„Jeder macht mal Fehler – aber bei uns Journalisten stehen sie gleich in der Zeitung“

Münsterland. Schadenfreude ist einfach die schönste Freude – dieses altbekannte Sprichwort trifft immer wieder den Nagel auf den Kopf. Vor allem Journalisten produzieren im Laufe ihrer Karriere viele lustige Ausrutscher, die für den ein oder anderen Schmunzler sorgen. „Schreiberling“ Jörg Homering-Elsner aus dem Münsterland hat genau diese Kuriositäten gesammelt und die Facebook-Seite „Perlen des Lokaljournalismus“, die mittlerweile knapp 40.000 Abonnenten hat, ins Leben gerufen. Im Interview mit dem Onlinemagazin „da Hog’n“ erzählt der Seitenbetreiber vom Beginn seiner Seite und von seinen eigenen Fehlern. Außerdem listet er seine persönlichen Highlights auf.

Perlen des Lokaljournalismus

Knapp 40.000 Abonnenten zählt die Facebook-Seite „Perlens des Lokaljournalismus“ mittlerweile. Screenshot: da Hog’n/Facebook

„Habe als Lokalredakteur auch schon ‚Perlen‘ verursacht“

Jörg, wie ist es zur Facebook-Seite Perlen des Lokaljournalismus“ gekommen?

Ich bin selber Lokaljournalist. Und wie vermutlich in jeder Redaktion gibt es auch in unserer seit Jahren eine Pinnwand, an der journalistische Ausrutscher hängen – entweder aus der eigenen Zeitung oder aus denen der Kollegen. Jeder macht in seinem Beruf mal Fehler – aber bei uns Journalisten stehen sie gleich in der Zeitung. Einiges davon habe ich dann und wann auf meine private Facebook-Seite gestellt, bis ein Freund vorschlug, daraus doch eine eigene Facebook-Seite zu machen. Die Resonanz hat mich selber überrascht: Nach zwölf Stunden hatte die Seite 1.000 Likes, nach drei Tagen waren es 7.000, jetzt, nach knapp einem Monat, sind es rund 37.400 Likes.

Nenn uns doch mal weitere Zahlen: Wie viele Nachrichten mit journalistischen Lachern hast Du bisher bekommen?

Es sind mittlerweile ein paar Hundert, am Tag im Schnitt vielleicht zehn bis 15 Nachrichten. Davon ist aber nicht alles eine wahre Perle des Lokaljournalismus; einfache Rechtschreibfehler zum Beispiel passieren leider häufig, sind aber nicht immer lustig. Es sollte am besten typischer Lokaljournalismus sein – etwa wie die Meldung mit Foto über wilde Müllbeseitigung in Zwettl. Da stand tatsächlich eine Mülltüte an einer Bushaltestelle, Polizei und Gemeindeverwaltung wurden eingeschaltet. Das sind Lokalnachrichten!

Jörg Homering

„Natürlich habe ich in 18 Jahren als Lokalredakteur auch schon ‚Perlen‘ verursacht“, erzählt Jörg Homering-Elsner. Foto: privat

Du bist ja selber Redakteur. Sind Dir auch schon solche (lustigen) Ausrutscher passiert?

Leider passieren Fehler und werden veröffentlicht, auch wenn wir uns in der Redaktion Mühe geben, die Seiten gründlich Korrektur zu lesen. Natürlich habe ich in 18 Jahren als Lokalredakteur auch schon ‚Perlen‘ verursacht – die Überschrift ‚SuS schlägt Rodde 1:1‘ stammt von mir und steht auch schon auf der Facebook-Seite. Meine Entschuldigung für den Fehler: Der SuS war eben besser und Sieger der Herzen…

„Es geht nicht darum, jemanden vorzuführen oder zu belehren“

Hat es nach der Veröffentlichung einer „Perle“ schon mal böses Blut eines Verlags, eines Chefredakteurs oder eines Kollegen gegeben?

Nein, bisher sind die Reaktionen durchweg positiv. Viele Vorschläge kommen übrigens von anderen Journalisten, da findet mittlerweile oft ein netter Austausch statt. Ich will ja auch niemanden an den Pranger stellen – deshalb nenne ich auch weitestgehend keine Quelle, auch wenn ich sie kenne. Es geht nicht darum, jemanden vorzuführen oder zu belehren, sondern zu zeigen: In den Redaktionen arbeiten auch nur Menschen. Und die machen manchmal lustige Fehler. Da schließe ich mich durchaus ein.

Hast Du ein persönliches Highlight? Gibt es so etwas wie einen Evergreen?

Perlen des Lokaljournalismus_MumieEs gibt viele tolle ‚Perlen‘, etwa die Meldung: ‚Alkoholisiert und unter Drogeneinwirkung stehend haben Polizeibeamte einen 30-Jährigen angehalten‘. Auch nicht schlecht: Die Überschrift ‚Dunkelhäutige wollten schwarz über die Grenze‘ oder ‚Europas älteste Mumie in Detmold‚ und direkt darüber – jedoch einem anderem Text zugehörig – ein Foto von James Last. Mein persönliches Lieblingsstück aber ist ein über 100 Jahre alter Bericht über den Festumzug beim ‚Gauturnfest‘ Münster im ‚Beiblatt zur Glocke, Beckumer Volkszeitung, Wiedenbrücker Zeitung‘ vom 13. August 1919. Da wird – noch in Frakturschrift – Folgendes berichtet: ‚(…) Unter den Festgästen bemerkte man den kommandierenden General Frhrn. von Watter, den Oberpräsidenten Dr. Würmeling, Regierungspräsident a.D. von Bescher, Oberbürgermeister Dieckmann, Bürgermeister Sperlich, Oberpräsidialrat Kirchner, Oberregierungsrat von Reese, Major Schulz u. a., sowie die Vertreter der Lehrer- und Turnerschaft und andere Arschlöcher.‘

Jörg, vielen Dank für das Gespräch – und das da noch viele weitere Perlen kommen mögen.

Interview: Helmut Weigerstorfer

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2 Kommentare bei "„Jeder macht mal Fehler – aber bei uns Journalisten stehen sie gleich in der Zeitung“"

  1. weckenbrock sagt:

    Über die „Perlen des Lokaljournalismus'“ und dieses Interview mit dem Betreiber der Facebook-Seite:

    http://www.muensterschezeitung.de/blogs/startseite/Zum-Lachen-Teil-II-Wo-Lokaljournalismus-lustig-ist;art145862,2345880

  2. nömix sagt:

    »Das Denken fällt oft schwer, indes,
    das Schreiben geht auch ohne es.«
    (Wilhelm Busch)

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