Gründen eine Entscheidung getroffen wird. Ein renommiertes, bewährtes Krankenhaus soll geschlossen und die Bürger in Waldkirchen damit bei der medizinischen Versorgung massiv benachteiligt werden. Herr Gruber hat wohl vor allem das Wohl der Freyunger und Grafenauer Bürger im Sinne. Die nächste Wahl des Landrates kommt, aber dann ist es für das Waldkirchner Krankenhaus wohl zu spät….

  2. Waltraud Wegele sagt:

    Vorsicht mit parteipolitischer Argumentation!
    Parteipolitik ist sicher der einzige Grund, warum das Krankenhaus Waldkirchen die letzten 40 Jahre überleben konnte!

  3. Anna Windorfer sagt:

    Die Schließung des waldkirchner Krankenhauses schlug wie eine Bombe ein in der Bevölkerung.Wut und fassungslosigkeit macht sich breit in und um Waldkirchen.die Menschen gehen auf die Barrikaden und werden diese Aktion nicht akzeptieren.l Landrat Gruber wird für viele zum roten Tuch.obwohl er mir eigentlich leid tut,ist er doch nur Handlanger gewisser Seilschaften!aber wer Wind sat wird Sturm ernten.die Kliniken GmbH betreibt mit der Schließung des waldkirchner Hauses rücksichtslos Gewinnmaximierung auf kosten von Patienten,ohne zu bedenken,dass dahinter Existenzen u.menschliche Schicksale stehen.Gesundheit ist keine ware!ich wünsche Landrat Gruber nicht,dass er am Ende seiner politischen Karriere als persona granata in die Annalen eingeht!

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