Stellungnahme zu Waldbahn-Vorfall: „Erkennbar unleserlicher Eintrag“

Zwiesel/Bodenmais/Regensburg. Sehr hohe Wellen hat unser Bericht über ein Video geschlagen, das den rabiaten Rausschmiss eines Asylbewerbers aus der Waldbahn durch einen Fahrkartenkontrolleur unter Mithilfe zweier weiterer Bahnfahrer zeigt. Der Übergriff ereignete sich am Montag, 23. Februar 2015, auf der Strecke Zwiesel-Bodenmais. Das Video, aufgenommen von einer Gruppe mitreisender Jugendlicher, kursiert seit mehreren Tagen in den sozialen Medien. Die Presseabteilung der Länderbahn (Betreiberin der Waldbahn) hielt sich heute tagsüber zu den vielen (noch) offenen Fragen bedeckt (telefonisch war niemand zu erreichen) – und äußerte sich erst am späten Nachmittag per E-Mail zu dem unschönen Vorfall.

„Dass es zur Eskalation kam, bedauern wir sehr“

Die Stellungnahme von Länderbahn-Pressesprecherin Christiane Hecht im Wortlaut:

„Mittlerweile wurden die beteiligten Mitarbeiter zum Vorfall vom 23. Februar 2015 in der waldbahn befragt. Die Länderbahn und der Mitarbeiter bedauern den besagten Vorfall sehr. Das Verhalten entspricht weder unseren Unternehmenswerten und  den Vorgaben, nach denen unsere Mitarbeiter arbeiten.

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„Alle Kundenbetreuer der waldbahn haben ein Deeskalations-Training absolviert.“ Screenshot: da Hog’n

Zur Vermeidung von Mehrfachnutzung von Tagestickets, wie beim waldbahn-TagesTicket oder auch bei Bayern-Tickets, sind der Vor- und Nachname durch den Fahrgast auf dem Fahrschein einzutragen. Bei Nicht-Eintrag des Namens oder, wie in diesem Fall in der waldbahn, erkennbar unleserlichem Eintrag, wird der Fahrgast durch den Kundenbetreuer mehrmals aufgefordert den Vor- und Nachnamen einzutragen. Dies passierte in diesem Fall bereits mehrfach erfolglos in der waldbahn zwischen Plattling und Zwiesel. Beim Umstieg in die waldbahn von Zwiesel nach Bodenmais erfolgte eine weitere Aufforderung durch einen weiteren Mitarbeiter, der der Fahrgast wiederum nicht nachkam. Dass es danach zur Eskalation kam, bedauern wir sehr.

In solchen Fällen ist zunächst ein erhöhtes Beförderungsentgelt zu erheben, in letzter Konsequenz die Bundespolizei hinzuzuziehen. Bedauerlicherweise wurden diese Vorgaben nicht eingehalten.

Unsere Mitarbeiter werden im Rahmen ihrer Schulungen regelmäßig weiter qualifiziert und auch für diese Situationen trainiert. Alle Kundenbetreuer der waldbahn haben ein Deeskalations-Training absolviert.“

Auf Nachfrage des Onlinemagazins da Hog’n, ob bzw. welche Konsequenzen das gewaltsame Eingreifen des Waldbahn-Mitarbeiters haben wird, antwortet Pressesprecherin Hecht kurz angebunden per E-Mail: „Über die Konsequenzen gegenüber dem Mitarbeiter werden wir aus Datenschutzgründen nichts veröffentlichen.“ Wie da Hog’n mittlerweile in Erfahrung bringen konnte, handelt es sich bei dem jungen Mann, der vom Fahrkartenkontrolleur aus dem Zug geworfen wurde, um einen derzeit im Landkreis Regen in einer entsprechenden Unterkunft wohnenden Asylbewerber.

Viele Fragen bleiben also weiterhin unbeantwortet.

Fortsetzung folgt…

da Hog’n

Mehr zum Thema:

–> Hog’n-Bericht (1): Video zeigt: „Asylbewerber gewaltsam aus der Bahn geschmissen“

–> Hog’n-Bericht (3): Waldbahn-Vorfall: Strafantrag gegen Zugbegleiter gestellt

–> Süddeutsche Zeitung: „Schaffner wirft ausländischen Fahrgast gewaltsam aus dem Zug

–> Abendzeitung: „Trotz gültigen Tickets: Kontrolleur schmeißt Asylbewerber aus Zug“

–> BR: „Schaffner wirft Asylbewerber gewaltsam aus Zug“

–> Huffington Post: „Don’t touch me! – Schaffner wirft Asylbewerber gewaltsam aus der Bahn“

–> Straubinger Tagblatt: Eklat in der Waldbahn: Rabiater Schaffner packt zu und wirft…“

–> TV Aktuell: „Trotz Ticket: Kontrolleur wirft Asylbewerber gewaltsam aus Zug“

 

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21 Kommentare bei "Stellungnahme zu Waldbahn-Vorfall: „Erkennbar unleserlicher Eintrag“"

  1. Josef Snood sagt:

    Zitat auf der Waldbahn-Startseite:

    „Freuen Sie sich auf eine freundliche Beratung durch unsere Kundenbetreuer im Zug, die Tickets ohne Aufpreis verkaufen.“

    Hat dann wohl nicht so ganz funktioniert.

  2. Udo sagt:

    „(…) wird der Fahrgast durch den Kundenbetreuer mehrmals aufgefordert den Vor- und Nachnamen einzutragen. Dies passierte in diesem Fall bereits mehrfach erfolglos (…)“

    Kann mir schon vorstellen, wie „einfühlsam“ diese Aufforderungen vonstattengingen.
    Aber sowas ist ja an der Tagesordnung:
    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/bahnkundin-ohne-deutschen-pass-von-polizei-abgefuehrt-a-894980.html

  3. Reinhard Scheffler sagt:

    Vielleicht sollte man , bevor Schuldzuweisungen oder schuldhaftes Verhalten des Asylbewerbers angenommen werden, erst mal alle Beteiligten- auch den Asylbewerber – befragen… Und deren Aussagen bewerten… Und keine Vorverurteilung betreiben…

  4. Boandl Kramer sagt:

    Was ISDN der Aufreger?

    Tatsache: Asylbewerber fährt (nicht zu ersten Mal) schwarz und wird daraufhin nicht weiter befördert. Offensichtlich will er nicht aussteigen, also wird er hinausbegleitet. Ende Tatsache.

    Was Ihr daraus – mit bundesweiter Verbreitung – macht: Unbegründeter Übergriff eines Waldbahn-Kontrolleurs auf unschuldigen armen Asylbewerber.

    Meine Meinung: Eine weitere linke Gutmenschenpublikation müssen wir in der Region nicht haben, PNP und SZ genügen vollauf. Und ob Ihr mit einschlägigen Aufbauschungen und Verdrehungen der Region einen Gefallen tut, sei den Lesern und Anzeigekunden überlassen.

    Im Übrigen: Hier im Raum Regensburg funktionieren die Links nur nach längerer Wartezeit.

    Gruß Boandl Kramer

    • Brandon sagt:

      Er ist nicht schwarz gefahren sondern hatte lediglich in arabischer schrift unterschrieben was man auch nicht verübeln kann!

      Wenn er die Europäischen Schriftzeichen nicht beherrscht dann kann man ihn auch nicht dazu zwingen oder könntest du in Chinesicher schrift unterschreiben ?

      Außerdem ist eine Unterschrift eine Unterschrift egal in welcher Sprache.
      Hier wurde einfach überreagiert.

      • Margret sagt:

        Brandon, natürlich ist der Schwarze Schwarz gefahren, der hat nicht in arabischer Schrift unterschrieben der spricht französisch !
        Lt Bahnvorschrift muss der Name eingetragen werden, den der Schaffner mit dem Ausweis vergleichen kann.. der Typ wollte nicht aufstehen, er sagte “ je m’en fou “ kannst Du mit ‚ich scheiss drauf ‚ vergleichen… er wollte auch nichts bezahlen; verlangte vom Schaffner sogar Geld und hat diesen auch zuerst angefasst ! Also bitte schleicht Euch Ihr Gutmenschen !

    • Brandner Kasper sagt:

      Wo haben Sie denn IHRE Tatsachen her? So viel zum Thema „Verdrehungen“. Meng`S no a Schnapserl?

      Und was „linke Gutmenschenpublikationen“ ausgerechnet mit der PNP zu tun haben sollen, ist mehr als schleierhaft.

    • Boandl Kramer sagt:

      Ok, dann habe ich das falsch gelesen und ich entschuldige mich. Hatte es so verstanden, als sei das Ticket bereits mehrfach benutzt worden.

  5. Michael sagt:

    Ich würde gerne den einfühlsamen Zugbegleiter sehen, wenn er sich z. B. im Urlaub in einem Land aufhält, in welchem nicht die lateineinische Schrift die allgemein gebräuchliche ist, seinen Namen auf arabisch, kyrillisch, indisch, chinesisch, oder, oder schreiben müsste. Bereits bei einem Griechenland-Urlaub würde man da bereits an seine Grenzen stossen. Aber glücklicherweise sind nicht alle so borniert.

  6. Michael G. sagt:

    Selbst wenn es sich um Schwarzfahren bzw. die Benutzung der Karte durch mehrere Personen gehandelt haben sollte (mehr als ein Verdacht kann es gar nicht gewesen sein), hat der Fahrkartenmann die Person nicht anzurühren. Andere Fahrgäste ebenso wenig. So einfach ist das.

  7. Michael Möller sagt:

    Liebes Hogn.de-Team, bitte bleibt an der Sache dran. Dieser Vorfall ist ekelhaft und zeigt einen Kleingeist in Arbeitsuniform. Die Stellungnahme dieses „Unternehmens“ ist schwammig und versucht von der eigentlichen Tat abzulenken.
    Der Fahrgast ist, wie man der Stellungnahme entnehmen kann, mehrfach umgestiegen und wurde anscheinend von dieser „Person“ zum ersten Mal darauf hingewiesen. Oder wurde die Information wie beim Staffellauf von Kontrolleur zu Kontrolleur weitergegeben?

    Aber stimmt, Autofahrer die ein Parkticket ziehen und mit diesem auf dem Weg zurück zum Auto von dem Ordnungsamt aufgeschrieben werden, am allerbesten auch noch getreten und gezogen werden, ist anscheinend akzeptabel! Weil liegt ja auch noch nicht unter der Windschutzscheibe, also Schwarzparken.

    Immerhin die Zivilcourage funktionierte, zwei andere Fahrgäste helfen, aber der falschen Seite. Sorry, aber diese Waldbahn ist ein ekelhafter Haufen. Durch den „Datenschutz“-Spaß kann man immerhin annehmen, dass der Schläg… äh Kontrolleur weiter im Amt bleibt, anstatt hier, medienwirksam die Kündigung verkündet wird und sich das Unternehmen von dem ausländerfeindlichen Image abwendet, welches dieser Uniformspezi innerhalb einer Minute aufgebaut hat.

  8. Bürger sagt:

    Ich verlange eine Erklärung der Länderbahn, warum sie in einer solchen Situation dem Mitarbeiter derart massiv in den Rücken fällt und behauptet, er dürfe nur zu ersten Hilfe Hand anlegen. Laut den EIGENEN (!) Beförderungsbedingungen überträgt sie das Hausrecht auf das Zugpersonal. Nun hat der Schaffner es durchgesetzt -scheinbar von der Sache her zu Recht- und wird öffentlich bloßgestellt. Ich empfinde das als bodenlose Frechheit dem Mitarbeiter gegenüber und medienwirksame Ausrede. Auch wenn es unpopulär war: Er hat aus meiner Sicht und nach Abwägung anderer Möglichkeiten und der Rechtslage richtig gehandelt!

    So wie das dargestellt wird hinsichtlich „nicht_Hand_anlegen“ ist das doch gar nicht machbar. Das Personal muß Leuten helfen z.B. bei Ein- und Ausstieg, auch mal jemanden antippen oder zur Seite schieben, schlafende oder betrunkene Fahrgäste rütteln, um sie zu wecken wenns verbal nicht geht und etliche andere Situationen.

    Und als Fahrgast möchte ich HIER UND JETZT vom Pressesprecher der Waldbahn ganz klar hören bzw. lesen, wie es für mich auf meiner Fahrt weitergeht, wenn wie von der Länderbahn gefordert erst die Polizei gerufen werden muß mit allen damit einhergehenden Verzögerungen, bis der Fahrgast behandelt und ggf. entfernt wurde. Zu guter letzt muß man selbst noch Personalien angeben und wird zur Vernehmung als Zeuge gebeten?

    • Margret sagt:

      Richtig ! Das Video bezeugt eindeutig, dass der Schwarze den Schaffner zuerst angefasst hat und dieser dann genug von dem Affentheater hatte und raus damit. Völlig richtig ! Der Asylant sagte nach der Aufforderung
      aufzustehen laut: “ Je m’en fou “ … was man mit : “ ich scheiss drauf “
      übersetzen kann..

  9. Sepp sagt:

    Man beachte das „Leitbild“ der Länderbahn (http://www.laenderbahn.com/de/die-laenderbahn/leitbild-und-qualitaetsmanagment/):
    z.B. „…Vertrauensvoller Umgang ist die Grundlage jeder Zusammenarbeit“ oder „…Wir wertschätzen jede Person…“ oder „Nur mit Ihnen – als zufriedener Fahrgast – können wir uns weiterentwickeln. “
    Das alles hört sich in diesem Zusammenhang wie ein schlechter Witz an. Ich möchte anregen, eine Protestnachricht an die Waldbahn zu senden. Jeder, der wie ich, über diese ekelhaft und rassistische Entgleisung schockiert ist, sollte dies kundtun: info@laenderbahn.com

    • FB sagt:

      Was daran hat in geringster Weise mit Rassismus zu tun, außer daß zufällig der Fahrgast schwarz war?
      Unterlassen Sie diese Hetzerei!

  10. Armin sagt:

    Rassistisch ist daran zum Beispiel, dass der Kontrolleur den Fahrgast geduzt hat. Eine Beleidigung durch den Herablassenden Sprachgebrauch.

    Bezüglich anfassen: die Regel, dass die einzige Ausnahme Erste Hilfe ist, bezieht sich auf das NICHT EINVERNEHMLICHE Anfassen, also ungefragt. Selbstverständlich darf und sollte ein Zugbegleiter Menschen helfen, zum Beispiel beim Einsteigen. Das ist aber einvernehmlich: er hält die Hand hin, die ältere Dame ergreift sie.

    Auch Notwehr oder Ähnliches wäre natürlich ausgenommen. Der Fahrgast war aber in keiner Weise aggressiv; er hat sogar angeboten, auszusteigen – auf Englisch, was der Kontrolleur ignoriert hat, obwohl er es wohl verstanden hat, schließlich sagte er später selbst auf Englisch: I want you to get out! Anstatt aber mit dem Fahrgast zu sprechen, entschloss sich der Kontrolleur dazu, ihn auf Deutsch zu beleidigen und gewaltsam rauszuwerfen.

    • FB sagt:

      Der Fahrgast hat klar und deutlich auf Englisch gesagt, wenn er 7,50€ bekäme, würde er aussteigen. Feiner, aber entscheidender Unterschied, nicht wahr?
      Die Länderbahn hat eine eindeutige Aussage zum Anfassen von Fahrgästen getroffen. Nur_bei_erster_Hilfe. Nichts anderes. Uminterpretieren würde ich noch das nach der im Video gezeigten und nun in den Medien verrissenen Sache nicht mehr trauen als Personal dort. Und wenn es noch so harmlos und gut gemeint erscheint. Einzig Notwehr wäre möglich, in dieses Recht kann nämlich der Arbeitgeber niemandem rein reden. Im Übrigen war mehrfach zu lesen, der Kontrolletti hätte dem Fahrgast mehrfach nicht nur die Möglichkeit gegeben, sondern ihn dazu aufgefordert, seinen Namen einzutragen. Was soll er denn noch mit ihm reden? Eine Konversation über Quantenphysik, das Balzverhalten des Goldhamsters, Sinn und Unsinn des Lebens?,

    • Margret sagt:

      stimmt doch nicht ! Der Schaffner hat ihn aufgefordert aufzustehen, daraufhin sagte der Schwarze laut: “ Je m’en fou“ ! Was man mit
      “ ich scheiss drauf “ übersetzen kann… Hier in Frankreich eine
      tägliche Umgangssprache von Ausländern ohne Papiere ! Und ausserdem hat er den Schaffner zuerst angefasst, worauf dieser dann sagte “ don’t touch me raus ! Sag mal könnt Ihr mal das Video richtig anschauen und anhören ?

      • FB sagt:

        Nanu? Kommt mein Text nicht richtig rüber? Ich denke, wir stehen auf der gleichen Seite. Der Fahrgast hat sich unkooperativ und frech-uneinsichtig verhalten und hatte meiner Meinung nach kein Recht auf Beförderung.

  11. Bert sagt:

    Und dann ist die Länderbahn so FEIGE und schaltet kurzerhand die Facebook Seite ab.

    Gestern war sie noch da:
    http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:jI7dvGqT748J:https://de-de.facebook.com/laenderbahn+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&lr=lang_de%7Clang_en&client=safari

    Heute nix mehr.

    Schamts Eich!

  12. Ulrich d.Preiss sagt:

    Egal,ob schwarz,weiss oder gelb,die Art der Kontrolle ist m.E. doch sehr fragwürdig!!Der Kontroleur muss nicht arabisch lesen können,aber da er
    ein Unternehmen vertritt,sollte er tolerant sein und sich benehmen können.
    Ausserdem finde ich,die“Helfer“standen auf der falschen Seite oder neben sich?
    Wir fahren im Urlaub gerne mit der Waldbahn:immer noch???
    Gerne hätten auch die filmenden Fahrgäste sich kümmern können und
    nicht zuschauen wie der Ochs vorm neuen Scheunentor.
    Man kann nur hoffen.

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